Spiegel: Immer mehr AutorĂŒckrufe wegen SicherheitsmĂ€ngeln

Wegen SicherheitsmĂ€ngeln an Autos sind dem Branchenexperten Stefan Bratzel zufolge zwischen 2011 und 2020 allein in den USA 331 Millionen Fahrzeuge in die WerkstĂ€tten zurĂŒckgerufen worden – »das heißt, es wurden mehr als doppelt so viele Fahrzeuge zurĂŒckgerufen als im gleichen Zeitraum an Neuwagen verkauft wurden«. Fast 49 Millionen RĂŒckrufe 2020 und im ersten Halbjahr 2021 »zeigen keine Trendumkehr, sondern verstĂ€rken den Negativtrend«, schrieb er in einer am Montagabend veröffentlichten Studie.

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Automobilwoche: RĂŒckruf-Studie zu letzten zehn Jahren: Doppelt so viele Autos zurĂŒckgerufen wie verkauft

Wegen SicherheitsmĂ€ngeln an Autos sind dem Branchenexperten Stefan Bratzel zufolge zwischen 2011 und 2020 allein in den USA 331 Millionen Fahrzeuge in die WerkstĂ€tten zurĂŒckgerufen worden – „das heißt, es wurden mehr als doppelt so viele Fahrzeuge zurĂŒckgerufen als im gleichen Zeitraum an Neuwagen verkauft wurden“. Fast 49 Millionen RĂŒckrufe 2020 und im ersten Halbjahr 2021 „zeigen keine Trendumkehr, sondern verstĂ€rken den Negativtrend“, schrieb er in einer am Montagabend veröffentlichten Studie.
Das Risiko großer RĂŒckrufaktionen sei durch marken- und modellĂŒbergreifende Plattformen und Gleichteile sowie globale Produktionsnetze erheblich gestiegen. „Dadurch kann ein spĂ€t entdeckter Fehler im einem Baukastenmodul zu millionenfachen FahrzeugrĂŒckrufen fĂŒhren“, erklĂ€rte Bratzel.

https://www.automobilwoche.de/article/20211019/AGENTURMELDUNGEN/310199933/1276/ruec

RĂŒckruf-Trends der globalen Automobilhersteller im Langfristvergleich (2011-2021) Referenzmarkt USA

  • Zwischen 2011 und 2020 wurden im Referenzmarkt USA ein Rekordwert von 331 Mio. Fahrzeuge wegen sicherheitstechnischer MĂ€ngel zurĂŒckgerufen. Dies entspricht einer RĂŒckrufquote von 201 Prozent, d.h. es wurden mehr als doppelt so viele Fahrzeuge zurĂŒckgerufen als im gleichen Zeitraum an Neuwagen verkauft wurden.
  • Die Auswertungen der RĂŒckrufe des Jahres 2020 und des 1. Halbjahres 2021 zeigen keine Trendumkehr, sondern verstĂ€rken den Negativtrend. Die Anzahl der zurĂŒckgerufenen Fahrzeuge der globalen Hersteller belĂ€uft sich im Jahr 2020 auf 30,3 Mio. und im ersten Halbjahr 2021 bereits auf 18,6 Mio. Pkw. Die RĂŒckrufquoten liegen mit 208 Prozent (2020) bzw. 227 Prozent (2021) damit wiederum ĂŒber dem 10-Jahres Durchschnitt.
  • Im Jahr 2020 mussten Toyota, Honda sowie der US-Hersteller Ford die meisten Fahrzeuge aufgrund von SicherheitsmĂ€ngeln in die WerkstĂ€tten beordern. Die höchsten RĂŒckrufquoten verzeichneten neben Volvo insbesondere die japanischen Konzerne Honda, Mitsubishi und Toyota. In der ersten HĂ€lfte des Jahres 2021 sind der Premium-Hersteller Daimler sowie die US-Konzerne General Motors und Ford besonders betroffen.

