Electromobility Report 2023: Absatztrends der E-MobilitÀt von OEM in Deutschland (Jan-Feb. 2023)
- Tesla ist mit deutlichen Abstand MarktfĂŒhrer bei den Elektro-Neuzulassungen in Deutschland in den ersten 2 Monaten des Jahres 2023.
- In China steigen die Neuzulassungen von Elektrofahrzeugen (BEV) zwischen Januar und Februar 2023 auf 663.000, wÀhrend der Gesamtmarkt sinkt.
MarktfĂŒhrer unter den Elektrofahrzeugen (BEV) in Deutschland ist im bisherigen Jahresverlauf Tesla mit 11.952 Neuzulassungen gefolgt von der Marke VW mit rund 6.972 Pkw. Die Marken Audi und Mercedes kommen mit 4.767 bzw. 4.029 Pkw auf Rang 3 und 4 vor Hyundai (2.993) und BMW (1.961). In die Top-10 der BEV-Neuzulassungen gelangen noch Smart, Skoda und Mini. Auf Position 11 rangiert bereits der chinesische Hersteller MG mit rund 1.300 BEV-AbsĂ€tzen vor Volvo, Peugeot, Seat und Opel.
Neben den reinen Elektro-Marken Tesla, Smart und Polestar erreichen einige Hersteller deutlich ĂŒberdurchschnittliche BEV-Anteile an den Neuzulassungen. Auf hohe BEV-Anteile kommen die Marken MG mit 74%, Mini mit 30%, Volvo mit 25% und Hyundai mit 23%, wĂ€hrend Fiat, Peugeot sowie Porsche und Audi nur noch leicht ĂŒber dem Durchschnitt von 13,1 % liegen. Unterdurchschnittlich zum Markt bewegen sich zu Beginn des Jahres 2023 dagegen die BEV-Anteile von VW (9,1%), Mercedes (9,3%) und BMW (7,5%). Bei Herstellern wie Toyota (4,9%), Kia (5,4%) oder Ford (1,4%) spielen reine Elektrofahrzeuge beim Fahrzeugverkauf in Deutschland noch fast keine Rolle.
Insgesamt können nur wenige Automobilhersteller im Vergleich zum Gesamtjahr 2022 ihren BEV-Anteil in den ersten zwei Monaten des laufenden Jahres steigern. Hierzu zĂ€hlen etwa MG und Volvo oder BEV-NachzĂŒgler wie Toyota oder Mazda. Unter den zehn absatzstĂ€rksten Marken können â von den reinen Elektromarken Tesla und Smart abgesehen â nur Audi und Mini ihren BEV-Anteil an den Neuzulassungen leicht erhöhen. Dagegen bleibt der BEV-Anteil bei Herstellern wie VW, BMW, Opel oder Fiat deutlich unter den Vorjahreswerten.
In Deutschland wurden im Januar und Februar 2023 insgesamt 50.611 Elektro-Pkw (BEV) zugelassen. Damit wurde im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (49.198) trotz der Verminderung der Förderung ein leichtes Wachstum erzielt. Auch der BEV-Anteil an den Neuzulassungen steigt leicht auf 13,1 Prozent (YTD 2022, 12,8%).
Im wichtigsten globalen Automobilmarkt China steigen zwischen Januar und Februar 2023 die Neuzulassungen von Elektrofahrzeugen (BEV) auf insgesamt 663.000. Zusammen mit den Plug-in Hybriden (PHEV) wurden laut CAAM insgesamt 933.000 Fahrzeuge verkauft (+20,8%). Der Marktanteil von Elektrofahrzeugen (vor allem: BEV/PHEV) steigt auf 25,7 %. Im gleichen Zeitraum sinken die Gesamtzulassungen im wichtigsten Automobilmarkt um 15,2%.
