Autonomes Fahren ist einer der zentralen Zukunftstrends der MobilitÀt der Zukunft. Aber die Akzeptanz variiert zwischen unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen in Deutschland. Das zeigt eine Kooperationsstudie von YouGov und CAM, die die Akzeptanz der Technologie in Deutschland unter die Lupe genommen hat.
Werden Robo-Taxis und autonome Shuttles in Deutschland bald zu wichtigen Verkehrsmitteln in Deutschland? In den US-amerikanischen StĂ€dten San Francisco und Phoenix befördern autonome Taxis ohne Sicherheitsfahrer bereits FahrgĂ€ste. Mercedes-Benz ist der erste Automobilhersteller weltweit, der fĂŒr seine Luxusfahrzeuge autonomes Fahren z.B. auf Bundesautobahnen anbieten darf. Erstmals ist damit der Automobilhersteller fĂŒr die Fahraufgabe verantwortlich und der Fahrer kann sich anderen Sachen widmen, kann sogar legal Filme schauen oder Mails beantworten. Die Entwicklungsbestrebungen der Automobilbranche zeigen: Langfristig werden Kraftfahrzeuge vollautonom fahren, und der Mensch wird in vielen Alltagssituationen zum Passagier. Doch wie werden diese Entwicklungstrends von den Konsumenten wahrgenommen?
Eine aktuelle Befragung der internationalen Data & Analytics Group YouGov in Kooperation mit dem Center of Automotive Management (CAM) hat ergeben, dass die deutsche Bevölkerung autonomen Fahrzeugen noch recht skeptisch gegenĂŒbersteht (vgl. Abb. 1). Knapp die HĂ€lfte der reprĂ€sentativ Befragten (49%) kann sich zum aktuellen Zeitpunkt nicht vorstellen, vollautonome Fahrzeuge etwa in Form von Robo-Taxis zu nutzen. Immerhin kann sich fast jeder fĂŒnfte Proband die Nutzung autonomer Fahrzeuge sehr gut vorstellen (18%). Insgesamt zeigt sich, dass jĂŒngere Altersgruppen den autonomen Fahrzeugen deutlich positiver gegenĂŒberstehen: Rund 63 Prozent der 18- bis 34-JĂ€hrigen können sich die Nutzung âsehr gutâ (28%) oder âvielleichtâ (35%) vorstellen. DemgegenĂŒber wĂ€chst mit dem Alter der Befragten die Skepsis: Die Generation der ĂŒber 55-JĂ€hrigen spricht sich mit 61% gegen die Nutzung etwaiger Angebote aus, wĂ€hrend die Gruppe der 35- bis 54-JĂ€hrigen der Nutzung bereits deutlich offener gegenĂŒbersteht.
Welche Vorteile sehen die Befragten bei der Technologie des autonomen Fahrens? Die Studienteilnehmenden sehen die Faktoren Zeitersparnis (27%) und Sicherheit (26%) als wichtigste Vorteile autonomer Fahrzeuge. So können Passagiere wĂ€hrend der Fahrt die Aufmerksamkeit auf andere TĂ€tigkeiten wie die Arbeit, FreizeitaktivitĂ€ten (z.B. Lesen) oder Erholung (z.B. Schlaf) lenken und die Fahraufgabe dem autonom operierenden Fahrzeug ĂŒberlassen. Die Tatsache, dass ein autonomes Fahrzeug in weniger UnfĂ€lle als von Menschen gesteuerte Pkw verwickelt ist und damit die Sicherheit der Insassen erhöht, unterstreicht das Vertrauen, welches knapp ĂŒber ein Viertel der Befragten in die neue Technologie setzt. Weitere Vorteile sehen die Studienteilnehmenden in einer erhöhten Effizienz und UmweltvertrĂ€glichkeit (19%), gĂŒnstigeren Unterhaltskosten (19%) sowie einem bedarfsorientierten und kurzfristig verfĂŒgbaren MobilitĂ€tsangebot (19% bzw. 18%).
