Marktpositionierung und Absatztrends globaler Automobilhersteller

  • Die 31 grĂ¶ĂŸten Automobilkonzerne können im Jahr 2024 ein Absatzplus von 2,9% auf rund 84,2 Mio. Pkw und leichte Nutzfahrzeuge realisieren.
  • Im grĂ¶ĂŸten Weltmarkt China kann der MarktfĂŒhrer BYD seine im letzten Jahr ĂŒbernommene FĂŒhrungsposition auch im Jahr 2025 ausbauen, wĂ€hrend Volkswagen nach vier Monaten des Jahres jetzt auch Rang 2 an Geely verliert. Auch Tesla verliert Marktanteile und rutscht ab.
  • In Europa baut Volkswagen im Jahr 2025 (Jan-April) seine MarktfĂŒhrerschaft mit einem Zuwachs von 4,5% weiter aus und vergrĂ¶ĂŸert den Abstand auf den Verfolger Stellantis (-9,6%). Großer Verlierer ist Tesla (-38,8%).

Marktpositionierung der globalen Automobilhersteller 2024/2025

Die globale Marktpositionierung der Automobilhersteller zeigt dynamische MarktverĂ€nderungen mit einer zunehmenden Dominanz chinesischer OEMs, die ihre Marktanteile im Heimatmarkt China steigern und nehmen zunehmend internationale MĂ€rkte in den Fokus nehmen. Die 31 grĂ¶ĂŸten Automobilkonzerne können im Jahr 2024 ein Absatzplus von 2,9% auf rund 84,2 Mio. Pkw und leichte Nutzfahrzeuge realisieren. Die höchsten weltweiten Wachstumsraten weisen die chinesischen Automobilhersteller BYD (41,8%), Changan (39,4%) und Nio (38,7%) auf. BYD schafft es als erster chinesischer OEM zum zweiten Mal in Folge in die Top 10 der volumenstĂ€rksten globalen Autokonzerne (4,3 Mio. / Platz 7).

Der grĂ¶ĂŸte Weltautomarkt China ist der Schrittmacher der Transformation und der dynamischen MarktverĂ€nderungen. BYD erhöht von 2019 bis 2024 ihren Marktanteil von 2,1 auf 16,2%, wobei der Elektroautobauer bereits 13% seiner VerkĂ€ufe im Ausland realisiert. Der bisherige chinesische MarktfĂŒhrer VW Group verliert im Jahr 2024 seine Spitzenposition mit einem Marktanteil von nur noch 12,3%. Die deutschen Premiumhersteller BMW und Mercedes verzeichnen im Jahr 2024 ebenfalls RĂŒckgĂ€nge im Marktanteil. Die Marktrelevanz, d.h. Bedeutung des chinesischen Marktes an den GesamtabsĂ€tzen, ist jedoch nach wie vor hoch und liegt bei Volkswagen bei 32%, bei Mercedes bei 34,5% und bei BMW bei 29%. (vgl. Abb. 1, Abb. 2).

In den ersten vier Monaten des Jahres 2025 konnten auf dem chinesischen Automobilmarkt wiederum maßgebliche einheimische Unternehmen ihre AbsĂ€tze deutlich steigern – allen voran BYD mit +14,9 % (0,965 Mio. Pkw) und Geely mit einem bemerkenswerten Zuwachs von 63,6 % (0,825 Mio. Pkw). Volkswagen verzeichnet hingegen ein Minus von 5 % und kommt nur noch auf 0,815 Mio. Pkw-Neuzulassungen. Im Hersteller-Ranking rutscht Volkswagen auf Platz drei ab, wĂ€hrend die Geely Gruppe zum zweitstĂ€rksten Autohersteller in China wird. Tesla geht mit einem Minus von 0,3% aus den ersten vier Monaten heraus und steht bei 163.338 Neuzulassungen (April: -8,6%). Der Marktanteil von Tesla sinkt von 4,9% (Platz 5) auf nur noch 3,2% (Platz 8) (vgl. Abb. 3).