Studienleiter Stefan Bratzel: âTesla setzt als Elektro-MarktfĂŒhrer die Wettbewerber in Deutschland und in anderen wichtigen AutomobilmĂ€rkten durch die Preissenkungen unter enormen Druck. Es ist zu erwarten, dass die Wettbewerber auf breiter Front nachziehen mĂŒssen und die Anschaffungspreise bei Elektrofahrzeugen sinken. Die deutschen Automobilhersteller mĂŒssen in wichtigen MĂ€rkten wie Deutschland und China dagegenhalten, um nicht weiter Marktanteile im Zukunftsfeld der ElektromobilitĂ€t zu verlieren.â
Zum Electromobility Report 2023: https://auto-institut.de/e-mobility-2/
Das Erste_Bericht aus Berlin_Verbrennerverbot
Electromobility Report 2023: ExportgeschÀft mit gebrauchten Elektrofahrzeugen (BEV)
Legale Tricks verschlingen Steuergelder in dreistelliger Millionenhöhe
Mehr als 16 Prozent der im Jahr 2022 in Deutschland neu zugelassenen Elektrofahrzeuge (BEV) finden sich nicht im Fahrzeugbestand wieder. Damit nimmt der Schwund an E-Autos im Vergleich zum Vorjahr noch einmal um weitere 3 % zu. Diese Entwicklung bekrĂ€ftigt den Verdacht, dass ein erheblicher Anteil der neu zugelassenen Elektro-Pkw bereits nach der vorgeschriebenen Mindesthaltedauer von sechs Monaten als junge Gebrauchte gewinnbringend ins Ausland exportiert wurden. Allein im Jahr 2022 könnte dieses lukrative GeschĂ€ft in etwa 380 Millionen Euro an Steuergeldern gekostet haben. Deutschland subventioniert damit den Markthochlauf der ElektromobilitĂ€t im Ausland in besonderem MaĂe. Das sind die zentralen Ergebnisse einer Untersuchung des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach.
Zwischen Januar und Dezember 2022 wurden in Deutschland etwas mehr als 470.000 vollelektrische Autos (BEV) neu zugelassen. Gleichzeitig stieg der Fahrzeugbestand nur um knapp 400.000 Einheiten auf 1.013.009 BEVs an. Damit ergibt sich eine erhebliche Differenz von rund 76.000 E-Autos bzw. 16,2% der Neuzulassungen, die nicht in den deutschen Fahrzeugbestand ĂŒbergehen (vgl. Abbildung 1). Zum Vergleich: Zwischen Januar und Dezember 2021 wurden rund 356.000 BEVs neu zugelassen, wĂ€hrend der Bestand um etwa 309.000 Autos anstieg. Die Differenz betrug zum damaligen Zeitpunkt knapp 47.000 E-Autos bzw. 13,1 % der Neuzulassungen. Es ist davon auszugehen, dass der GroĂteil dieser Fahrzeuge nach Einzug der FörderprĂ€mie von bis zu 9.000 Euro und einer Haltedauer von sechs Monaten ins Ausland weiterverkauft wurde.
Abbildung 1: Neuzulassungen von Elektrofahrzeugen (BEV) und Pkw-BestandsverÀnderung in Deutschland

Stichproben ausgewĂ€hlter Automobilmarken offenbaren mitunter noch gravierendere Unterschiede zwischen den Neuzulassungen und den ZuwĂ€chsen im Fahrzeugbestand (vgl. Abbildung 2). Beim US-Hersteller Tesla fehlt nahezu jede dritte Neuzulassung in der Elektroflotte. Wurden zwischen Oktober 2021 und September 2022 etwa 52.000 Tesla-Modelle beim KBA angemeldet, so erhöhte sich der Bestand im gleichen Zeitraum um lediglich rund 36.000 Fahrzeuge. In den ersten neun Monaten des Jahres 2021 lag die Quote noch bei rund 18,5 %. Aber auch deutsche Premiummarken weisen stark ĂŒberdurchschnittliche Differenzen auf: Bei BMW (21,2 %), Audi (23,5 %) und Mercedes-Benz (19,4 %) fehlt rund jedes fĂŒnfte BEV im deutschen Fahrzeugbestand.