Allerdings zeigt sich auch eine hohe Skepsis: 29% Befragten geben an, dass sie keine Vorteile von autonom fortbewegenden Fahrzeugen erkennen. Hierzu tragen vor allem die Bedenken der Generation 55+ bei (42%), wĂ€hrend jĂŒngere Bevölkerungsschichten durchaus VorzĂŒge mit der Nutzung autonomer Fahrzeuge verbinden.
Um die Akzeptanz von Robo-Taxis zu erhöhen, mĂŒssen die existierenden Vorbehalte berĂŒcksichtigt werden. So lösen autonome Fahrzeuge Ăngste und Unsicherheiten aus. Rund die HĂ€lfte der Befragten (48%) zweifelt an der grundsĂ€tzlichen Sicherheit von Fahrzeugen, bei denen kein Mensch mehr fĂŒr die Steuerung verantwortlich ist. 39% haben dabei Angst, in UnfĂ€lle verwickelt zu werden. Gleichzeitig wird das Cyber Security Risiko als Problem gesehen, also die Angst vor Hacker-Angriffen bzw. der möglichen Manipulation von Fahrzeugen (40%). Rund ein Drittel der Teilnehmenden (31%) geht zudem davon aus, dass die Nutzung autonomer Fahrzeuge aufgrund der notwendigen Technik an Bord mit höheren Anschaffungskosten verbunden ist. Zu den weiteren Bedenken zĂ€hlen etwa die Sorge vor Ăberwachung von Fahrrouten und Passagieren (21%) sowie die Unsicherheit im Falle einer Pannensituation (19%). Nur 5% geben an, keine Bedenken bei der Nutzung autonomer Fahrzeuge zu haben.
Der Bedenken-Anteil ist innerhalb der Altersgruppen homogen verteilt, sodass selbst die junge Generation mindestens einen Zweifel am autonomen Fahren hegt.
Die Befragung zeigt, dass die Offenheit gegenĂŒber dem autonomen Fahren in der deutschen Bevölkerung noch recht verhalten ist. JĂŒngere Menschen tendieren derzeit eher zur Nutzung autonomer Dienste, wĂ€hrend die Skepsis bei der Generation der Ăber-55-JĂ€hrigen deutlich stĂ€rker ausgeprĂ€gt ist. Hierbei dĂŒrfte die generelle TechnologieaffinitĂ€t der Generation Y und Z eine gewichtige Rolle spielen. WĂ€hrend bei den empfundenen Nachteilen insgesamt groĂe Ăberschneidungen festzustellen sind, fĂ€llt es den Probanden schwer, klare Vorteile durch die Nutzung autonomer Fahrzeuge zu benennen. Die gröĂten Zweifel rĂŒhren von einem grundsĂ€tzlich unsicheren GefĂŒhl her sowie von verschiedenen Ăngsten vor Hacker-Angriffen oder UnfĂ€llen. Die Menschen, die beim autonomen Fahren Vorteile wahrnehmen, haben ein insgesamt stĂ€rkeres Vertrauen in die Technologie und fĂŒhlen sich daher sicherer als in einem menschlich gesteuerten Fahrzeug. DarĂŒber hinaus haben die Faktoren Zeitersparnis, UmweltvertrĂ€glichkeit sowie Unterhaltskosten eine groĂe Bedeutung.
Studienleiter Stefan Bratzel: âAutonomes Fahren ist zwar ein groĂes Technologieversprechen der Auto- und MobilitĂ€tsindustrie, die mit der Vision von weniger UnfĂ€llen, mehr Komfort und geringeren Fahrtkosten einhergeht. Allerdings fehlt bei breiten Bevölkerungsschichten noch die Akzeptanz fĂŒr die Technologie. Die Unternehmen sollten kĂŒnftig einerseits stĂ€rker den Kundennutzen dieser Innovationen adressieren und andererseits durch Transparenz und HeranfĂŒhrung an die Technologie die Skeptiker einfangen. GroĂe Teile der jungen Generation erscheinen sehr empfĂ€nglich und können als WortfĂŒhrer und UnterstĂŒtzer gewonnen werden.â
Die vorliegenden Auswertungen sind erste Ergebnisse des Mobility Services Report 2022 (MSR), der gesamthaft im November vorgestellt wird. Darin finden sich u.a. weitere Ergebnisse der Entwicklungstrends des autonomen Fahrens und dessen Akzeptanz in der Bevölkerung wieder.
