2005-2026 / 22. Jahrgang

  • Geely ist der innovationsstärkste Konzern im Bereich Elektromobilität gefolgt von der Volkswagen Group und BYD. Die Top-Aufsteiger gegenüber dem Vergleichszeitraum sind neben Geely vor allem BYD, die deutschen Konzerne BMW und Mercedes-Benz sowie Renault.
  • Deutschland holt bei der Elektro-Innovationsstärke im Ländervergleich im zurückliegenden Jahr massiv auf und liegt jetzt fast gleichauf zu den chinesischen Automobilherstellern.
  • Hohe Korrelation zwischen Innovationsstärke und Elektroabsatz: Eine hohe Innovationskraft im Elektrobereich wirkt sich positiv auf die Elektroverkäufe aus. Die Top-6 der innovationsstärksten
    Elektro-Autobauer bilden gleichzeitig die Top-6 nach Elektroabsätzen im Gesamtjahr 2025 und in Q1 2026.
  • Der chinesische Hersteller BYD muss im ersten Quartal 2026 seine im letzten Jahr erlangte Führungsposition als global absatzstärkster E-Auto-Bauer wieder an den US-Hersteller Tesla abgeben. Auf den weiteren Plätzen drei und vier folgen Geely und Volkswagen.

Das Ranking der innovationsstärksten Elektroautobauer wird immer stärker von chinesischen und deutschen OEMs geprägt. Angeführt wird das Ranking erstmals von der Geely-Gruppe mit einem Gesamtwert von 209 Indexpunkten (IP), die sich im jährlichen Periodenvergleich um einen Rang verbessert und sich vor die VW Group (200 IP) und BYD (171 IP) setzt. Auf den weiteren Plätzen folgen die SAIC-Gruppe, BMW, Tesla, Mercedes-Benz, Hyundai und Renault sowie General Motors noch innerhalb der Top-10 (vgl. Abbildung 1).

Das sind die Ergebnisse des Electromobility Report 2026, das Markt- und Innovationstrends der globalen Automobilhersteller bilanziert. Das CAM-Ranking bewertet die 35 wichtigsten Automobilgruppen von reinen E-Autos (BEV) nach ihrer Innovationsstärke auf Basis von 874 einzeln bewerteten Serien-Innovationen im Zeitraum 2020 bis 2025. Allein im Jahr 2025 konnten 162 Neuerungen identifiziert und insbesondere in den Kategorien „Reichweite“, „Ladeleistung“ und „Verbrauch“ sowie „E-Auto-Ökosystem“ nach dem M.O.B.IL-Ansatz mit Indexpunkten bewertet werden.

Geely punktet nicht allein durch schiere Modellvielfalt, sondern auch durch technische Spitzenwerte einzelner Baureihen: So erreicht der Lotus Emeya eine Rekord-Ladeleistung von 450 kW im Segment, während der Zeekr Mix mit 450 kW und einem Ladevorgang von 10 auf 80 % in nur 10,5 Minuten ebenfalls Bestwerte setzt. Die VW Group präsentiert mit dem Porsche Cayenne Electric ein strukturell integriertes 113-kWh-Batteriesystem, das die Karosseriesteifigkeit erhöht, den Schwerpunkt absenkt und weniger Energie benötigt – zudem liefert die Turbo-Variante mit 850 kW (1.156 PS) und 2,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h den stärksten Großserien-SUV im Segment. BYD überzeugt durch ein besonders breites Innovationsportfolio: Der Han L kombiniert 1.000-kW-Dual-Gun-Laden, eine weiterentwickelte Blade-Batterie 2.0 mit Tieftemperaturladen bei –30 °C sowie einen Hochleistungsmotor mit 30.511 U/min – und auch der Tang L sowie der Yangwang U7 setzen mit bis zu 1.000 kW bzw. 500 kW Ladeleistung Maßstäbe in ihren Segmenten.