Abbildung 1: Marktpositionierung globaler Automobilhersteller

Quelle: CAM

In Europa konnte Volkswagen von Januar-April 2025 seine Position als MarktfĂŒhrer mit einem Absatzplus von 4,5% auf nun 1,18 Mio. Fahrzeuge deutlich steigern. Insbesondere die Kernmarke VW sowie Skoda sorgen fĂŒr hohe ZuwĂ€chse, wĂ€hrend Audi und Porsche teils stark verlieren. Die deutschen Premiumhersteller BMW (+ 2,3%) und Mercedes (-1,8%) halten sich in einem schwierigen Marktumfeld noch relativ robust. Die Stellantis Gruppe verzeichnet dagegen einen AbsatzrĂŒckgang von 9,6% auf nur noch 691.000 Pkw. Auch die Hersteller aus Japan (-7,9%), Korea (-3,4%) und den USA (-17%) weisen in Europa deutlich niedrigere VerkĂ€ufe aus. Tesla realisiert mit einem Minus von 38,8% nur noch 61.000 Pkw-AbsĂ€tze. Dagegen kann die Renault Gruppe ihre Absatzzahlen nach vier Monaten des Jahres 2025 um 7,7% steigern dank hoher ZuwĂ€chse der Kernmarke. Unter den chinesischen OEMs/EigentĂŒmern kommt die SAIC-Gruppe auf ein Plus von 31,2%, wĂ€hrend Volvo ein Minus von 11,6% ausweist (vgl. Abb. 4).

Das sind einige der zentralen Ergebnisse der Studie auf Basis der exklusiven Marktpositionierungsmatrix© des Center of Automotive Management (CAM) in Kooperation mit Cisco und Automobilproduktion[1]. Mittels zentraler KPIs stellt die Matrix eine aktuelle Übersicht ĂŒber die StĂ€rke („Marktanteil“, „Absatzwachstum“) und AbhĂ€ngigkeiten („OEM-Marktrelevanz“) globaler Automobilhersteller in den wichtigsten AutomobilmĂ€rkten China, USA, Europa, Japan, Brasilien und Indien bereit (vgl. Abb. 1; Download mit hoher Auflösung hier).

Abbildung 2: Marktpositionierung globaler Automobilhersteller in China (2024)

Ein Bild, das Text, Screenshot, Diagramm, Farbigkeit enthÀlt.

KI-generierte Inhalte können fehlerhaft sein.Quelle: CAM

Abbildung 3: Absatztrends fĂŒhrender Automobilhersteller in China (YTD Jan-April 2025)

Abbildung 4: Absatztrends ausgewÀhlter Automobilhersteller in Europa (YTD Jan-April 2025)

Zunehmende geopolitische Risiken durch US-Zölle und strategischer Ausblick

Vor dem Hintergrund zunehmender geopolitischer Spannungen und protektionistischer Tendenzen gewinnt die globale Neuausrichtung von Produktions- und Absatzstrategien weiter an Bedeutung. FĂŒr deutsche Automobilhersteller wird es kĂŒnftig entscheidend sein, die AbhĂ€ngigkeit von einzelnen Kernregionen – insbesondere China und den USA – zu verringern und neue Wachstumsfelder in aufstrebenden MĂ€rkten wie Indien, SĂŒdostasien oder SĂŒdamerika konsequenter zu erschließen. DarĂŒber hinaus könnte eine stĂ€rkere Lokalisierung der Wertschöpfungsketten in SchlĂŒsselmĂ€rkten wie den USA dazu beitragen, zollbedingte Wettbewerbsnachteile abzumildern. Nur durch eine flexible und diversifizierte Marktstrategie lassen sich langfristig stabile Absatzstrukturen etablieren, um die WiderstandsfĂ€higkeit gegenĂŒber konjunkturellen und politischen Risiken nachhaltig zu stĂ€rken.


Studienleiter Stefan Bratzel: „Die aktuellen Marktdaten unterstreichen die Dynamik und HeterogenitĂ€t der globalen AutomobilmĂ€rkte. WĂ€hrend sich chinesische Hersteller wie BYD mit hoher Geschwindigkeit zu international relevanten Akteuren entwickeln, geraten etablierte Konzerne insbesondere in China zunehmend unter Druck. Zugleich zeigen die Entwicklungen in Japan und Brasilien, dass lokale Marktimpulse – sei es durch Nachholeffekte oder staatliche Förderprogramme – signifikante Absatzsteigerungen ermöglichen. DemgegenĂŒber steht die spĂŒrbare MarktsĂ€ttigung und KaufzurĂŒckhaltung in den traditionellen Kernregionen Europa und USA. FĂŒr global agierende Hersteller gewinnt eine stĂ€rker diversifizierte MarktprĂ€senz in Verbindung mit der gezielten Erschließung wachstumsstarker Regionen zunehmend an strategischer Relevanz, um die WiderstandsfĂ€higkeit gegenĂŒber konjunkturellen Schwankungen und geopolitischen Risiken nachhaltig zu stĂ€rken.“