Ăber das CAM:
Das Center of Automotive Management (CAM) ist ein unabhĂ€ngiges, wissenschaftliches Institut fĂŒr empirische Automobil- und MobilitĂ€tsforschung sowie fĂŒr strategische Beratung an der Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) in Bergisch Gladbach. Seine Kunden unterstĂŒtzt das Auto-Institut auf Basis umfangreicher Datenbanken, insbesondere zu fahrzeugtechnischen Innovationen der globalen Automobilindustrie sowie zur Markt- und Finanz-Performance von Automobilherstellern und Automobilzulieferunternehmen. Mittels eines fundierten Branchen-Know-hows und intimer Marktkenntnisse erarbeitet das Auto-Institut individuelle Marktforschungskonzepte und praxisorientierte Lösungen fĂŒr seine Kunden aus der Automobil- und MobilitĂ€tswirtschaft.
ElektromĂ€rkte in Europa und China wachsen im 1. Halbjahr entgegen dem allgemein rĂŒcklĂ€ufigen Marktrend. In Europa sind 11,6 Prozent der Neuzulassungen reine Elektrofahrzeuge (2021: 7,6 %).
China bleibt mit Abstand weltweit gröĂter Automobilmarkt fĂŒr E-Fahrzeuge. In der ersten JahreshĂ€lfte 2022 wurden knapp 2 Millionen BEVs zugelassen (+106%). FĂŒr das 2. Halbjahr ist im Zuge einer Umsatzsteuersenkung mit weiterhin starker Zulassungsdynamik zu rechnen.
Tesla bleibt mit mehr als 500.000 verkauften BEVs absatzstĂ€rkster OEM (Jan-Jun). Chinesische Hersteller um SAIC (+36%), BYD (+248%), Geely (+279%) sowie die Newcomer Xpeng (+123%), Hozon (+200%) und Leapmotor (+300%) erreichen neue Absatzrekorde bei E-Fahrzeugen. Die deutschen OEMs haben ĂŒberwiegend mit Lieferschwierigkeiten zu kĂ€mpfen.
Bis Ende 2022 könnten nach CAM-EinschĂ€tzung mehr als 6,5 Millionen BEVs zugelassen werden (2021: 4,6 Millionen). Die Top 10 OEMs dĂŒrften bei rund 5 Millionen E-Autos verkaufen.
Die ElektromobilitĂ€t entwickelt sich entgegen den rĂŒcklĂ€ufigen allgemeinen Markttrends in wichtigen AutomobilmĂ€rkten dynamisch. WĂ€hrend in Europa (EU+EFTA+UK) im ersten Halbjahr die VerkĂ€ufe fĂŒr Benzin und Diesel-Pkw um 22,1 bzw. 32,1 Prozent zurĂŒckgingen, stiegen die Neuzulassungen fĂŒr reine Elektrofahrzeuge (BEV) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 31,6 Prozent an. Insgesamt wurden im ersten Halbjahr in Europa 647.479 Elektro-Pkw (BEV) abgesetzt, was 11,6 Prozent der Neuzulassungen entspricht. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2021 lag der BEV-Anteil dagegen nur bei 7,6 Prozent. Plug-in Hybridfahrzeuge zeigen dagegen in der ersten JahreshĂ€lfte mit 472.722 (-12%) Neuzulassungen einen stark rĂŒcklĂ€ufigen Trend in der wichtigen Marktregion Europa.