RĂŒckruf-Trends der Automobilhersteller im Vergleich 2020 – 1. HJ 2021

Die RĂŒckrufe der Automobilhersteller bewegen sich weiter auf sehr hohem Niveau. Nach aktuellen Berechnungen wurden auf dem Referenzmarkt USA im Gesamtjahr 2020 30,3 Mio. Pkw wegen sicherheitstechnischen MĂ€ngeln zurĂŒckgerufen. Im ersten Halbjahr 2021 waren es bereits ĂŒber 18,6 Mio. Pkw (inkl. LCV). Damit liegt die RĂŒckrufquote, die die Anzahl der zurĂŒckgerufenen Fahrzeuge an den Neuzulassungen des Jahres ausdrĂŒckt, mit 208 Prozent im Jahr 2020 (2019: 219%) bzw. mit 227 Prozent im ersten Halbjahr 2021 wiederum auf einem ĂŒberdurchschnittlich hohen Niveau. Das sind die zentralen Ergebnisse der Studie „RĂŒckruf-Trends der globalen Automobilhersteller 2011-2021“ des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach, das die RĂŒckrufe der OEMs jĂ€hrlich bilanziert.

Mit RĂŒckrufquoten jenseits von 400 Prozent schneiden im Jahr 2020 die Hersteller Volvo, Honda und Mitsubishi am schlechtesten ab. Toyota ruft mit einer Quote von 328 Prozent und rund 7 Mio. betroffener Fahrzeuge die meisten Pkw wegen sicherheitstechnischer MĂ€ngel in die WerkstĂ€tten zurĂŒck, gefolgt von Honda mit 5,8 Mio. Pkw sowie Ford mit rund 5 Mio. Fahrzeugen. Die geringsten RĂŒckrufquoten besitzen im Jahr 2020 Tesla (13%), Mazda (26%), GM (53%) und Jaguar Land Rover (75%). Die deutschen Automobilhersteller BMW, Volkswagen und Daimler liegen mit jeweils 126, 121 und 86 Prozent eher im Mittelfeld.

Rund 27 Prozent aller sicherheitsrelevanten ProduktmĂ€ngel im Jahr 2020 entfielen auf den Insassenschutz, wĂ€hrend QualitĂ€tsmĂ€ngel beim Antriebsstrang (Motor, Getriebe) rund 21 Prozent der RĂŒckrufe ausmachten. Auf die Karosserie zurĂŒckzufĂŒhrende SicherheitsmĂ€ngel sind fĂŒr rund 20 Prozent der zurĂŒckgerufenen Fahrzeuge verantwortlich, gefolgt von Problemen mit der Elektrik und Elektronik (14%) sowie MĂ€ngel an den Bremsanlagen (10%). Die erstmalige Auswertung von RĂŒckrufen aufgrund von Softwarefehlern zeigt, dass deswegen im Jahr 2020 rund 7 Prozent der Pkw zurĂŒckgerufen werden mussten, was einem Volumen von knapp 2 Mio. Fahrzeugen entspricht. Die meisten Software-Probleme sind mit einem Anteil von 89 Prozent Honda zuzuordnen, gefolgt von Volvo mit 6 Prozent sowie Fiat-Chrysler mit knapp 2 Prozent.

Abbildung 1: Verteilung der sicherheitsrelevanten MĂ€ngel auf Baugruppen im US-Markt 2020