Anhang

Markpositionierungsmatrix 2024/2025: Weitere ErlÀuterungen

AbsatzstĂ€rkster Konzern bleibt im Jahr 2024 Toyota mit ĂŒber 10,7 Mio. ausgelieferten Fahrzeugen, gefolgt von Volkswagen mit 8,7 Mio. Einheiten und der Hyundai Group mit 7,2 Mio. Autos. WĂ€hrend aus globaler Perspektive insbesondere chinesische Automobilhersteller, darunter BYD (+41,8%), Changan (+39,4%) und Nio (+38,7%), sowie Chery (+38,4%) das stĂ€rkste Absatzwachstum erzielten, performten etablierte Konzerne wie Nissan (-0,8%), Stellantis (-8,7%) oder Honda (-6,1%) eher unterdurchschnittlich. Mit BYD (4,3 Mio. Pkw) und Geely (3,3 Mio. Pkw) liegen zudem erstmals zwei chinesische Konzerne in den Top 10 der volumenstĂ€rksten Automobilhersteller. Chery (2,6 Mio.) und SAIC (2,4 Mio.) folgen auf den RĂ€ngen 12 und 14 nur knapp dahinter und lassen bereits GrĂ¶ĂŸen wie Renault (2,3 Mio.), Mercedes-Benz (2,0 Mio.) oder Telsa (1,8 Mio.) hinter sich.

Abseits der Entwicklungen einzelner OEMs offenbart die neue Marktpositionierungsmatrix des CAM zudem, dass sich die Absatzzahlen auf den einzelnen AutomobilmÀrkten im direkten Jahresvergleich stark unterscheiden.

  • Mit einem Volumen von 22,9 Mio. Pkw (+5,5%) ist China weiterhin auf Wachstumskurs. China verzeichnet im Vergleich zu 2023 ein moderates Wachstum und bewegt sich damit im Mittelfeld der internationalen Entwicklung. Dies ist einerseits auf die wenig durch Corona oder den Halbleitermangel beeinflussten Jahre 2020 bis 2022 zurĂŒckzufĂŒhren, offenbart jedoch auch andererseits temporĂ€re SĂ€ttigungstendenzen. Die SĂ€ttigungstendenzen und hohe Wettbewerbsdynamik in China sind auch ein Grund fĂŒr die zunehmende Internationalisierung chinesischer Hersteller.
  • Die Kernregionen USA (+1,9 %) und Europa (+0,7 %) liegen weit hinter den Steigerungsraten des Vorjahres. Diese AbschwĂ€chung ist unter anderem auf eine zunehmende KaufzurĂŒckhaltung zurĂŒckzufĂŒhren, die in vielen MĂ€rkten zu beobachten ist. Ursachen dafĂŒr sind unter anderem die anhaltend hohe Inflation, gestiegene Lebenshaltungskosten sowie erschwerte Finanzierungsbedingungen, die potenzielle KĂ€uferinnen und KĂ€ufer vermehrt zu ZurĂŒckhaltung oder zur Entscheidung fĂŒr den Gebrauchtwagenmarkt bewegen.
  • Indien kann im Vergleich zum vergangenen Jahr nochmal um 4,2% auf ein Volumen von 4,3 Mio. Fahrzeugen zulegen. Besonders stark sind die MĂ€rkte Brasilien (+14,1%, 2,5 Mio.) und Japan (+10,7%, 4,4 Mio.) gestiegen. In Japan fĂŒhrten ein Nachholeffekt nach dem schwachen Vorjahr sowie die hohe Nachfrage nach Hybrid- und Kompaktfahrzeugen zu einem deutlichen Anstieg der Neuzulassungen, wĂ€hrend in Brasilien vor allem die wirtschaftliche Erholung und gezielte staatliche Kaufanreize den Absatz merklich belebten.

Jenseits der globalen Marktperspektive deckt ein Blick auf die Wettbewerbspositionierung fĂŒhrender Automobilhersteller in den relevanten Absatzregionen unterschiedliche strategische Ausgangspositionen auf, die mit Chancen und Risiken verbunden sind:

  • Toyota bleibt, gemessen am abgesetzten Fahrzeugvolumen, der grĂ¶ĂŸte Automobilhersteller der Welt und verkauft im Gesamtjahr 2024 mit seinen Marken Toyota, Lexus und Daihatsu weltweit 10,7 Mio. Einheiten (-3,6%). Besonders auf dem heimischen Markt in Japan ist der Absatz um -19,5% eingebrochen. Dort sank der Absatz auf 1,5 Mio. Einheiten, wodurch auch der Marktanteil auf nun nur noch 34,6% fĂ€llt. StĂ€rker zulegen konnte der Volumenhersteller besonders in Europa mit einem Plus von 13,2% auf ĂŒber 1 Mio. Fahrzeuge und in Indien mit einem Plus von 28,8% auf nun ĂŒber 300 Tsd. Einheiten. Auf dem Hauptabsatzmarkt USA muss sich Toyota mit 2,3 Mio. Einheiten (+7,9%) deutlich dem MarktfĂŒhrer General Motors (2,7 Mio., +3,6%) geschlagen geben. GrĂ¶ĂŸere Sorgen macht jedoch der wichtige Markt China: Nach dem Absatzrekord im Jahr 2022 reduzieren sich die VerkĂ€ufe entgegen dem Markttrend um 7,9% auf 1,6 Mio. Einheiten zu 2023. UrsĂ€chlich hierfĂŒr dĂŒrften vor allem das unausgereifte und nicht wettbewerbsfĂ€hige Angebot an New Energy Vehicles (NEV) sein.
  • Die VW Group reiht sich mit einem Absatz von rund 8,7 Mio. Pkw und leichten Nutzfahrzeugen sowie einem Weltmarktanteil von 10,3% als zweitgrĂ¶ĂŸter Automobilhersteller ein. Auch wenn das absolute Verkaufsvolumen nur noch eine nachrangige Bedeutung im Konzern einnimmt, sinkt der Gesamtabsatz um -2,3%. Knapp 40 Prozent des Absatzes entfielen auf Europa, den Heimatmarkt, wo Volkswagen markenĂŒbergreifend 3,4 Millionen Einheiten absetzte. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht das einer Steigerung von 2,5 Prozent. Wie auch Toyota muss der deutsche Konzern in China Verluste hinnehmen. 2,8 Mio. Einheiten wurden 2024 abgesetzt, ein Minus von 13,2% im Vergleich zu 2023.  Das expansive Vorgehen und die technologischen Kompetenzen vieler chinesischer Wettbewerber machen dem hiesigen Hersteller sichtlich zu schaffen. BYD stieg etwa mit einem Absatz von zuletzt 3,7 Mio. Pkw (+37,4%) innerhalb weniger Jahre zum schĂ€rfsten Konkurrenten im Volumensegment auf und ĂŒberholte den bisherigen MarktfĂŒhrer in China aus Deutschland. Weiterhin stark unterreprĂ€sentiert ist der VW Konzern in den USA. Von den rund 15,9 Mio. verkauften Fahrzeugen entfallen gerade einmal 4,1% (bzw. 656 Tsd.) auf VW-Marken.
  • Die Marktpositionierung der deutschen Premiumhersteller BMW, Mercedes-Benz und Audi variiert insgesamt nur marginal, wobei BMW (inkl. Mini und Rolls-Royce) mit ca. 2,45 Mio. Pkw fĂŒhrend beim Verkaufsvolumen ist und Mercedes-Benz (1,98 Mio.) sowie Audi (1,67 Mio.) hinter sich lĂ€sst. 66,9% (BMW), 69,6% (Mercedes-Benz) bzw. 78,6% (Audi) der deutschen Premiumfahrzeuge werden dabei ausschließlich in Europa und China neu zugelassen. Die starke Konzentration auf die beiden Marktregionen geht jedoch mit einer hohen Verwundbarkeit einher. Dies gilt im Besonderen fĂŒr die Marke BMW, die in China einen rĂŒcklĂ€ufigen Absatz auf 714 Tsd. Fahrzeuge (-13,4%) verbucht und knapp 40% seiner Modelle in Europa verkauft. Auf dem strategisch wichtigen Absatzmarkt USA können alle deutschen Premiumhersteller keine nachhaltigen Wachstumspfade einschlagen. BMW und Mercedes-Benz verkaufen seit mehr als zehn Jahren zwischen 300 und 400 Tsd. Autos pro Jahr, wĂ€hrend Audi konstant bei rund 200 Tsd. Einheiten jĂ€hrlich liegt. Hier bleibt abzuwarten, inwiefern Zölle auf importierte Fahrzeuge in die USA den Absatz der deutschen Hersteller auch in Zukunft beeinflusst. Audi hat bereits Lieferungen in die USA bis auf weiteres ausgesetzt.

[1] Die Studie zur Marktpositionierung wurde durch das CAM erarbeitet. Das Poster entstand mit freundlicher UnterstĂŒtzung von Cisco und den Zeitschriften Automobilproduktion und AutomotiveIT.