Der gröĂte europĂ€ische BEV-Markt in der ersten JahreshĂ€lfte 2022 bleibt mit deutlichem Abstand Deutschland mit 167.503 neuzugelassen Pkw (+12,5%), gefolgt von UK mit 115.249 (+56%), Frankreich mit 93.344 (28,7%), Norwegen mit 54.177 (12,7%) und Schweden 39.722 (75,7%) Elektro-Pkw. In Deutschland liegt die BEV-Quote nunmehr bei 13,5 Prozent, in der UK bei 14,4 Prozent und in Frankreich bei 12,1 Prozent. In Norwegen machen reine Elektrofahrzeuge dagegen bereits 79,1 Prozent der Neuzulassungen aus.
Eine Ă€hnliche Entwicklung zeigt der weltweit gröĂte Elektroautomarkt China auf. Dort wurden in der ersten JahreshĂ€lfte 1,95 Mio. BEV-Pkw abgesetzt, was einem Zuwachs von 106 Prozent entspricht. Im gleichen Zeitraum wurden zusĂ€tzlich 534.000 Plug-in Hybride (PHEV) neu zugelassen (+168%). Die Gesamtneuzulassungen sind in der ersten JahreshĂ€lfte um 6,6% auf 10,355 Mio. Pkw zurĂŒckgegangen. Insgesamt machen reine Elektrofahrzeuge in China bereits 18,8 Prozent der Pkw-Neuzulassungen aus. Im Juni 2022 setzte insbesondere aufgrund der Halbierung der Umsatzsteuer fĂŒr Pkw von 10 auf 5 Prozent, die bis Dezember gilt, eine starke Zulassungsdynamik bei Elektrofahrzeugen ein.
Abbildung 1: Neuwagen-Absatz in Europa (EU+EFTA+UK) nach Antriebsarten im ersten Halbjahr 2022 (HJ 2021)
Quelle: CAM
Spiegelbildlich zur ElektromobilitĂ€tsdynamik auf den wichtigen AutomobilmĂ€rkten entwickelt sich der globale Absatz der wichtigsten Automobilhersteller fĂŒr Elektrofahrzeuge (BEV). Die hier betrachteten 12 wichtigen Elektroautobauer verdoppelten nahezu ihre BEV-VerkĂ€ufe im ersten Halbjahr 2021 auf ĂŒber 2,1 Mio. Pkw (teilweise keine Daten/geschĂ€tzte Daten aufgrund fehlender Berichterstattung). Tesla bleibt mit deutlichem Abstand der MarktfĂŒhrer und setzt nach zwei Quartalen 565.000 Pkw ab (+46%). Im zweiten Quartal gingen die Absatzzahlen jedoch zurĂŒck, was vor allem auf den Lockdown des Werks in Shanghai und allgemeine Lieferkettenprobleme zurĂŒckzufĂŒhren ist.
Die chinesischen Hersteller SAIC und BYD folgen mit 355.000 bzw. 324.000 abgesetzten Elektrofahrzeugen. Besonders beeindruckend ist dabei BYD, die mit einem Zuwachs von fast 250 Prozent an Position 3 vorrĂŒcken, was vor allem auf die Erfolgsmodelle wie den Han EV, Dolphin oder Qin Plus EV zurĂŒckzufĂŒhren ist. Insgesamt rĂŒcken bei der ElektromobilitĂ€t die chinesischen Hersteller weiter nach vorn. Eine nahezu Vervierfachung der BEV-VerkĂ€ufe weist der Geely Konzern mit 125.000 Pkw auf, der vor allem von den BEV-Marken Geometry und Zeekr in China sowie von Polestar und Volvo getrieben ist. Ein starkes Wachstum zeigen auch Xpeng sowie Hozon und Leapmotor, wĂ€hrend Nio nur geringe ZuwĂ€chse im Vergleich zum Vorjahreszeitraum aufweist.
