đ In unserer neuen Studie haben wir die Auswirkungen der Transformation im Automotive- Sektor sowie im Radverkehr-, Eisenbahn- und ĂPNV-Sektor auf die Region MĂŒnchen im Auftrag des Wirtschaftsressort der Stadt umfassend analysiert. Das war die zweite Studie in Folge: Im Jahr 2013 haben wir das schon einmal gemacht – und seitdem ist der Wandel fĂŒr alle spĂŒrbar geworden. đDie Region MĂŒnchen verfĂŒgt prinzipiell ĂŒber gute Standortbedingungen fĂŒr die Transformation mit starken Akteuren wie BMW Group, MAN Truck & Bus SE, SIXT, Siemens Mobility und Big Data Playern wie Intel Corporation, Microsoft, Cisco, Fujitsu sowie UniversitĂ€ten wie die Technische UniversitĂ€t MĂŒnchen. đDie Chancen und Risiken liegen jedoch fĂŒr die Unternehmen und die ArbeitsplĂ€tze in der Region nah beieinander: Um weiter erfolgreich zu sein, sind völlig neue Kompetenzen erforderlich, aber auch neue Kooperationen und eine andere Unternehmenskultur. In einer Szenarioanalyse haben wir gezeigt, dass die Auswirkungen auf die BeschĂ€ftigung – je nach Transformationspfad – erheblich sind.
Bedeutung des privaten PKW fĂŒr die derzeitige MobilitĂ€tssituation nur leicht rĂŒcklĂ€ufig im Vergleich zu 2018. 42 Prozent der Befragten geben an, dass sie auf das Auto angewiesen sind.
Die Bedeutung des eigenen Autos bei jĂŒngeren Stadtbewohnern nimmt wieder zu
Aktuelle YouGov-Studie in Kooperation mit dem Center of Automotive Management (CAM) zur Wichtigkeit des eigenen Autos
Ein eigener PKW ist fĂŒr viele Menschen ein unverzichtbares Mittel zur Fortbewegung, vor allem fĂŒr Menschen in lĂ€ndlicheren Regionen ohne gut erreichbare Nahverkehrsstruktur. FĂŒr andere ist das eigene Auto eine Familienkutsche, wiederum fĂŒr andere ein Statussymbol oder auch ein Sammlerobjekt. In Deutschland spielt der eigenen PKW nach wie vor eine sehr groĂe Rolle.
Laut aktueller Befragung von YouGov in Kooperation mit dem Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach sagen derzeit 69 Prozent der Deutschen, dass fĂŒr sie ein privater PKW angesichts ihrer derzeitigen MobilitĂ€tssituation wichtig sei, davon geben 42 Prozent an, dass sie auf das eigene Auto sogar angewiesen sind. Diese Werte sind im Vergleich zu einer Umfrage vor vier Jahren leicht zurĂŒck gegangen: 2018 sagten noch 73 Prozent, dass der eigene PKW wichtig sei, unter ihnen 45 Prozent, die nach eigenen Angaben auf das Auto angewiesen waren.
AuffĂ€llig ist, dass aktuell deutlich mehr junge StĂ€dter als noch vor vier Jahren sagen, dass sie auf das Auto angewiesen sind: Im Jahr 2022 gibt jeder vierte junge StĂ€dter im Alter von 18 bis 34 Jahren an, auf sein Auto angewiesen zu sein (26 Prozent) im Vergleich zu 17 Prozent im Jahr 2018. Insgesamt ist fĂŒr 57 Prozent der jungen StĂ€dter der private PKW derzeit sehr wichtig oder wichtig (2018: 45 Prozent). Interessant ist, dass fast ein Drittel der Ă€lteren Stadtbewohner angeben, einen privaten Pkw âeigentlich nicht zu brauchenâ. Im Jahr 2018 sagten dies nur 18 Prozent.
Dabei sind Befragte aus lÀndlichen Regionen erwartungsgemÀà eher von ihrem Auto abhÀngig: So geben unter Landbewohnern im Alter von 35 bis 54 Jahren aktuell zwei Drittel (65 Prozent) an, auf ihr Auto angewiesen zu sein, unter Stadtbewohnern in der gleichen Altersklasse sagen dies 36 Prozent. Im Àhnlichen VerhÀltnis stehen die Stadt- und Land-Bewohner der anderen Altersgruppen. Auch hier ist der Anteil in der Landbevölkerung im selben Alter deutlich höher: Aktuell schÀtzten 68 Prozent der 18-34-jÀhrigen Landbewohner den eigenen PKW als wichtig ein.