Performance-Vergleich von 14 globalen Automobilherstellern – Automobilindustrie vor Konsolidierungswelle

  • Konsolidierungswelle steht bevor: Die durchschnittliche EBIT-Marge von 14 globalen Automobilherstellern sinkt im Jahr 2024 auf nur noch 6,3% (2023: 8,0%). Die operativen Gewinne der Hersteller fallen gesamthaft um ĂŒber 20%. Die höchsten Gewinne und Profitmargen kann Toyota verbuchen.
  • Die globalen Automobilhersteller zeigen uneinheitliche Absatztrends: Die grĂ¶ĂŸten AbsatzsprĂŒnge machen jedoch die chinesischen Herstellergruppen BYD und Geely, die in die Top-10 der absatzstĂ€rksten Hersteller aufsteigen. Trotz rĂŒcklĂ€ufiger VerkĂ€ufe bleibt Toyota mit deutlichem Abstand vor Volkswagen grĂ¶ĂŸter Automobilhersteller.

Die globale Automobilindustrie steht vor einer breiten Konsolidierungswelle, die auch etablierte Unternehmen unter erheblichen Transformationsdruck setzt. Wichtige Indikatoren sind die insgesamt rĂŒcklĂ€ufigen Gewinne und Profitmargen der wichtigsten 14 globalen Automobilhersteller im Gesamtjahr 2024. Die branchenweite EBIT-Marge sinkt auf nur noch 6,3% im Vergleich zu 8,0% des Vorjahres. Die kumulierten operativen Gewinne brechen um 20,7% ein. Die globalen Absatzzahlen und UmsĂ€tze der betrachteten OEMs stagnieren im Mittel der Konzerne. Allerdings zeichnen sich Gewinner und Verlierer ab. So rĂŒcken die chinesischen Automobilkonzerne BYD und Geely in die Top-10 der absatzstĂ€rksten Hersteller auf. Sie erzielen Gewinne, wenngleich ihre Profitmargen jedoch (noch) unterdurchschnittlich sind. Viele etablierte Automobilhersteller haben mit sinkenden Profiten zu kĂ€mpfen, wĂ€hrend sich bei einigen Unternehmen wie Nissan die finanzielle Lage zuspitzt. Das sind die zentralen Erkenntnisse einer aktuellen Studie des Center of Automotive Management (CAM).

Globale Absatztrends der Automobilhersteller

Mit deutlichem Abstand bleibt Toyota der absatzstĂ€rkste globale Automobilhersteller mit 10,7 Mio. Pkw vor Volkswagen (8,7 Mio.) und der Hyundai Group (7,2 Mio.) sowie Stellantis und GM. Dabei weisen 10 der 14 wichtigsten Automobilhersteller rĂŒcklĂ€ufige Pkw-VerkĂ€ufe auf. Die deutlichste AbsatzrĂŒckgĂ€nge 2024 verzeichnen Stellantis (-8,7%), Honda (-6,1%) sowie BMW (-4,1%) und Toyota (-3,6%). Auch die weiteren deutschen Hersteller VW Group und Mercedes verbuchen AbsatzrĂŒckgĂ€nge von 2,3 bzw. 2,1%.

Herausragende Absatzgewinner sind die chinesischen Herstellergruppen BYD und Geely: BYD verkauft mit einem Plus von 42% nunmehr 4,3 Mio. Fahrzeuge und steigt zum siebtgrĂ¶ĂŸten Automobilkonzern der Welt auf. Geely kann seiner VerkĂ€ufe um 20% steigern und kommt erstmals auf Rang 10 der absatzstĂ€rksten Hersteller. Leichte Zugewinne erzielen ferner Ford und Renault (jeweils 1,3%) (vgl. Abb. 1).

Abbildung 1: Fahrzeugauslieferungen globaler Automobilhersteller in Millionen Einheiten (2024–2022)

EBIT-Trends und Profitmargen von globalen Automobilherstellern

Der operative Gewinn der ausgewĂ€hlten Automobilhersteller geht insgesamt im Jahr 2024 massiv um 20,9 % zurĂŒck. Besonders signifikante RĂŒckgĂ€nge sind bei Stellantis (-82%), Nissan (-75%), BMW (-38%), Mercedes (-31%) und Tesla (-20%) festzustellen. Die stark rĂŒcklĂ€ufigen Profite haben bei den Herstellern bereits zu erheblichen Kosteneinsparprogrammen gefĂŒhrt.

Entgegen dem allgemeinen AbwĂ€rtstrend können die Geely Gruppe (+48%) sowie General Motors (+37,5%) sowie Honda ihr operatives Ergebnis (19%) deutlich bzw. Renault (3,5%) und BYD (1,1%) leicht verbessern. Geely kommt auf einen EBIT von umgerechnet rund 3,75 Mrd. Euro (inkl. des geschĂ€tzten Ergebnisses von Polestar auf Basis von drei Quartalen). Den höchsten Gewinn erzielt trotz RĂŒckgĂ€ngen Toyota mit einem EBIT von umgerechnet 29,3 Mrd. Euro. Mit deutlichem Abstand folgen Volkswagen und Hyundai mit 19,1 bzw. 18,3 Mrd. Euro.