Bei den deutschen Herstellern kommt der Volkswagen Gruppe mit 217.000 BEV-AbsÀtzen vor allem aufgrund der Lieferproblemen nur auf ein Plus von 27 Prozent, wÀhrend BMW seine AbsÀtze auf 76.000 mehr als verdoppeln kann. Mercedes-Benz Group landet bei 52.000 BEV-VerkÀufen, was einem Zuwachs von rund einem Drittel entspricht.
Abbildung 1: BEV-Absatz ausgewÀhlter Automobilhersteller (Konzern) im ersten Halbjahr 2022 (HJ 2021)
FĂŒr das Kalenderjahr 2022 Gesamtjahr geht das CAM in einer aktuellen Prognose trotz anhaltender Lieferkettenproblemen von einer deutlichen Steigerung der globalen BEV-Absatzzahlen aus. Auf Basis des kontinuierlich steigenden Fahrzeugangebots sowie zunehmender ProduktionskapazitĂ€ten von batterieelektrischen Fahrzeugen wird im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung um rund 50 Prozent von 4,6 Millionen auf ĂŒber 6,5 Millionen BEVs prognostiziert. Die in Abb. 2 ausgewĂ€hlten Automobilhersteller dĂŒrften zusammen mit Hyundai und Stellantis mit insgesamt rund 5 Millionen verkauften BEVs den Löwenanteil zu diesem Ergebnis beisteuern.
Studienleiter Stefan Bratzel: âDer ElektromobilitĂ€t wĂ€chst in allen groĂen Automobilregionen entgegen dem rĂŒcklĂ€ufigen Gesamtmarkt. Auch im laufenden Jahr 2022 werden hohe ZuwĂ€chse erwartet. Automobilhersteller, die bereits jetzt eine breite Produktpallette von reinen Elektrofahrzeugen anbieten können und robuste Lieferketten besitzen, können dadurch schnell Marktanteile gewinnen und kĂŒnftig eine wichtige Position in der globalen Automobilindustrie einnehmen. Mit dem Zeitalter der ElektromobilitĂ€t verĂ€ndert sich dabei zunehmend die angestammte Branchenstruktur und Rangordnung der Automobilhersteller.â
AutomotiveINNOVATIONS Awards 2022: Die Mercedes-Benz Group AG ist 2022 der innovativsteAutomobilkonzern der Welt â vor Volkswagen und Tesla / VW bei den Volumenmarken an der Spitze, Tesla im Bereich Autonomes Fahren und bei den Connected Services / BYD ist innovationsstĂ€rkste Volumenmarke bei den Elektroantrieben / Die innovativsten Zulieferer sind BASF, Hyundai Mobis, Kautex Textron und Bosch
Frankfurt am Main, 14. Juli 2022. Innovationen sind der Antrieb der Automobilindustrie. Sie bringen seit jeher Gesellschaft und Industrie voran. Das Center of Automotive Management (CAM) ermittelt bereits seit dem Jahr 2005 herausragende Innovationsleistungen unter Herstellern und Zulieferern im Rahmen der AutomotiveINNOVATIONS Studie. Auf einer breiten Datenbasis von ĂŒber 1.000 Innovationen jĂ€hrlich zeichnet das Center of Automotive Management (CAM) gemeinsam mit der WirtschaftsprĂŒfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Deutschland seit elf Jahren die innovativsten Konzerne, Marken und Produkte der Automobilbranche aus.
Im aktuellen OEM-Ranking gewinnt die Mercedes-Benz Group AG den Titel als innovationsstĂ€rkster Automobilkonzern und wird als Marke Mercedes-Benz in weiteren vier Kategorien ausgezeichnet. Mit einem Indexwert von 134 belegt der Stuttgarter Konzern wie zuletzt im Jahr 2019 Rang eins, vor der Volkswagen AG (125) und â mit einigem Abstand â Tesla (87). SAIC (71) als Vorjahres-FĂŒnfter kann sich um einen Platz auf Rang vier als bester chinesischer Konzern verbessern, vor Geely (70). BMW erreicht nach Platz vier im Vorjahr dieses Mal Rang sechs.