Verzichtsbereitschaft fĂŒr neues Auto auf dem Land höher als in der Stadt
Um sich ein neues Auto anschaffen zu können, muss gegebenenfalls tiefer in die Tasche gegriffen und auf andere Dinge, wie Urlaub oder eine gröĂere Wohnung / ein Haus, verzichtet werden. 29 Prozent der Deutschen wĂŒrden aktuell beispielsweise am ehesten auf eine Urlaubsreise verzichten, um sich ein neues Auto anzuschaffen. Dass sie jedoch nicht bereit sind, fĂŒr die Anschaffung eines neuen Autos auf Dinge zu verzichten, sagen die Befragten aktuell am hĂ€ufigsten (39 Prozent). Im Vergleich zur Befragung vor vier Jahren ist dieser Anteil zwar Ă€hnlich (2018: 42). Allerdings wird fĂŒr die jĂŒngeren StĂ€dter der private Pkw wieder wichtiger: Zeigten im Jahr 2018 noch 48 Prozent der 18-34- jĂ€hrigen StĂ€dter fĂŒr ein neues Auto keinerlei Verzichtsbereitschaft, so sinkt dieser Wert nur noch auf 28 Prozent.
Auch bei dieser Frage wird erneut deutlich, dass Personen aus lĂ€ndlicheren Gebieten eher auf ihr Auto angewiesen sind. Jene Befragten sind nĂ€mlich hĂ€ufiger bereit, fĂŒr ein neues Auto auf andere Dinge zu verzichten: 40 Prozent der Landbevölkerung im Alter von 18 bis 34 Jahren sagen, sie wĂŒrden fĂŒr ein neues Auto auf einen Urlaub verzichten. In derselben Altersgruppe der StĂ€dter sagen dies 30 Prozent.
Abbildung 1: Bedeutung von privaten PKW fĂŒr die derzeitigen MobilitĂ€tssituation
âWie wichtig ist fĂŒr Sie angesichts Ihrer derzeitigen MobilitĂ€tssituation ein privater PKW?â
Quelle: CAM/YouGov
Studienleiter Stefan Bratzel: âDie Bedeutung des eigenen Autos nimmt insbesondere bei jĂŒngeren Stadtbewohnern wieder zu. Es zeigt sich, dass es den StĂ€dten in den letzten Jahren nicht gelungen ist, durch eine Verbesserung des öffentlichen Verkehrs und der MobilitĂ€tsservices die junge Generation zum Verzicht auf das eigene Auto zu bewegen. Hier könnten neben den Angebotsdefiziten auch die Ăngste rund um Corona eine Rolle gespielt haben.â
Die vorliegenden Auswertungen sind erste Ergebnisse des Mobility Services Report 2022 (MSR), der gesamthaft im November 2022 vorgestellt wird. Darin finden sich u.a. weitere Ergebnisse zu den Einstellungen der MobilitÀt und den Entwicklungstrends von MobilitÀtsdienstleistungen.
Ăber das CAM:
Das Center of Automotive Management (CAM) ist ein unabhĂ€ngiges, wissenschaftliches Institut fĂŒr empirische Automobil- und MobilitĂ€tsforschung sowie fĂŒr strategische Beratung an der Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) in Bergisch Gladbach. Seine Kunden unterstĂŒtzt das Auto-Institut auf Basis umfangreicher Datenbanken, insbesondere zu fahrzeugtechnischen Innovationen der globalen Automobilindustrie sowie zur Markt- und Finanz-Performance von Automobilherstellern und Automobilzulieferunternehmen. Mittels eines fundierten Branchen-Know-hows und intimer Marktkenntnisse erarbeitet das Auto-Institut individuelle Marktforschungskonzepte und praxisorientierte Lösungen fĂŒr seine Kunden aus der Automobil- und MobilitĂ€tswirtschaft.
Auto-Experte Prof. Stefan Bratzel ĂŒber hohe Autopreise, die Probleme der deutschen Autohersteller, neue Konkurrenten auf dem Weltmarkt und die Zukunft der MobilitĂ€t.
Professor Stefan Bratzel analysiert seit fast 20 Jahren die weltweite Situation der Autoindustrie. Seine Expertise zur Verkehrswende findet nicht nur Gehör bei den Herstellern, er berÀt auch die deutsche Politik in verschiedenen Gremien, zum Beispiel der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur, die das Bundesverkehrs-Ministerium ins Leben gerufen hat.
ADAC Redaktion: Herr Bratzel, gestörte Lieferketten, Mangel an Halbleitern, Produktionsstopps in den Autofabriken, das verordnete Aus fĂŒr den Verbrennungsmotor, Absatzflaute und eine drohende Rezession â wie steht es um die Auto-Industrie?
