Bergisch Gladbach, den 09.09.2026

  • EBIT-Marge (umsatzgewichtet) von 25 Automobilherstellern sinkt im H1 2026 um 20,5% auf durchschnittlich 3,5%
  • Chinesische ExportfĂŒhrer erreichen zunehmend wettbewerbsfĂ€hige EBIT-Margen. Chery fĂŒhrt die chinesischen Hersteller mit 7,8 Prozent EBIT-Marge an
  • Absatzanteil chinesischer Automobilhersteller in Europa steigt weiter rasant

Die Ertragslage der globalen Automobilindustrie bleibt im ersten Halbjahr 2026 angespannt, wobei große chinesische Automobilhersteller ihre finanzielle Performance durch einen stark steigenden Exportanteil verbessern. Der aktuelle AutomotivePERFORMANCE Report des Center of Automotive Management (CAM) untersucht die Finanzperformance von 25 globalen fĂŒhrenden Automobilherstellern anhand von Umsatz, Konzern-EBIT, EBIT-Marge und EBIT je ausgeliefertem Pkw. In der aktuellen Auswertung werden dabei auch wichtige chinesische Hersteller wie Chery, BYD, Geely, SAIC, Great Wall Motor, Changan, Nio, XPeng und Li Auto berĂŒcksichtigt.

Über alle untersuchten Hersteller hinweg sinkt das gemeinsame EBIT gegenĂŒber dem Vorjahreszeitraum um 16,3 Prozent, wĂ€hrend der Umsatz lediglich um 1,0 Prozent zurĂŒckgeht. Die umsatzgewichtete EBIT-Marge liegt bei 3,5 Prozent, nach 4,4 Prozent im Vorjahreszeitraum. Auch das durchschnittliche Konzern-EBIT je ausgeliefertem Pkw bleibt unter Druck. Es fĂ€llt von 1.199 Euro auf 1.027 Euro, ein RĂŒckgang um 14,3 Prozent.

AuffĂ€llig ist insbesondere die Position der chinesischen Hersteller: Mehrere der exportstĂ€rksten chinesischen Automobilkonzerne weisen vergleichsweise hohe EBIT-Margen auf. Chery erreicht mit 7,8 Prozent sogar die zweithöchste EBIT-Marge im gesamten Herstellervergleich, wĂ€hrend auch BYD, SAIC, Great Wall Motor und Geely profitabel arbeiten. Damit zeigt sich eine sichtbare Überschneidung zwischen internationaler ExportstĂ€rke und operativer ProfitabilitĂ€t.[1]

Studienleiter Stefan Bratzel: „Die neue Auswertung der Finanzergebnisse bestĂ€tigt die grundlegende Diagnose der vorigen Studie. Die UmsĂ€tze der Automobilhersteller bleiben vergleichsweise stabil, wĂ€hrend die operative Ertragskraft deutlich stĂ€rker zurĂŒckgeht. Gleichzeitig zeigt sich, dass einige chinesische Hersteller inzwischen nicht nur bei Volumen und Wachstum, sondern auch bei der ProfitabilitĂ€t wettbewerbsfĂ€hig sind.“

Chinesische ExportfĂŒhrer mit positiven Margen

Die chinesischen Hersteller haben bei Umsatz und absolutem EBIT bislang ĂŒberwiegend noch nicht die GrĂ¶ĂŸenordnung der fĂŒhrenden etablierten Automobilkonzerne erreicht. Eine Ausnahme bildet BYD, das mit umgerechnet rund 43,3 Mrd. Euro Umsatz bereits auf dem Niveau von Tesla liegt und mit rund 1,85 Mrd. Euro EBIT zu den ertragsstĂ€rkeren chinesischen Herstellern zĂ€hlt. Chery erreicht bei deutlich geringerer UmsatzgrĂ¶ĂŸe von rund 18 Mrd. Euro ein EBIT von 1,41 Mrd. Euro und damit eine ĂŒberdurchschnittlich hohe ProfitabilitĂ€t. Auch beim EBIT je Pkw liegen Chery mit rund 1.040 Euro und BYD mit rund 1.025 Euro nahe am Durchschnitt der untersuchten Hersteller von 1.027 Euro, wĂ€hrend SAIC, Geely und Great Wall darunter liegen und jĂŒngere EV-Hersteller wie Nio, XPeng und Li Auto weiterhin negative Werte aufweisen.