Im Jahr 2024 sinkt das durchschnittliche EBIT (in Prozent vom Umsatz) der global fĂŒhrenden Automobilhersteller auf 6,3 % und liegt damit deutlich unter den Vorjahreswerten (8,0 % in 2023), was einem RĂŒckgang von 20,5 % entspricht. Starke RĂŒckgĂ€nge verbuchen die Premiumhersteller Mercedes und BMW, deren Marge um 27 bzw. 32% sinkt. Aber auch bei Tesla sinkt die Profitmarge um 21% auf jetzt 7,2%. Besonders massiv ist der Margenverfall von Stellantis von 11,8% im Vorjahr auf 2,6% im Jahr 2024 (-78%) bzw. bei Nissan (-74%). Dagegen können General Motors und Honda ihre EBIT-Margen entgegen dem Trend leicht auf 6,8 bzw. 6,6% steigern. Besonders stark ist der Zuwachs bei Geely (+31%), die auf eine Profitmarge von 5,5% kommen.

Die höchste EBIT-Marge der absatzstĂ€rksten Hersteller erzielt Toyota mit 10,3% vor Hyundai (9,5%) sowie den deutschen Premiumherstellern Mercedes (9,3%) und BMW (8,1%). Eine ĂŒberdurchschnittliche EBIT-Marge können auch Renault (7,6%) und Tesla (7,2%) erzielen. Bei allen genannten Herstellern sind die Profitmargen jedoch rĂŒcklĂ€ufig (Abb. 2).

Dagegen liegen die Profitmargen von Volkswagen mit 5,9% sowie von Geely (5,5%) und BYD mit 5,0% (SchÀtzung) unter dem Durchschnitt der ausgewÀhlten Automobilhersteller. Sehr geringe EBIT-Margen von unter 3 Prozent erzielen Ford, Stellantis und Nissan. Bei Nissan bricht die Marge von 4,6 auf nur noch 1,2% ein.

Abbildung 2: EBIT globaler Automobilhersteller in Milliarden EUR (2024–2023)


Studienleiter Stefan Bratzel: „Die Automobilindustrie steht am Vorabend einer großen Konsolidierungswelle. Ein Amalgam aus ökonomischen WachstumsschwĂ€chen und unsicheren Rahmenbedingungen in KernmĂ€rkten sowie die großen technologischen Transformationsherausforderungen mit einer hohen WettbewerbsintensivitĂ€t von neuen Akteuren wird in den nĂ€chsten Jahren das Gesicht der Automobilindustrie massiv verĂ€ndern. Abzulesen ist diese Entwicklung in sinkenden Gewinnen und Profitmargen der Automobilhersteller im Jahr 2024, die bei vielen Unternehmen bereits zu breiten Effizienzprogrammen gefĂŒhrt haben.

In den nĂ€chsten Jahren wird ein darwinistischer Ausleseprozess in Gang kommen, in dem einige Unternehmen ausscheiden bzw. ihre UnabhĂ€ngigkeit verlieren. Dies gilt sowohl fĂŒr Newcomer im Bereich der ElektromobilitĂ€t als auch fĂŒr einige etablierte Automobilhersteller und Automobilzulieferer. Es gilt Ausschau zu halten nach strategischen Allianzen, da nicht wenige Unternehmen die weiterhin notwendigen hohen Investitionsausgaben fĂŒr technologischen Wandel rund um ElektromobilitĂ€t, Software-definierte Fahrzeuge sowie automatisiertes Fahren nicht mehr allein werden stemmen können. Innovation, Geschwindigkeit sowie Kosteneffizienz und FlexibilitĂ€t sind dabei wichtige Attribute einer erfolgreichen Zukunft.“


Über das CAM:

Das Center of Automotive Management (CAM) ist ein unabhĂ€ngiges, wissenschaftliches Institut fĂŒr empirische Automobil- und MobilitĂ€tsforschung sowie fĂŒr strategische Beratung an der Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) in Bergisch Gladbach. Seine Kunden unterstĂŒtzt das Auto-Institut auf Basis umfangreicher Datenbanken, insbesondere zu fahrzeugtechnischen Innovationen der globalen Automobilindustrie sowie zur Markt- und Finanz-Performance von Automobilherstellern und Automobilzulieferunternehmen. Mittels eines fundierten Branchen-Know-hows und intimer Marktkenntnisse erarbeitet das Auto-Institut individuelle Marktforschungskonzepte und praxisorientierte Lösungen fĂŒr seine Kunden aus der Automobil- und MobilitĂ€tswirtschaft.