âą Volkswagen Konzern im Connected-Car-Innovation Ranking 2022 vor Mercedes-Benz und Tesla âą General Motors sowie Toyota verbessern sich bei CCI-Studie stark, wĂ€hrend BMW deutlich zurĂŒckfĂ€llt. Stellantis und die Allianzpartner Renault und Nissan sind Low Performer. âą Im LĂ€ndervergleich steigt die Connected-Car-InnovationsstĂ€rke von chinesischen Automobilherstellern auf einen Rekordanteil von 25 Prozent
Volkswagen bleibt im Jahr 2022 mit seinen Kernmarken VW, Audi und Porsche der innovations-stĂ€rkste Automobilkonzern im Bereich Connected-Car. Zweitplatzierter wird die Mercedes-Benz Group knapp vor Tesla auf Rang drei. Im Innovationsvergleich der AutomobillĂ€nder holen jedoch die chinesischen Automobilhersteller jedoch weiter auf und erzielen ein Rekordergebnis. Das sind die Kernergebnisse der Branchenstudie Connected Car Innovation (CCI) 2022, die die Innovationstrends und Innovationsleistungen in der Automobilindustrie im Bereich des vernetzten Fahrzeugs untersucht. Die InnovationsstĂ€rke von 28 globalen Automobilhersteller-Gruppen im Jahr 2021 wurden auf Basis von insgesamt 336 Innovationen und Services in den automobilen Zukunftsfeldern Connectivity, Interfaces, autonomes Fahren sowie der vernetzten Dienstleistungen empirisch ermittelt. Im CCI-Innovationsvergleich 2022 erzielt Volkswagen ein Indexwert von 90 Punkten (IP), Mercedes-Benz kommt auf 64 IP und Tesla auf 54 IP. Als âHigh Performerâ klassifiziert werden können ferner Ford auf Rang 4 (45 IP) sowie General Motors (41 IP). General Motors macht im Vergleich zum Vorjahr sechs PlĂ€tze gut und kommt aktuell auf Rang fĂŒnf (vgl. Abb. 1; Abb. 3). Das Feld der Medium Performer wird auf Rang 6 von SAIC angefĂŒhrt (Vorjahr: Rang 7). Zu den Auf-steigern des Jahres zĂ€hlt auch Toyota auf Rang sieben (Vorjahr: Platz 15). Hyundai und Great Wall auf Platz acht und neun zĂ€hlten im Vorjahr noch zur Spitzengruppe (Platz fĂŒnf bzw. vier) und landen nun im vorderen Mittelfeld. Der Geely Konzern (inkl. Volvo) verbessert sich auf Rang 10. Bemerkenswert ist der Absturz eines Herstellers, der in der Geschichte des CCI-Index eigentlich zu den Innovationsmotoren gehört: So fĂ€llt BMW mit knapp ĂŒber 27 Indexpunkten von Platz drei im Vorjahr auf Rang elf zurĂŒck â das schlechteste Ergebnis seit der ersten Erhebung im Jahr 2015. Der bayerische Premium-OEM konnte 2021 nur eine geringe Zahl an Weltneuheiten auf den Markt bringen und reiht sich in diesem Jahr daher nur im Verfolgerfeld ein. In der 10-Jahres-Betrachtung bleibt BMW aber auf Rang 3. Ein sehr schwaches Ergebnis bei Connected-Car-Innovationen erzielen sowohl im aktuellen Jahr als auch in der Langfristbetrachtung die französischen Konzerne Stellantis und die Allianzpartner Renault und Nissan.
Abbildung 1: Connected-Car-InnovationsstÀrke: Ranking der Automobilhersteller* (Top-20)
Im Innovationsvergleich der AutomobillĂ€nder holen dagegen die chinesischen Hersteller weiter auf: WĂ€hrend im Jahr 2016 nur sieben Prozent der globalen InnovationsstĂ€rke von chinesischen Automobilherstellern erbracht wurde, steigt dieser Wert auf einen Rekordanteil von 25 Prozent im Jahr 2021. Deutschland verliert fĂŒnf Prozentpunkte und liegt mit 30 Prozent der globalen InnovationsstĂ€rke nur noch knapp vorn. Auf Position drei rangieren die amerikanischen Hersteller mit 24 Pro-zent, das sind acht Prozentpunkte mehr als im Vorjahr (vgl. Abb. 2). Bei reinen Weltneuheiten (ohne Konzernneuheiten) zeigt sich die FĂŒhrungsrolle der deutschen OEMs noch relativ stark. 43 Prozent der InnovationsstĂ€rke entfĂ€llt auf Deutschland, allerdings lag der Anteil im Vorjahr noch bei 56 Prozent. Auf Rang zwei liegen hier jedoch â anders als noch im Vorjahr â die USA mit 27 Prozent, vor China, die 22 Prozent der WeltneuheitenstĂ€rke auf sich vereinen können.