GĂŒnstigere Elektrofahrzeuge sind weniger betroffen. Die Differenz von Neuzulassungen und Fahrzeugbestand liegt bei Renault (Zoe) nur bei 9,1 %. Auch die weiteren ausgewĂ€hlten Volumenhersteller VW (13,9 %) und Hyundai (14,9 %) liegen unter dem Durchschnitt. Allerdings scheidet auch hier eine hohe Zahl von Elektrofahrzeugen im Jahr 2022 aus dem deutschen Fahrzeugbestand aus: Bei VW gehen etwa 7.000 E-Autos verloren, bei Hyundai sind es 4.300 und bei Renault 2.800.
Abbildung 2: Anteil des Pkw-Flottenverlustes bei Elektrofahrzeugen (BEV) in Deutschland bei ausgewÀhlten Automobilherstellern (Q1-Q3 2021 vs. Q4 2021-Q3 2022)

Diese Praktik dĂŒrfte seit 2023 deutlich unattraktiver sein. Durch die Reduzierung der FörderprĂ€mie von bis zu 9.000 Euro auf nunmehr maximal 6.750 Euro (beides inkl. Herstelleranteil) sowie die VerlĂ€ngerung der Mindesthaltedauer von sechs auf zwölf Monate sinken die Margen der auf den Export spezialisierten HĂ€ndlerbetriebe. FĂŒr das Gesamtjahr 2022 geht das CAM nach konservativen SchĂ€tzungen davon aus, dass fĂŒr die 76.000 im Bestand fehlenden BEVs in etwa 380 Millionen Euro an staatlichen Fördergeldern aufgewendet wurden. Im Vorjahreszeitraum könnte die Summe circa 230 Millionen Euro betragen haben. Damit finanziert die Bundesrepublik den Markthochlauf der ElektromobilitĂ€t in anderen LĂ€ndern in betrĂ€chtlichem MaĂe quer.
Studienleiter Stefan Bratzel: âBei der Auslobung von FörderprĂ€mien und Steuervorteilen der ElektromobilitĂ€t entstehen hĂ€ufig unerwĂŒnschte Nebeneffekte bzw. nicht unerhebliche Marktverzerrungen. Das ist nicht immer vollstĂ€ndig zu verhindern. Aber wenn sich der legale Missbrauch jĂ€hrlich auf höhere 3-stellige MillionenbetrĂ€ge summiert, muss der Gesetzgeber schnell nachjustieren. Die politische Reaktionsgeschwindigkeit war in diesem Falle recht langsam. Mit der Verminderung der ElektroprĂ€mie und der Erhöhung der Mindesthaltedauer auf ein Jahr zu Beginn des Jahres dĂŒrfte die AttraktivitĂ€t des prĂ€mienbegĂŒnstigten Exports von batterieelektrischen Fahrzeugen jetzt jedoch deutlich sinken.â
Ăber die Studie:
Der CAM Electromobility Report 2023 analysiert regelmĂ€Ăig die aktuellen Markt-, Absatz- und Innovationstrends der ElektromobilitĂ€t in wichtigen KernmĂ€rkten (z.B. China, USA, Europa und Deutschland). Gleichzeitig werden die wesentlichen Einflussfaktoren auf den Markthochlauf der ElektromobilitĂ€t empirisch beleuchtet. Die daraus abgeleiteten Annahmen werden schlieĂlich in Markthochlauf-Szenarien fĂŒr das Jahr 2030 ĂŒberfĂŒhrt. Die Untersuchung konzentriert sich auf reine Batteriefahrzeuge (BEV) und Plug-In-Hybride (PHEV).
Mehr Informationen: https://auto-institut.de/e-mobility-2/