Abbildung 1: EBIT-Marge der Top 25 Automobilhersteller (Konzernebene) in H1 2026*

Quelle: CAM; *Anmerkung: Chinesische OEM sind rot markiert

Interessant ist vor allem die Position einiger stark internationalisierter chinesischer Hersteller wie Chery, BYD und Geely. Chery erzielt mit 7,8 Prozent die höchste EBIT-Marge unter den untersuchten chinesischen Herstellern und liegt im Gesamtvergleich der betrachteten Automobilhersteller lediglich hinter Suzuki mit 10,1 Prozent. Es folgen BYD mit 4,3 Prozent, SAIC mit 3,4 Prozent, Great Wall Motor mit 3,2 Prozent und Geely Auto mit 2,7 Prozent. DemgegenĂŒber weisen insbesondere EV-Hersteller wie Nio, XPeng und LiAuto, welche stĂ€rker auf den Heimatmarkt fokussiert sind, weiterhin negative operative Margen auf.

Die ProfitabilitĂ€tsstruktur weist dabei eine auffĂ€llige Überschneidung mit der ExportstĂ€rke auf. Nach den aktuellen CPCA-Zahlen fĂŒr Januar bis Juni 2026 ist Chery mit 931.557 exportierten Pkw der grĂ¶ĂŸte chinesische Pkw-Exporteur (21,9 %), gefolgt von BYD mit 769.330 Fahrzeugen (18,1 %), Geely mit 472.456 (11,1 %), SAIC Passenger Vehicle mit 404.205 (9,5 %) und Great Wall Motor mit 256.000 Fahrzeugen (6,0 %). Die fĂŒnf grĂ¶ĂŸten Exporteure stehen damit zusammen fĂŒr rund 66,6 Prozent der erfassten chinesischen Pkw-Exporte (vgl. Abb. 2).

Bei Chery zeigt sich die starke Internationalisierung auch im Umsatz: Von insgesamt 1.357.500 weltweiten AbsĂ€tzen machten Exporte rund 68,8% aus, im ersten Halbjahr 2025 belief sich dieser Anteil auf ca. 43,3%. Auch BYD beschleunigt seine internationale Expansion deutlich. BYD strebt fĂŒr 2026 noch rund 1,9 bis 2,0 Mio. Fahrzeugexporte an, die aktuell bereits rund 42,5%  des Absatzes betragen (1. Halbjahr 2025 ca. 20,7%). FĂŒr das Jahr 2027 plant der Konzern nach noch unbestĂ€tigten Angaben sogar mehr als 2,5 Mio. Einheiten.

Abbildung 2: Fahrzeugabsatz und Export von ausgewÀhlten chinesischen Herstellern im 1. Halbjahr 2026*

Quelle: CAM, *Anmerkung: Geely Konzern betrachtet nur den Exportanteil der Kernmarke Geely ohne Volvo und Polestar; AbsÀtze und Exportanteil von SAIC ohne SAIC-GM-Wuling.

Diese Entwicklung gewinnt vor dem Hintergrund des schwĂ€cheren chinesischen Heimatmarktes an Bedeutung, der nach CAM-SchĂ€tzungen im Jahr 2026 um ca. 4 Mio. Pkw auf 19,5 Mio. sinkt.  Bereits im im ersten Halbjahr 2026 gingen die Pkw-Retail-Sales in China um rund 20,4 Prozent auf 8,8 Mio. Pkw zurĂŒck, wĂ€hrend die Pkw-Exporte um rund 70,6 Prozent auf 4,28 Mio. Fahrzeuge zulegten. Die AuslandsmĂ€rkte werden damit fĂŒr chinesische Hersteller zunehmend zu einem zentralen Wachstums- und Ergebnisfaktor.

Studienleiter Stefan Bratzel: „Die Daten zeigen einen bemerkenswerten Zusammenhang: Einige der grĂ¶ĂŸten chinesischen Exporteure gehören gleichzeitig zu den profitableren Herstellern. Gerade Chery ist hierfĂŒr ein wichtiges Beispiel. Ein hoher Exportanteil garantiert zwar keine hohe Marge, aber die Internationalisierung gewinnt angesichts des schwierigen chinesischen Heimatmarktes erheblich an strategischer Bedeutung.“

Wettbewerbsdruck verlagert sich zunehmend nach Europa

Die internationale Expansion dĂŒrfte den Wettbewerbsdruck auf dem europĂ€ischen Automobilmarkt weiter erhöhen. Chinesische OEMs haben im 1. Halbjahr 2026 den Neuwagenabsatz in Europa um ĂŒber 65% steigern können, wodurch sich der kumulierte Marktanteil von 7 Prozent auf 11 Prozent erhöhte (vgl. Abb. 3). Auch in Deutschland gewinnen chinesische Marken an Bedeutung. Eine KBA-basierte Auswertung kommt fĂŒr H1 2026 auf rund 6 Prozent Marktanteil chinesischer Marken. Bei den BEV Zulassungen machten die chinesischen Hersteller rund 10% aus. Weitere Hersteller stehen vor einer Ausweitung ihrer europĂ€ischen AktivitĂ€ten. Chery will seine Kernmarke Anfang 2027 mit zunĂ€chst vier Tiggo-SUVs in Deutschland einfĂŒhren und ergĂ€nzt damit die bereits vertretenen Konzernmarken Omoda und Jaecoo. Gleichzeitig erweitert Geely sein europĂ€isches Angebot: Der vollelektrische Geely E2 erreicht im September die ersten HĂ€ndler in Belgien und startet dort zu Preisen ab 19.490 Euro.