Quelle: CAM

Im 1. Halbjahr 2021 liegt die Zahl der RĂŒckrufe im US-Markt bereits bei 18,6 Mio. Pkw, was einer RĂŒckrufquote von 227 Prozent entspricht. Eine hohe RĂŒckrufmenge verbuchen dabei die amerikanischen Konzerne: der MarktfĂŒhrer GM kommt auf rund 7 Mio. Pkw, wĂ€hrend Ford 3,7 Mio. Pkw zurĂŒckruft. Deren RĂŒckrufquote liegt mit 525 bzw. 374 Prozent auf sehr hohem Niveau. Noch schlechter schneidet Daimler ab, die bei einem US-Absatz von rund 160.000 Pkw im ersten Halbjahr 2021 rund 2 Mio. Pkw zurĂŒckrufen mĂŒssen, was einer RĂŒckrufquote von 1.275 Prozent entspricht. Mehr als die HĂ€lfte aller sicherheitsrelevanten ProduktmĂ€ngel im 1. Halbjahr 2021 entfielen auf den Insassenschutz, wĂ€hrend auf Elektrik/Elektronik 17,5 Prozent und auf den Antriebsstrang knapp 10 Prozent entfielen. Die ĂŒbrigen Bereiche wie Fahrwerk (8%), Bremsanlage (6%), Karosserie (4%), Lenkanlage (2%) und sonstige Baugruppen (1%) nehmen eher eine untergeordnete Rolle ein. Mit einer absoluten RĂŒckrufmenge von knapp 2,7 Mio. Fahrzeugen bzw. einem Anteil von rund 15 Prozent ĂŒbersteigen Software-MĂ€ngel bereits zum Ende des Halbjahr 2021 den Gesamtjahreswert von 2020. Daimler musste mit einem Anteil von rund 64 Prozent die meisten Fahrzeuge aufgrund von Softwarefehlern zurĂŒckrufen, gefolgt von Subaru (17%), General Motors (11%) sowie Tesla (5%).

Im 1. Halbjahr 2021 liegt die Zahl der RĂŒckrufe im US-Markt bereits bei 18,6 Mio. Pkw, was einer RĂŒckrufquote von 227 Prozent entspricht. Eine hohe RĂŒckrufmenge verbuchen dabei die amerikanischen Konzerne: der MarktfĂŒhrer GM kommt auf rund 7 Mio. Pkw, wĂ€hrend Ford 3,7 Mio. Pkw zurĂŒckruft. Deren RĂŒckrufquote liegt mit 525 bzw. 374 Prozent auf sehr hohem Niveau. Noch schlechter schneidet Daimler ab, die bei einem US-Absatz von rund 160.000 Pkw im ersten Halbjahr 2021 rund 2 Mio. Pkw zurĂŒckrufen mĂŒssen, was einer RĂŒckrufquote von 1.275 Prozent entspricht. Mehr als die HĂ€lfte aller sicherheitsrelevanten ProduktmĂ€ngel im 1. Halbjahr 2021 entfielen auf den Insassenschutz, wĂ€hrend auf Elektrik/Elektronik 17,5 Prozent und auf den Antriebsstrang knapp 10 Prozent entfielen. Die ĂŒbrigen Bereiche wie Fahrwerk (8%), Bremsanlage (6%), Karosserie (4%), Lenkanlage (2%) und sonstige Baugruppen (1%) nehmen eher eine untergeordnete Rolle ein. Mit einer absoluten RĂŒckrufmenge von knapp 2,7 Mio. Fahrzeugen bzw. einem Anteil von rund 15 Prozent ĂŒbersteigen Software-MĂ€ngel bereits zum Ende des Halbjahr 2021 den Gesamtjahreswert von 2020. Daimler musste mit einem Anteil von rund 64 Prozent die meisten Fahrzeuge aufgrund von Softwarefehlern zurĂŒckrufen, gefolgt von Subaru (17%), General Motors (11%) sowie Tesla (5%).

FĂŒr die insgesamt hohen RĂŒckrufmengen und -quoten können im Einzelfall sehr unterschiedliche sicherheitsrelevante Bauteile verantwortlich sein:

  • Toyota musste im Jahr 2020 insgesamt fast 2,9 Mio. Fahrzeuge der Modellreihen Avalon, Corolla und Matrix zurĂŒckrufen, weil die elektronische Kontrolleinheit des Airbags eine Fehlfunktion aufwies.
  • Rund 2,1 Mio. Pkw verschiedener Modellreihen (u.a. Transit, Mustang, Fiesta) wurden vom US-Hersteller Ford zurĂŒckbeordert, weil eine bereits durchgefĂŒhrte Reparatur an der TĂŒrverriegelung möglicherweise nicht ordnungsgemĂ€ĂŸ durchgefĂŒhrt wurde. Zudem rief Ford 2021 bereits 2,6 Mio. Pkw der Typen Ranger, Fusion und Explorer zurĂŒck, weil die Frontairbags an der Fahrerseite unkontrolliert auslösen könnten, wenn sie lĂ€ngere Zeit einer hohen Luftfeuchtigkeit oder hohen Temperaturen ausgesetzt sind.
  • Die grĂ¶ĂŸte RĂŒckrufmenge im ersten Halbjahr 2021 verbuchte der US-Konzern General Motors. Insgesamt wurden bis Juni rund 4,4 Mio. Fahrzeuge (u.a. Cadillac Escalade) in die WerkstĂ€tten gerufen, weil die Gefahr bestand, dass die Airbags unkontrolliert auslösen könnten. Ende August 2021 gab General Motors zusĂ€tzlich bekannt, dass neuerdings alle produzierten Pkw des Typs Chevrolet Bolt EV aufgrund eines Risikos von BatteriebrĂ€nden zurĂŒckgerufen werden. Die UmrĂŒstungskosten der circa 140.000 betroffenen Fahrzeuge bezifferte der Hersteller auf rund eine Milliarde US-Dollar.

Abbildung 2: Sicherheitstechnische RĂŒckrufe von Pkw/LCV im US-Markt 2011 – 2021 (1. HJ.)  (in Mio.)

Quelle: CAM

Hierzu Studienleiter Stefan Bratzel:

„Die hohen RĂŒckrufzahlen der letzten Jahre sind auch Kennzeichen des enormen VerĂ€nderungsdrucks, der auf der Branche lastet. Insgesamt ist bereits abzusehen, dass Probleme rund um das Batteriesystem sowie Softwareprobleme erheblich zunehmen werden. Allerdings stellen sicherheitstechnischen RĂŒckrufe nur die Spitze des Eisbergs dar. Nicht selten gleicht die Produktherstellung mancher Automobilunternehmen einer „Bananenentwicklung“: Das Produkt reift erst beim Kunden. Das verĂ€rgert vielfach die AutokĂ€ufer und kann zu Personen- und SachschĂ€den fĂŒhren. Außerdem kostet es die Hersteller mittel- und langfristig viel Geld und schadet ihrem Image.“

RĂŒckrufe im Langzeitvergleich

In den letzten 10 Jahren (2011–2020) wurde ein Allzeit-Negativrekord von ĂŒber 331 Mio.(!) zurĂŒckgerufenen Fahrzeugen allein im Referenzmarkt USA erreicht, was einer durchschnittlichen RĂŒckrufquote von 201 Prozent entspricht. Inklusive des 1. Halbjahrs 2021 wurden seit dem Jahr 2011 349,7 Mio. Pkw zurĂŒckgerufen (RĂŒckrufquote von 204%). D.h. es wurden mehr als doppelt so viele Fahrzeuge in die WerkstĂ€tten zurĂŒckbeordert als im gleichen Zeitraum an Neuwagen verkauft werden konnten (vgl. Abbildung 2). Ein Großteil der betroffenen zurĂŒckgerufenen Modelle bezieht sich entsprechend auf weiter zurĂŒckliegende Baujahre.

Nach Herstellern sind General Motors, Honda, Fiat-Chrysler sowie Ford und Toyota besonders betroffen, die binnen einer Dekade zwischen 60 und 46 Mio. Pkw wegen SicherheitsmĂ€ngeln zurĂŒckrufen mussten (vgl. Abbildung 3). Mit 342 Prozent erreicht Honda auch den Negativ-Spitzenwert bei der RĂŒckrufquote vor Mitsubishi (331%), Fiat-Chrysler (273%) und Mazda (266%). General Motors, Toyota und Ford befinden sich mit RĂŒckrufquoten zwischen 202, 191 und 185 Prozent im Mittelfeld. Überdurchschnittlich betroffen ist im Langzeitvergleich der Premiumhersteller BMW, der auf eine RĂŒckrufquote von 219 Prozent kommt, wĂ€hrend Daimler und der Volkswagen Konzern mit 201 bzw. 173 Prozent leicht unter dem Schnitt der betrachteten Hersteller liegen. Im Langzeitvergleich weisen Jaguar-Land Rover und Tesla mit 86 bzw. 55 Prozent die niedrigsten sicherheitsbezogenen RĂŒckrufquoten der Branche auf gefolgt von Volvo (136%), Nissan (138%) und Hyundai (152%).

