Ausgerechnet in der Pandemie kommt Schwung in die deutsche Autobranche. WĂ€hrend Verbrenner in der Krise viel weniger verkauft wurden, hat sich die Zahl der neu zugelassenen E-Autos in Deutschland verdreifacht. Die EU-Klimaschutzziele beschleunigen den Abschied vom Verbrenner.
âą InnovationsfĂŒhrer bei Plug-In-Hybriden (PHEV) bleiben die deutschen Automobilkonzerne. Der Volkswagen Konzern ĂŒberholt BMW und erobert die FĂŒhrung im Innovationsranking zurĂŒck. âą Es zeigt sich eine hohe Korrelation zwischen der Innovations- und der AbsatzstĂ€rke. Die deutschen Hersteller waren im Jahr 2020 die MarktfĂŒhrer bei PHEVs. Bei BMW und Daimler liegt der PHEV-Anteil an allen ElektrofahrzeugverkĂ€ufen im Jahr 2020 bei ĂŒber 70 Prozent. âą Auswertungen von aktuellen Absatzzahlen in Deutschland im Jahr 2021 zeigen, dass Volkswagen, Daimler und BMW mit einem Anteil von 71,5 Prozent an den PHEV-Neuzulassungen die unangefochtenen MarktfĂŒhrer bleiben.
Nachdem sich BMW im Vorjahr erstmals an die Spitze des Rankings setzen konnte, kann der Volkswagen Konzern den Platz in diesem Jahr zurĂŒckerobern. BMW belegt aktuell vor Daimler den zweiten Rang. Der deutsche MarktfĂŒhrer Volkswagen setzt sich dank starker Innovationen im Bereich (rein-elektrischer) Reichweite und Antriebverbesserungen vor allem im Audi A3 und Q8 mit einem Vorsprung von knapp 10 Indexpunkten an die Spitze und kommt nunmehr auf eine PHEV-Innovations-stĂ€rke von 88 Indexpunkten (IP). BMW bleibt mit 79 Indexpunkten aufgrund der Geofencing-basierten Hybridsteuerung im 330e sowie dem X5 45e weiter vor Daimler (61 Indexpunkte). Daimler kann vor allem durch Verbrauchs- und Reichweitenoptimierungen im B 250e Plug-in Hybrid die PHEV-InnovationsstĂ€rke weiter erhöhen (vgl. Abbildung 1).
Mit deutlichem Abstand zu den deutschen Herstellern kommen die beiden chinesischen OEMs Geely (hier vor allem Volvo) und BYD mit 36 bzw. 30 Indexpunkten noch auf eine hohe InnovationsstĂ€rke bei PHEVs. Sowohl die Verbrauchsverbesserung des Volvo XC40 T5 Twin Engine als auch die erstmalige Segmentbesetzung bei kleinen SUVs mit dem Lynk&Co 06 PHEV fĂŒhrten fĂŒr den Geely-Konzern im Jahr 2020 zu einer Verbesserung der InnovationsstĂ€rke. BYD profitiert von den Plug-In-Hybrid-Varianten des Denza X sowie des BYD Han, die beide auch als reinelektrische Modelle angeboten werden.
Quelle: CAM Electromobility Report 2021
In dem sich dynamisch verĂ€ndernden Transformationsfeld der ElektromobilitĂ€t spielt die InnovationsstĂ€rke von Automobilherstellern fĂŒr den zukĂŒnftigen wirtschaftlichen Erfolg eine zentrale Rolle. So zeigt sich eine hohe Korrelation zwischen der Innovations- und der AbsatzstĂ€rke der Automobilhersteller. Volkswagen konnte im letzten Jahr weltweit 190.500 PHEVs absetzen, wĂ€hrend BMW und Daimler auf einen PHEV-Absatz von 148.100 bzw. 115.000 kommen. Der Anteil von PHEVs am gesamten Elektrofahrzeugabsatz (BEV/PHEV) der deutschen Hersteller ist im Jahr 2020 sehr hoch: Bei BMW machen PHEVs rund 77 Prozent des E-Autoabsatzes aus, bei Daimler sind es 70 Prozent und bei Volkswagen dagegen nur 45 Prozent.
Im Jahr 2021 bleiben die PHEV-InnovationsfĂŒhrer gleichzeitig die MarktfĂŒhrer wie aktuelle Auswertungen im wichtigen Absatzmarkt Deutschland zeigen. Insgesamt steigt der PHEV-Absatz in den ersten beiden Monaten auf 42.500 Neuzulassungen an. Die deutschen OEM-Gruppen Volkswagen, Daimler und BMW dominieren diese Antriebstechnologie mit einem Marktanteil von 71,5 Prozent. Der Volkswagen Konzern versechsfacht im Januar und Februar 2021 seine PHEV-AbsĂ€tze im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf insgesamt 13.800 Fahrzeuge. Daimler und BMW kommen im gleichen Zeitraum jeweils auf ĂŒber 8.000 abgesetzte PHEVs. Mit groĂem Abstand folgen Volvo (Geely) und Ford mit 3.300 bzw. 2.400 PHEV-Neuzulassungen. Ford, im Innovationsranking noch auf Platz 6, komplettiert in Deutschland die Top 5 OEMs gemessen am PHEV-Absatz.