Hierzu Studienleiter Stefan Bratzel: âDie deutschen OEMs sind immer noch stark beim Connected Car. Doch relativ gesehen holt die Konkurrenz aus anderen Teilen der Welt spĂŒrbar auf. Chinas Hersteller bringen schon seit einigen Jahren stetig mehr Innovationen hervor, aber auch die USA holt nach einer SchwĂ€cheperiode wieder auf.â
Abbildung 2: CC-InnovationsstÀrke der OEM nach LÀndern (2016-2021)
Vernetzte Dienstleistungen spielen bereits heute fĂŒr innovative Automobilhersteller eine wichtige Rolle, etwa in den Feldern Infotainment, autonome Dienste, E-Commerce/E-Maintenance, vernetzte Finanzdienstleistungen sowie bei Charging-Services. Die Analyse des Leistungsstandes von vernetzten Services im Vergleich der 28 Automobilhersteller offenbart die starke Stellung von Volkswagen und Tesla. Die Wolfsburger sind vor allem in den Bereichen E-Commerce/E-Maintenance (z.B. Digital-Twin-Fahrwerk beim Porsche Taycan) und Charging (Bidirektionales Laden beim VW ID.3) innovativ unterwegs. Elektroautobauer Tesla ist dank seines Supercharger-Netzwerks ebenfalls beim Charging stark, hinzu kommen neuartige Infotainmentdienste im Bereich Gaming (Arcade-Spiele im Fahrzeug). Als Fast Follower bei den Connected Services können die etablierten Hersteller um Mercedes-Benz, BMW und Ford, aber auch der chinesische Newcomer Xiaopeng bezeichnet werden. Connected Services versprechen in den nĂ€chsten Jahren erhebliche Umsatzpotenziale fĂŒr Automobilhersteller. Dabei handelt es sich weniger um Einmalerlöse durch FahrzeugverkĂ€ufe bzw. Hardware-Features, sondern vielmehr um wiederkehrende softwarebasierte digitale Services fĂŒr den gesamten vernetzten bzw. autonomen Pkw-Bestand der Automobilhersteller. Auf Basis der in der Studie dargestellten Connected Services-Use-Cases können im Jahr 2030 Umsatzpotenziale von 900 bis 1.100 Euro pro Fahrzeug und Jahr erzielt werden. Gemessen an der Zahl der vernetzten und automatisierten Fahrzeuge der OEMs und der Use-Case-fĂ€higen Anteile ergeben sich daraus hohe weltweite UmsĂ€tze sowie Gewinne. Das globale Connected Services Marktvolumen wird auf ĂŒber 200 Mrd. Euro im Jahr 2030 geschĂ€tzt.
Hierzu Stefan Bratzel: âDas Zukunftsversprechen dieser daten- und softwaregetriebenen Dienste ist eine besonders gute Rendite. Um diese einzufahren, braucht es auf der einen Seite neue Fahrzeugarchitekturen und auf der anderen Seite entsprechende digitale Ăkosysteme. Um diese Umsatzpotenziale zu heben, mĂŒssen die Automobilhersteller jedoch ihre Kompetenzen in diesen Zukunftsfeldern noch deutlich erhöhen. Dazu braucht es auch neue Kooperationen mit Big Data Playern wie Alphabet, Apple sowie chinesischen Digitalunternehmen wie Tencent und Baidu, die ihrerseits Teile des Connected Services Marktes erobern wollen.â
Abbildung 3: CC-InnovationsstÀrke 2022 nach Konzernen und Baureihen (Top-10) Quelle: CAM
Zur Studie: Connected-Car-Innovation (CCI) ist eine jĂ€hrlich durchgefĂŒhrte Branchenstudie, die die Leistungs- und InnovationsstĂ€rke von 28 globalen Automobilhersteller-Gruppen (Konzerne) in den Bereichen vernetztes Fahrzeug und vernetzte Dienstleistungen sowie deren MarktstĂ€rke anhand verschiedener Indikatoren empirisch erhebt und vergleichend darstellt. Basis der Studie ist die AutomotiveINNOVATIONS Datenbank des CAM, in der die Neuerungen von ĂŒber 80 Automobilherstellern (Marken) kontinuierlich erhoben und bewertet werden. DarĂŒber hinaus werden die strategischen Kompetenzen Automobilherstellern und von Digitalspielern regelmĂ€Ăig analysiert. Die (CCI) Studie 2022 wurde im 8. Jahr in Folge durch das Center of Automotive Management (CAM) erstellt.
Herbert Diess muss den Chefposten bei VW rĂ€umen. Autoexperte Stefan Bratzel erklĂ€rt, wie sich nun das MachtgefĂŒge bei Deutschlands gröĂtem Autobauer verschiebt. Und was Bald-Chef Oliver Blume zuerst anpacken muss.