Abbildung 3: RĂŒckrufmenge und RĂŒckrufquoten der Pkw-Hersteller 2011-2021 (1.HJ) im US-Markt

Quelle: CAM

GrĂŒnde fĂŒr QualitĂ€tsprobleme und Folgerungen

Die RĂŒckrufe in den Jahren 2020 und 2021 (1. HJ) zeigen wiederum, dass die ProduktqualitĂ€t ein zentrales Thema in der Automobilindustrie bleibt. Wachsende RĂŒckrufrisiken und steigende globale SensibilitĂ€t fĂŒr QualitĂ€tsmĂ€ngel erfordern einen Paradigmenwechsel im QualitĂ€tsmanagement der Automobilhersteller. Das Risiko großer RĂŒckrufaktionen ist durch marken- und modellĂŒbergreifende Plattform- und Gleichteilestrategien sowie globale Produktionsnetzwerke erheblich gestiegen. Gleichzeitig werden sicherheitsrelevante MĂ€ngel an Fahrzeugen in den wichtigen AutomobilmĂ€rkten immer weniger akzeptiert, gerade auch weil Kunden ĂŒber lĂ€nderĂŒbergreifende Internet-Blogs und Newsgroups sehr gut informiert sind. Sicherheitsrelevante MĂ€ngel können zu TodesfĂ€llen und Verletzungen der Autofahrer fĂŒhren und darĂŒber hinaus den Herstellern Imageverluste und hohe Kosten verursachen.

Das QualitĂ€tsmanagement vieler Automobilhersteller trĂ€gt vielfach noch nicht den neuen globalen Produktsicherheitsanforderungen Rechnung. Manche Hersteller und Zulieferer betreiben zur kurzfristigen Gewinnmaximierung eher reaktive QualitĂ€tsmanagementsysteme mit nachsorgender MĂ€ngelbeseitigung, teilweise unter billigender Inkaufnahme von UnfĂ€llen wie im Fall der AirbagmĂ€ngel. Vor dem Hintergrund verĂ€nderter Entwicklungs- und Produktionsbedingungen und neuen Technologien und Funktionen im Fahrzeug sind jedoch proaktive und vorsorgende ProduktqualitĂ€tsstrategien notwendig, bei denen umfassende und langfristige Kosten-/ Nutzenbetrachtungen im Mittelpunkt stehen mĂŒssen.

Hierzu Stefan Bratzel:

„Das QualitĂ€tsmanagement der Hersteller muss vor dem Hintergrund neuer technischer Anforderungen sowie einer wachsenden SensibilitĂ€t der Öffentlichkeit eine deutlich höhere Relevanz in Automobilunternehmen erlangen. So entsteht etwa kĂŒnftig neuer Kundennutzen durch ElektromobilitĂ€t, Vernetzung und (teil-)autonome Fahrfunktionen. Aber es steigen dadurch auch in erheblichem Maße die Risiken. Die Cyber-Security von Fahrzeugen wird insgesamt zum großen Sicherheits- und QualitĂ€tsthema der Branche aufsteigen, das wesentlich ĂŒber die Akzeptanz von neuen Wachstumsfeldern der Automobilindustrie entscheidet. Abhilfe können Over-the-Air-Updates der Fahrzeugfunktionen schaffen, da viele Probleme durch softwaretechnische Optimierungen behoben werden können, ohne dass das Fahrzeug physisch in die Werkstatt muss. Derzeit beherrschen dies jedoch nur wenige Automobilhersteller.“

Zur Studie: Die RĂŒckruf-Trends der globalen Automobilhersteller im Jahr 2020 und 2021 (1.HJ.) (AutomotivePERFORMANCE Report 2021)