Hierzu Studienleiter Stefan Bratzel: âDie derzeit noch hohe Bedeutung von Plug-in Hybriden bei deutschen Automobilherstellern ist angesichts eines hĂ€ufig hohen Realverbrauchs der Fahrzeuge aus CO2-GrĂŒnden nicht unkritisch. Plug-in-Hybride sind nur bei bestimmten Fahrprofilen und bei regelmĂ€Ăigem Laden ökologisch vertretbar. Die derzeitigen Förderkulissen in Deutschland unterstĂŒtzen jedoch nicht den âartgerechtenâ Einsatz von Plug-in-Hybriden und sollten aus KlimaschutzgrĂŒnden dringend angepasst werden. Allerdings entwickeln sich die Plug-in-Hybride auch bei deutschen Herstellern zunehmend zum ĂbergangsphĂ€nomen: Nach Volkswagen haben jĂŒngst auch Daimler und BMW ihre Strategien angepasst und zielen jetzt ĂŒberwiegend auf den Verkauf von reinen Elektrofahrzeugen.â
Weitere Informationen erhalten Sie in unserem neuen Electro-Mobility Report 2021:
Auch die Deutsche-Presse-Agentur (dpa) greift die Ergebnisse unserer Performance Studie globaler Automobilhersteller auf. Weitere Informationen in unserem neuen AUTOMOTIVEPerformance Report 2021.
Einige unserer Rechercheergebnisse der Performance-Trends globaler Automobilhersteller im Pandemiejahr 2020 wurden heute im Handelsblatt veröffentlicht. Fazit: Die erfolgreichsten Autohersteller sind nicht in Deutschland zu Hause, sondern in Japan und den USA… Detailliertere Informationen in unserem neuen AUTOMOTIVEPerformance Report 2021. https://auto-institut.de/automotiveperformance/
Der Neuzulassungen von E-Fahrzeugen steigen weiter entgegen dem rĂŒcklĂ€ufigen Gesamtmarkt und erreichen im Februar einen zweistelligen Neuzulassungsanteil von 20,7 Prozent.
Die Neuzulassungen von Elektrofahrzeugen bleiben auch im Jahr 2021 auf hohem Niveau. Im Februar wurden in Deutschland ĂŒber 40.000 Elektrofahrzeugen neu zugelassen, darunter ĂŒber 18.000 rein batterieelektrische Autos. Damit steigt der Neuzulassungsanteil von E-Fahrzeugen im Februar auf 20,7 Prozent, d.h. mehr als jedes fĂŒnfte Neufahrzeug hatte bereits einen Elektroantrieb (vgl. Abb. 1). Zum Vergleich: Im Februar 2020 lag der Neuzulassungsanteil von E-Autos noch bei 6,9 Prozent. Das sind die aktuellen Ergebnisse des Electromobility Reports des CAM, der regelmĂ€Ăig die Markt- und Innovationstrends der Branche bilanziert.
Abbildung 1: Neuzulassungen von Elektrofahrzeugen in Deutschland im Jahr 2021 (YTD)
Im Gesamtjahr 2021 wurden bereits 34.593 Neuzulassungen von reinen Elektrofahrzeugen (BEV) und 42.467 PHEVs verzeichnet, was insgesamt einem Zuwachs von 136 Prozent zum Vorjahreszeitraum entspricht. Damit wachsen die E-Fahrzeuge weiter entgegen dem rĂŒcklĂ€ufigen Gesamtzulassungstrend. In dem durch die Corona-Krise geprĂ€gten Monaten Januar und Februar gingen die Neuzulassungen um 25,1 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahreszeitraum zurĂŒck.
Hierzu Stefan Bratzel: âDeutschland ist im Jahr 2020 nach China zum zweitgröĂten Einzelmarkt fĂŒr die ElektromobilitĂ€t (BEV/PHEV) aufgestiegen und hat nach Absatzzahlen die USA ĂŒberholt. Sollte die Dynamik anhalten könnte Deutschland diese Position halten und zunehmend eine Schrittmacherfunktion fĂŒr die neuen Antrieben ausĂŒben. Allerdings beruht die Dynamik noch ĂŒberwiegend auf Plug-in Hybriden, die aktuell mehr als 55 Prozent der Neuzulassungen von E-Autos ausmachen. Plugin-Hybride sind jedoch nur bei bestimmten Fahrprofilen und bei regelmĂ€Ăigem Laden ökologisch sinnvoll. Die derzeitigen Förderkulissen in Deutschland unterstĂŒtzen jedoch nicht dem âartgerechtenâ Einsatz von Plug-ins und sollten aus KlimaschutzgrĂŒnden dringend angepasst werden.â
Abbildung 2: Bestand von Elektrofahrzeugen in Deutschland
In Deutschland ist der Bestand an reinen Elektrofahrzeugen (BEV) im Jahr 2021 (1. Januar) auf 309.000 (0,6%) und von Plug-in Hybriden (PHEVs) auf 280.000 gestiegen. Mit 590.000 Fahrzeugen machen alle Elektrofahrzeuge (BEV; PHEV) bereits 1,2% des Gesamtfahrzeugbestands in Deutschland aus (vgl. Abb. 2). Elektrofahrzeuge reduzieren derzeit jedoch noch nicht die Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren, sondern werden vielfach ergÀnzend angeschafft. Entsprechend steigt das Durchschnittsalter des Fahrzeugbestands im Vergleich zum Vorjahr weiter von 9,6 auf jetzt 9,8 Jahre und die Motorisierungsrate wÀchst von 570 auf 576 Autos pro 1.000 Einwohner.