Ein wichtiger Grund fĂŒr den Erfolg von Mercedes-Benz ist die mit knapp 50 Prozent höchste Weltneuheitenquote unter den globalen Automobilherstellern. Der Hersteller wird somit seinem Ruf als Pionier der Automobilwelt gerecht. Punkten kann Mercedes-Benz unter anderem im Bereich Elektroantrieb mit dem Mercedes-Benz EQS, der den niedrigsten Verbrauch der BEVs im Segment der Oberklasse aufweist. Im Technologiefeld Connectivity ĂŒberzeugt Mercedes-Benz mit innovativen Funktionen im Bereich Lichtsysteme und Lenkung, die âover-the-airâ aktualisiert werden können.
Die Entscheidungsgrundlage fĂŒr die AutomotiveINNOVATIONS Awards bildet die jĂ€hrliche Studie auf Basis der Innovationsdatenbank des Center of Automotive Management (CAM). Seit 2005 erhebt das CAM unter der Leitung von Prof. Dr. Stefan Bratzel die Produkt-Innovationen von globalen Automobilkonzernen und bewertet diese nach quantitativen und qualitativen Kriterien. FĂŒr das Jahr 2021 Jahr hat das CAM die Innovationen von 28 globalen Automobilherstellern und Newcomern mit rund 80 Automobilmarken analysiert. Dabei wurden insgesamt 657 einzelne Innovationen bewertet. Unter diesen befinden sich 179 Weltneuheiten. In die Evaluation flossen Kriterien wie Reifegrad, OriginalitĂ€t, Kundennutzen und Innovationsgrad ein.
VW bei den Volumen-, Mercedes-Benz bei den Premiummarken vorn, MB EQS gewinnt Modellwertung
âZwar liegen unter den Konzernen mit Mercedes-Benz und VW zwei deutsche Hersteller vorn und sie fĂŒhren mit ihren Kernmarken auch viele Technologie-Kategorien an. Aber erstmals kommen zwei chinesische Unternehmen unter die Top-5 der Automobilhersteller. Der Bereich der Elektroantriebe wird unter den Volumenmarken ebenfalls von chinesischen Marken wie BYD oder Maxus auf den ersten drei PlĂ€tzen geprĂ€gt. Dies sind die neuesten Befunde eines seit Jahren fortschreitenden Aufholprozesses von chinesischen Playern bei der InnovationsstĂ€rke. Auch in besonders innovativen Segmenten versuchen inzwischen Newcomer wie Xpeng oder Nio, sich mit den deutschen Marken zu messen und haben Tesla als Vorbild, kommentiert Felix Kuhnert, Automotive Leader bei PwC Deutschland.â
Prof. Dr. Stefan Bratzel, Direktor des CAM, sagt: âNeben der ElektromobilitĂ€t wird ein stĂ€ndig aktualisierbares Ăkosystem von vernetzten Services zu einem zentralen Erfolgsfaktor der Automobilhersteller. Dazu mĂŒssen alle etablierten Hersteller ihre Kernkompetenzen in diesen Zukunftsfeldern massiv erweitern und fĂŒr ein schnelles Time-to-Market strategische Kooperationen mit relevanten Digital-Playern eingehen.â
Unter den Volumenherstellern fĂŒhrt wie im Vorjahr VW das Ranking als innovationsstĂ€rkste Marke 2022 an, gefolgt von Ford und BYD. Volkswagen punktet insbesondere im Bereich âAutonomes Fahren/ADASâ und demokratisiert Innovationen wie einen adaptiven Abstandstempomat mit Topologie-Funktion oder das Level-2-System âTravel Assistâ in der Kleinwagenklasse (Polo) sowie bei kleinen SUVs (Taigo). Im Antriebsbereich baut VW sein Angebot unter anderem mit dem ID.BUZZ aus und verbessert parallel bestehende Modelle, zum Beispiel mit einer höheren Ladeleistung im ID.3 als Weltneuheit im Segment.