Studienleiter Stefan Bratzel: „FĂŒr die europĂ€ischen Hersteller beginnt damit eine neue Wettbewerbsphase. Chinesische Anbieter kommen zunehmend mit Skalenvorteilen, wettbewerbsfĂ€higen Kostenstrukturen und einer breiteren Modellpalette nach Europa. Entscheidend wird sein, ob die etablierten Hersteller ihre Kostenbasis schneller verbessern und gleichzeitig bei Technologie, Software und ProduktattraktivitĂ€t ihre Differenzierung sichern können. Zugleich sollte die EuropĂ€ische Kommission darauf achten, dass der zunehmende Markteintritt chinesischer Hersteller unter fairen und regelkonformen Wettbewerbsbedingungen erfolgt.“

Abbildung 3: Neuzulassungen von Herstellergruppen in Europa im 1. Halbjahr 2026*

Quellen: Grafik: CAM | Daten: ACEA | *EU+EFTA+UK | Geely = Geely, Geely‑Emgrand, LEVC, Lotus, Lynk & Co, Polestar, Smart, Volvo Cars, and Zeekr | Chery = Chery, Jaecoo, Jetour, and Omoda 

Methodik

Die Auswertung beruht auf den bis zum 9. September 2026 veröffentlichten GeschĂ€fts- und Quartalsanben der betrachteten Automobilkonzerne sowie auf CAM-Berechnungen fĂŒr Januar bis Juni 2026. Verglichen werden Konzernumsatz, operatives Ergebnis (EBIT), EBIT-Marge und EBIT je ausgeliefertem Pkw. Bei Unternehmen mit vom Kalenderjahr abweichendem GeschĂ€ftsjahr wurden die relevanten Quartalswerte zum Kalenderhalbjahr zusammengefĂŒhrt. Die Werte werden in Euro dargestellt; Rundungs-, WĂ€hrungs- und Abgrenzungsdifferenzen sind möglich. Aufgrund unterschiedlicher Rechnungslegungs- und Berichtsstrukturen sind die Kennzahlen nur eingeschrĂ€nkt unmittelbar vergleichbar.

Über das CAM:

Das Center of Automotive Management (CAM) ist ein unabhĂ€ngiges, wissenschaftliches Institut fĂŒr empirische Automobil- und MobilitĂ€tsforschung sowie fĂŒr strategische Beratung an der Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) in Bergisch Gladbach. Das Institut unterstĂŒtzt seine Kunden auf Basis umfangreicher Datenbanken, insbesondere zu fahrzeugtechnischen Innovationen der globalen Automobilindustrie sowie zur Markt- und Finanz-Performance von Automobilherstellern und Automobilzulieferunternehmen. Mittels eines fundierten Branchen-Know-hows und fundierter Marktkenntnisse erarbeitet das Auto-Institut individuelle Marktforschungskonzepte und praxisorientierte Lösungen fĂŒr seine Kunden aus der Automobil- und MobilitĂ€tswirtschaft.


Center of Automotive Management (CAM)

Prof. Dr. Stefan Bratzel

An der GohrsmĂŒhle 25

51465 Bergisch Gladbach

Tel.: +49 (0) 22 02 / 28577-0

Mobil: +49 (0) 174 / 9 73 17 78

Fax: +49 (0) 22 02 / 28577-28

E-Mail: stefan.bratzel@auto-institut.de

Web: www.auto-institut.de


[1] Die Einbeziehung der chinesischen Hersteller verĂ€ndert das Gesamtbild leicht. Eine frĂŒhere CAM-Zwischenauswertung, die zunĂ€chst 15 etablierte globale Automobilhersteller umfasste, hatte noch einen EBIT-RĂŒckgang von 17,5 Prozent, ein Umsatzminus von 1,4 Prozent sowie einen RĂŒckgang des EBIT je Pkw um 16 Prozent ergeben. Die breitere Datenbasis zeigt damit einen etwas geringeren ErgebnisrĂŒckgang, bestĂ€tigt jedoch den grundsĂ€tzlichen Befund einer deutlich stĂ€rker sinkenden Ertragskraft gegenĂŒber der Umsatzentwicklung.