Center of Automotive Management (CAM)

Prof. Dr. Stefan Bratzel

An der GohrsmĂŒhle 25

51465 Bergisch Gladbach

Tel.: +49 (0) 22 02 / 28577-0

Mobil: +49 (0) 174 / 9 73 17 78

Fax: +49 (0) 22 02 / 28577-28

E-Mail: stefan.bratzel@auto-institut.de

Web: www.auto-institut.de

AutomotiveINNOVATIONS Award 2024: Die innovationsstÀrksten Automobilhersteller (Markenebene) im Technologiefeld ElektromobilitÀt 2024

Im Ranking der innovationsstÀrksten Elektroautobauer des Jahres kommen Volkswagen und
Tesla im Technologiefeld ElektromobilitÀt auf die vordersten PlÀtze und erhalten den Auto-
motiveINNOVATIONS Award 2024. Auf Basis von 174 bewerteten ElektromobilitÀts-Innova-
tionen (Serie) wird die Marke Volkswagen (Marke) als die innovativste Volumenmarke 2024
ausgezeichnet. Tesla erhÀlt die Auszeichnung als die innovativste Premiummarke 2024 im
Technologiefeld ElektromobilitÀt.


Bergisch Gladbach, 17. Juli 2024.
Im Technologiefeld ElektromobilitÀt gewinnen die chinesischen Automobilherstellern immer
mehr an Bedeutung. So stammt ein Rekordanteil von 42% aller bewerteten 174 Serieninnova-
tionen im Elektrobereich des zurĂŒckliegenden Jahres von chinesischen Unternehmen (2019:
27%). Allerdings zeigen sich etablierte Automobilhersteller aus Deutschland sowie Hyundai
und Tesla im Technologiefeld ElektromobilitĂ€t – teils im Unterschied zur öffentlichen Wahr-
nehmung – sehr innovationsstark. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des AutomotiveINNO-
VATIONS Report, der die Innovationsleistungen von 100 Volumen- und Premiummarken im
zurĂŒckliegenden Betrachtungszeitraum des Jahres 2023/2024 analysiert.

InnovationsstĂ€rkste Volumenmarken 2024 – Elektroantrieb


Im aktuellen Ranking der innovationsstĂ€rksten Volumenmarken im Bereich „Elektroantrieb“
gelangt Volkswagen mit knapp 27 Indexpunkten (IP) auf Rang 1 und gewinnt den Automoti-
veINNOVATIONS Award 2024. Hyundai gelangt mit 19,2 IP auf Rang 2 und die SAIC Marke MG
Roewe mit 18,7 IP auf Rang 3. (vgl. Abb. 1).
Volkswagen punktet auf Basis von 12 Einzelinnovationen mit einer breiten Innovationsleistung
bei den verschiedenen technologischen Aspekten der ElektromobilitÀt: Sowohl im Bereich der
Reichweitenverbesserung (VW ID.5) als auch bei der Optimierung des Stromverbrauchs (z.B.
VW ID.7: niedrigster Stromverbrauch in der Oberen Mittelklasse) und der Ladeleistung (VW
ID.3: höchste Ladeleistung in der Unteren Mittelklasse) erbringt die Marke VW aktuell im In-
novationswettbewerb starke Leistungen. DarĂŒber hinaus verbessert eine Plug-&-Charge-Funk-
tion im ID.Buzz im Van-Segment den Ladekomfort fĂŒr den Kunden. Der ID.7 bereichert das
Segment der Oberen Mittelklasse erstmals mit einem E-Fahrzeug der Marke VW.


Abbildung 1: InnovationsstÀrke (Indexwert) von Volumenmarken im Technologiefeld Elektro-
mobilitÀt im Jahr 2023/2024

Starke Innovationsleistungen zeigen auch der koreanische Automobilhersteller Hyundai (Mar-
kenebene) sowie die chinesischen Hersteller MG und BYD. Hyundai punktet etwa mit dem
Kona Electric, der im Segment der kleinen SUVs mit 514 km (WLTP) die höchste Reichweite
erreicht und durch Vorkonditionierungen der Batterie hohe Ladeleistungen auch im Winter
ermöglicht. MG kann mit dem „Cyberster“ im Sportwagen-Segment mit 580 km (CLTC) die
höchste Reichweite verbuchen. BYD punktet etwa mit der Blade Battery im Seagull (Mini) und
der Cell-to-Body Technologie im Sea Lion (SUV, mittel).