In der Kategorie âInterface & Connectivityâ entscheidet VW das Rennen der Volumenmarken ebenfalls fĂŒr sich. Als neue Kategorie kommt ab 2022 der Bereich âConnected Servicesâ mit den immer wichtiger werdenden vernetzten Dienstleistungen aus den Bereichen Infotainment, Autonomes Fahren, E-Commerce und vernetzte Finanzdienstleistungen hinzu. Auch hier erzielt die Marke VW Platz eins vor dem chinesischen Newcomer Xpeng, gefolgt von Ford. Das VW-Angebot an Connected Services reicht von einem eigenen Ladenetzwerk (Electrifiy America) ĂŒber die Freischaltung autonomer Fahrfunktionen bis hin zur Bezahl-Tochter PayByPhone.
Unter den Premiummarken hat Mercedes-Benz mit groĂem Abstand die Nase vorn. Unter die Top-3 in diesem Segment schaffen es auĂerdem wie im Vorjahr Tesla und BMW. Die StĂ€rken von Mercedes-Benz liegen vor allem im Bereich des Elektroantriebs, aber auch bei Connectivity und innovativen Bedien- und Anzeigekonzepten. Insbesondere der Mercedes-Benz EQS punktet mit vielen Weltneuheiten, etwa dem Hyperscreen mit Force-Feedback-Funktion.
So gewinnt der Mercedes-Benz EQS auch den Award als innovationsstĂ€rkstes Modell 2022. Auf Rang zwei folgt mit der neuen C-Klasse ebenfalls ein Mercedes-Modell, Platz drei belegt der BMW iX. Der EQS ĂŒberzeugt als Leuchtturm-TechnologietrĂ€ger in mehreren Bereichen, beim Antrieb etwa neben dem niedrigen Verbrauch auch mit der weltweit zweithöchsten Reichweite im Oberklasse-Segment.
Wenig ĂŒberraschend wird Mercedes-Benz somit auch Premiummarken-Sieger bei den Antrieben. Drei chinesische Unternehmen auf den ersten drei PlĂ€tzen des Antriebs-Rankings der Volumenmarken sind allerdings ein Novum in der Geschichte des AutomotiveINNOVATIONS Awards. BYD erzielt den ersten Platz vor Maxus (SAIC-Konzern) und GAC, es folgen Volkswagen und Ford auf Rang vier bzw. fĂŒnf. BYD rollt seine innovative âBladeâ-Batterie-Technologie mit dem Dolphin in das Kleinwagen-Segment aus und gibt mit der Studie âX Dream Conceptâ einen Ausblick auf ein besonders reichweitenstarkes und schnell ladendes SUV (145 km in 5 min.).
Tesla fĂŒhrend beim Autonomen Fahren und Connected Services
Im Bereich Autonomes Fahren/ADAS steht dagegen der kalifornische Hersteller Tesla als innovationsstĂ€rkste Premiummarke auf Platz eins. Tesla ist Vorreiter beim Autonomen Fahren auf Level 2+, bei dem das Fahrzeug in breiten Anwendungsfeldern wie Highway und Stadtverkehr zwar weitgehend selbstĂ€ndig fahren kann, der Fahrer das System aber permanent ĂŒberwachen muss. Im Rahmen einer Beta-Version bietet Tesla diese FunktionalitĂ€t in seinen Modellen (unter anderem Model 3) fĂŒr eine beschrĂ€nkte Nutzerzahl bereits an.
Tesla wird auĂerdem PreistrĂ€ger in der neuen Kategorie âConnected Servicesâ, bei der die vernetzten, fahrzeugbezogenen Dienstleistungen im Sinne einer Status-quo-Analyse von 2012 bis 2021 in die Wertung eingehen. Dabei deckt Tesla alle wichtigen Bereiche von den Ladediensten mit dem weltweiten Schnellladenetzwerk der Supercharger ĂŒber das Infotainment mit der Arcade-Spieleplattform bis zur datenbasierten Kfz-Versicherung mit Echtzeit-Tarifen ab. Weiterhin sind autonome Fahr- und Parkfunktionen bei Tesla bereits OTA-Update-fĂ€hig und damit als Dienst verfĂŒgbar.