Das Center of Automotive Management (CAM) analysiert seit dem Jahr 2005 jĂ€hrlich die RĂŒckrufe der globalen Automobilhersteller. Als Referenzmarkt wird dabei die USA gewĂ€hlt. Der US-Markt ist aufgrund seiner AbsatzgrĂ¶ĂŸe, der relativ scharfen Sicherheitsrichtlinien und vor allem des hohen Klagerisikos ein aussagekrĂ€ftiger Indikator fĂŒr die ProduktqualitĂ€t der Automobilkonzerne. Ein RĂŒckruf wird von der National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) in den USA registriert, wenn ein sicherheitsrelevanter Defekt an einem Fahrzeug auftritt oder das Fahrzeug bzw. dessen Teile nicht den Sicherheitsstandards entsprechen. Auslöser von RĂŒckrufen sind hĂ€ufig Beschwerden und Informationen zu FahrzeugmĂ€ngeln, z.B. von Autofahrern, die der NHTSA angezeigt werden. Kommt ein Hersteller seiner Anzeigepflicht nicht nach oder verzögert er einen RĂŒckruf drohen hohe Strafen sowie Klagen in Millionenhöhe. Die RĂŒckruf-Trends geben Hinweise darauf, dass die ProduktqualitĂ€t – gerade auch im Hinblick auf sicherheitsrelevante Merkmale im Fahrzeug – ein kritisches Thema der Branche bleibt, das nicht nur zu einer enormen direkten Kostenbelastung fĂŒhren, sondern auch das Image von Fahrzeugherstellern enorm belasten kann.


Strukturelle Ursachen fĂŒr wachsende QualitĂ€tsprobleme.

1. Steigende technische KomplexitÀt des Fahrzeugs

Die technische KomplexitĂ€t der Fahrzeuge ist in den letzten 20 Jahren enorm gestiegen, wodurch die Fahrzeuge zwar grundsĂ€tzlich sicherer geworden sind. Allerdings fĂŒhrte die technische KomplexitĂ€t auch zu einem Anstieg der FehlerhĂ€ufigkeit und FehleranfĂ€lligkeit. Hierzu tragen u.a. passive und aktive Sicherheitssysteme (wie ABS, ESP, Airbags; Fahrassistenzsysteme) bei, die gleichzeitig die Fahrzeugsicherheit deutlich erhöht haben. DarĂŒber hinaus sind motortechnische Optimierungen (Start/Stopp-Systeme, Aufladung etc.) sowie zahlreiche Komfortmerkmale wie etwa Navigations- und Internetdienste im Fahrzeug zu nennen. Es ist zu erwarten, dass im Zuge der Entwicklung weiterer Komfort- und Sicherheitsfeatures sowie von Vernetzung und Softwarefunktionen auch kĂŒnftig der KomplexitĂ€tsgrad der Fahrzeuge weiter deutlich zunimmt.

2. Zunahme der Entwicklungsgeschwindigkeit aufgrund gestiegener WettbewerbsintensitÀt

Die Produktentwicklungszyklen wurden in den vergangenen 15 Jahren deutlich verkĂŒrzt. Aufgrund der hohen WettbewerbsintensitĂ€t der Branche bringen die globalen Hersteller in immer kĂŒrzerer Zeit neue Modelle bzw. Derivate in Umlauf und verbreitern damit ihr Produktportfolio kontinuierlich. Wer es schafft mit neuen Modellen bzw. -varianten schnell am Markt zu sein, hat im globalen Wettbewerb Vorteile. Der hohe Zeitdruck in der Produktentwicklung wirkt sich negativ auf die QualitĂ€tssicherung aus.