Studienleiter Stefan Bratzel: „Chinesische Automobilhersteller wie BYD, Geely und SAIC weisen
im Bereich ElektromobilitÀt seit Jahren steigende Innovationsleistungen bei niedrigen Herstel-
lungskosten auf. Allerdings zeigt sich, dass gerade auch die deutschen Automobilhersteller ge-
genhalten und den Innovationswettbewerb erfolgreich annehmen. Eine hohe Innovations-
stĂ€rke ist gerade am Standort Deutschland ĂŒberlebenswichtig: Im Langstreckenrennen der
ElektromobilitĂ€t mĂŒssen es die deutschen Automobilhersteller schaffen mindestens so viel in-
novativer und besser zu sein, wie sie teurer sind.“


InnovationsstĂ€rkste Premiummarken 2024 – Elektroantrieb
Tesla gewinnt den Award der innovativsten Premiummarke im Bereich Elektroantrieb. Mit
einem jÀhrlichen Gesamtscore von 25,2 Indexpunkten belegt der amerikanische Automobil-
hersteller Rang eins vor der Geely-Premiummarke Zeekr (20,6 IP) und BMW (19,7 IP).
Tesla punktet u.a. mit mehreren Weltneuheiten in verschiedenen Technologiefeldern. Dazu-
gehören u.a. beim Model 3 eine Reichweitenerhöung auf bis zu 678 km WLTP (höchste Seg-
ment-Reichweite) sowie eine Verbrauchsoptimierung, die zu einem segmentbesten WLTP-
Verbrauch von 13,2 kWh/100km fĂŒhrt. DarĂŒber hinaus verbessert Tesla sein Elektroökosystem
durch die Erweiterung des eigenen Supercharger-Netzes auf mittlerweile weit mehr als 50.000
LadesÀulen.
Die Geely-Premium-Marke Zeekr punktet u.a. mit hoher Reichweite sowie der „Golden Bat-
tery“ im Zeekr 007, die es ermöglicht innerhalb von 15 Minuten 500 km Reichweite nachzula-
den (4,5C). BMW ĂŒberzeugt neben sehr guten Ladeleistungen (z.B. i5) u.a. mit dem „Multi
Contract Plug & Charge“: Damit kann der Kunde bei mindestens fĂŒnf unterschiedlichen Strom-
anbietern die Plu&Charge FunktionalitÀt nutzen, womit eine nutzerfreundliche automatische
Authentifizierung und Abrechnung möglich ist.

Abbildung 2: Ranking der InnovationsstÀrke* der Premiummarken 2024 im Technologiefeld
ElektromobilitÀt im Jahr 2023/2024

Die Entscheidungsgrundlage fĂŒr die AutomotiveINNOVATIONS Awards bildet der jĂ€hrlich neu
aufgelegte AutomotiveINNOVATIONS Report auf Basis der Innovationsdatenbank des Center
of Automotive Management. Seit 2005 erhebt das CAM unter der Leitung von Prof. Dr. Stefan
Bratzel die Produktinnovationen von globalen Automobilkonzernen und bewertet diese nach
quantitativen und qualitativen Kriterien. FĂŒr das Jahr 2023/24 hat das CAM die Innovationen
von 30 globalen Automobilherstellern und Newcomern mit rund 100 Automobilmarken analy-
siert. Dabei wurden im Elektrobereich insgesamt 174 einzelne, in Serie verfĂŒgbare OEM-Inno-
vationen in den Technologiefeldern Electric Drive
bewertet. Unter diesen befinden sich 51 –
hoch bewertete – Weltneuheiten. DarĂŒber hinaus indizieren weitere rund 108 Vorserieninno-
vationen bzw. Studien die Entwicklungstendenzen der Elektroautomobilhersteller in der Folge-
zeit. In die wissenschaftliche Evaluation des M.O.B.IL – Bewertungsansatzes der Innovationen
flossen Kriterien wie Reifegrad, OriginalitÀt, Kundennutzen und der Innovationsgrad ein.

FĂŒr eine Übersicht rund um das Thema Automobil-Innovationen und zur Methodik hĂ€lt das
CAM ein spezielles Internetportal bereit: https://automotiveinnovations.de/


Weitere Informationen erhalten Sie bei:
Center of Automotive Management (CAM)
Prof. Dr. Stefan Bratzel
Direktor
Tel.: (0 22 02) 28 57 7-0
E-Mail: stefan.bratzel@auto-institut.de
www.auto-institut.de
Über das Center of Automotive Management (CAM):
Das Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach ist ein unabhÀngiges, wissen-
schaftliches Institut fĂŒr empirische Automobil- und MobilitĂ€tsforschung an der Fachhochschule der
Wirtschaft in Bergisch Gladbach. Direktor und GrĂŒnder des Auto-Instituts ist Prof. Dr. Stefan Bratzel.
Weitere Details unter www.auto-institut.de.