Vier Zulieferer mit wegweisenden technologischen Lösungen in den Zukunftsfeldern
Im Rahmen dieser Studie wurden auch rund 400 originĂ€re Innovationen von Automobilzulieferern bewertet. FĂŒr die herausragendsten Neuerungen werden die AutomotiveINNOVATIONS Awards in vier Kategorien von einer fachkundigen Expertenjury vergeben. Im Bereich der Antriebe konnte sich eine Innovation im Bereich âZellchemieâ von BASF durchsetzen. Hochenergetische HEDTM-NCM-Kathodenmaterialien sorgen fĂŒr eine höhere Energiedichte und ermöglichen damit verbunden eine höhere Reichweite des Elektroautos und niedrigere Kosten. Hyundai Mobis wird in der Kategorie âChassis, Karosserie & Exterieurâ PreistrĂ€ger mit dem E-Corner-Modul, das die Lenk-, Brems-, Federungs- und Antriebssysteme kombiniert. Es ermöglicht dank eines variablen Radstands die flexible Nutzung von Plattformen und eine Raddrehung um 90 Grad fĂŒr das Fahren seitwĂ€rts und das Wenden an Ort und Stelle.
Kautex-Textron ĂŒberzeugt mit einem âAllegro Premiumâ genannten Software-gesteuerten Reinigungssystem fĂŒr Umgebungs-Sensoren, deren Sauberkeit fĂŒr assistierte oder autonome Fahraufgaben von essenzieller funktionaler und sicherheitstechnischer Bedeutung ist. Das System erhöht den Kundennutzen von Assistenzsystemen, da es die VerfĂŒgbarkeit von Systemen unter schwierigen Wetterbedingungen erhöht. Die Kategorie âInterieur und Interfaceâ wird in diesem Jahr von Bosch mit seinen âRidecareâ Carsharing-Diensten angefĂŒhrt. Die erste Ridecare-Serienfunktion ist eine Rauch- und Schadenserkennung. Mittels cloudbasierter Datenauswertung und kĂŒnstlicher Intelligenz erhalten Sharing-Anbieter so transparent und in Echtzeit wichtige Informationen darĂŒber, ob ein Fahrzeug beschĂ€digt ist oder im Innenraum geraucht wurde. Damit ist die Innovation ein Beschleuniger fĂŒr die Verbreitung von Carsharing, da es den in der Praxis oft bemĂ€ngelten Aspekt der Innenraumreinigung adressiert.
đWie wichtig sind die jeweiligen MĂ€rkte fĂŒr die einzelnen Automobilhersteller? Das zeigt die Neuauflage der Marktpositionierungsmatrix der globalen Automobilhersteller 2022. đDas Jahr 2021 stand fĂŒr die Automobilhersteller unter keinem guten Stern – trotzdem stachen einige OEM hervor und verbesserten ihre Marktposition in den USA, in Europa oder in China. đSie wollen alle Zahlen, Daten und Fakten auf einen Blick? In der aktuellen Ăbersicht des Center of Automotive Management (CAM) finden Sie sĂ€mtliche Marktanteile, AbsĂ€tze und Positionierungen der wichtigsten Hersteller – fĂŒr Europa, Nordamerika, China, Indien, Brasilien und Japan. đDie CAM-Marktpositionierungsmatrix bieten wir kostenlos als PDF zum direkten Download an.
Als erster Autohersteller weltweit hat Mercedes-Benz die Zulassung fĂŒr ein hochautomatisiertes „Level-3“-Fahrzeug erhalten. Theoretisch ein groĂer Schritt – wenn da nicht einige EinschrĂ€nkungen wĂ€ren.