3. Wertschöpfungsverlagerung und Globalisierung der Entwicklung und Produktion

Um Kosten-, Zeit- und Innovationsvorteile zu realisieren, wurden erhebliche Teile der Wertschöpfung auf die Automobilzulieferer ĂŒbertragen. Ihr Wertschöpfungsanteil ist mittlerweile auf rund 75 Prozent gestiegen. Gleichzeitig steigen mit dieser Verlagerung die Anforderungen an unternehmensĂŒbergreifendes QualitĂ€tsmanagement, das darĂŒber hinaus auf globaler Ebene sichergestellt werden muss. Es muss einerseits nicht nur die eigene ProduktqualitĂ€t, sondern auch durch geeignete Prozesse die TeilequalitĂ€t der globalen Lieferanten gesichert werden. Andererseits steigt die KomplexitĂ€t eines QualitĂ€tsmanagements auch dadurch, dass die Automobilhersteller nicht nur die zugelieferten Teile, sondern meist auch die QualitĂ€t der international verteilten Produktionsanlagen ihrer Zulieferer einschĂ€tzen und durch Prozesse absichern mĂŒssen.

4. Erhöhter Kostendruck als Gefahr fĂŒr ProduktqualitĂ€t

Die Automobilhersteller stehen aufgrund der hohen Innovations- und WettbewerbsintensitĂ€t auch unter enormen Kostendruck. Gleichzeitig geben die Hersteller den Kostendruck an die Automobilzulieferer weiter, die dazu angehalten sind ihre eigenen Kosten bzw. die ihrer Teile- bzw. Rohstofflieferanten zu drĂŒcken. Hier besteht die Gefahr, dass der Kostendruck zu Ungunsten der Teile- bzw. ProduktqualitĂ€t geht.

5. Baukasten- und Gleichteilestrategie

Um Kosten zu sparen und die Entwicklungsgeschwindigkeit zu erhöhen, mĂŒssen die Hersteller zunehmend auf Gleichteile- bzw. Baukastenstrategien setzen. Hierbei nutzen die OEM die gleichen Komponenten und Module in möglichst vielen Modellen, um von den hiermit verbundenen Mengeneffekten zu profitieren. Dadurch kann ein spĂ€t entdeckter Fehler im einem Baukastenmodul zu millionenfachen FahrzeugrĂŒckrufen fĂŒhren.

Mobility Circle am 18.11.2021 in MĂŒnchen

Das Thema.

Auf der Grundlage des Mobility Services Report zeigt Gastgeber Prof. Dr. Stefan Bratzel die wichtigsten Trends und Entwicklungen.
Die MobilitĂ€t der Zukunft braucht ein neues Denken und Handeln. Mit den Paradigmen von gestern können die Herausforderungen fĂŒr MobilitĂ€t und Verkehr von morgen nicht mehr bewĂ€ltigt werden.

„Elektrisch, autonom, multimodal, kooperativ“ sind die zentralen Stichworte fĂŒr technologische und soziale Innovationen zur GewĂ€hrleistung einer nachhaltigen MobilitĂ€t in sektorĂŒbergreifenden Ökosystemen.

Diese Aufgaben können nicht von einzelnen Akteuren oder VerkehrstrĂ€gern wie dem Auto und dem Öffentlichen Verkehr allein und isoliert gelöst werden, sondern erfordern eine disziplinierte und branchenĂŒbergreifende Zusammenarbeit.

Dabei geht es einerseits um die Darstellung neuer kreativer Ideen und LösungsansÀtze im Sinne einer effizienten und nachhaltigen MobilitÀtsstrategie.

Andererseits geht es auch darum, wie solche Zukunftskonzepte im Zusammenspiel von Unternehmen und Politik erfolgreich umgesetzt und institutionalisiert werden können.

Studie: „Mobility transformation and competitiveness of European automakers“

Our perspective on „Mobility transformation and competitiveness of European automakers“: The mobility transformation that is about to happen requires the industry and its stakeholders to show utmost willingness to change and it requires the capacity for innovation.
In light of the above challenge, the paper discusses strategic pathways in auto-mobility and asked which mission-critical infrastructures or enabling conditions need to be created in order to promote innovation and strengthen transformation capabilities in the automobility sector. The paper points out how trends such as the growing importance of mobility services will
influence the market – not only for automakers.
Read in the new #Anthology how data move people and get a deep dive into the Mobility Dataspace: https://lnkd.in/eUXxu4Bx