Abbildung 1: Kumulative BEV-Innovationsstärke* von globalen Automobilherstellern | 2020-2025

Quelle: CAM. Chart AI26-028.   Note: * Cumulated innovation strength of regarded OEMs (series only, A-EL & A-EVE, years: 2020-2025, previous: 2019-2024). Stellantis: Estimations for 2019 and 2020.

Zu den Aufsteigern des Jahres zählen neben Geely vor allem BYD, BMW, Renault und Mercedes-Benz. Während sich BYD um einen Platz auf Rang 3 steigern kann, zählt BMW zu den größten Aufsteigern im Ranking, die einen Sprung von Rang 10 auf Rang 5 machen. Technisch sticht dabei besonders der neue BMW iX3 der Neuen Klasse hervor, der eine elektrische Reichweite von bis zu 805 km bietet; ergänzt wird dies durch eine KI-gestützte, automatisch öffnende Ladeklappe sowie Plug & Charge Multi Contract mit bis zu zehn gleichzeitig verwaltbaren Ladeverträgen. Renault klettert von Rang 11 auf Rang 9 und erreicht einen Performance-Wert von 104 Indexpunkten. Entscheidend dafür ist die konsequente Einführung von Vehicle-to-Grid-Technologie (V2G) gleich in mehreren Modellen – sowohl der Renault 4 als auch der Twingo E-Tech electric verfügen über eine bidirektionale 11-kW-AC-Ladeeinheit, die das Fahrzeug als aktiven Energiespeicher für Haushalt und Stromnetz nutzbar macht. Mercedes-Benz steigert ebenfalls die Elektro-Innovationsstärke um 32 IP und kann sich dadurch auf Rang 7 stabilisieren, vor allem durch den CLA mit Top-Werten bei Verbrauch, Ladeleistung und Reichweite.

Zu den Absteigern des Jahres zählen vor allem Tesla, Hyundai und Stellantis, die zum Vergleichszeitraum jeweils um drei Plätze nach unten rutschen. Besonders auffällig ist der Absturz des Elektroauto-Pioniers Tesla, der über viele Jahre das Innovations-Ranking der Elektromobilität angeführt hat und erstmals auch aus den Top-3 herausfällt. Während Tesla in den letzten Jahren nur wenige Elektro-Innovationen hervorgebracht hat, konnten die Wettbewerber aus China und Deutschland massiv zulegen und in verschiedenen Fahrzeugsegmenten viele Neuerungen vorlegen. Eine hohe Innovationsstärke zeigt sich – teils mit Zeitverzug – häufig auch in Absatzerfolgen.

Für die deutschen Automobilhersteller stellt sich der Ausblick sehr vielversprechend dar, da sie ihre Innovationsanstrengungen im Jahr 2025 massiv erhöht haben: Im Ländervergleich machen die deutschen OEMs bei der Elektro-Innovationsstärke einen Sprung nach vorn und liegen nunmehr fast gleichauf mit den chinesischen Automobilherstellern. Auf Basis einer Gesamtinnovationsstärke aller globalen Automobilhersteller von 371 Elektro-Indexpunkten (Serie, Vorserie, Studien) liegt der Anteil der chinesischen OEMs aktuell bei 32,4% gefolgt von Deutschland mit 31,9%. In den Vorjahren konnten die deutschen OEMs nur gut 20% der Elektroinnovationsstärke für sich reklamieren, während China bei über 40% lag. Die deutschen Hersteller Volkswagen, BMW und Mercedes weisen aktuell die höchste Innovationsstärke bei den Vorserien-Neuerungen auf, die im Laufe des Jahres 2026 in den Markt kommen (vgl. Abbildung 2).

Hierzu Studienleiter Stefan Bratzel: „Deutschland holt bei der Elektro-Innovationsstärke massiv auf: Mit einem Anteil von knapp 32 Prozent an der globalen Elektroinnovationsstärke liegen die deutschen OEMs inzwischen nahezu gleichauf mit chinesischen Herstellern – noch vor wenigen Jahren war der Abstand deutlich größer. BMW, Volkswagen und Mercedes-Benz weisen aktuell die höchste Innovationsstärke bei Vorserien-Neuerungen auf. Das stimmt mich für die künftige Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Automobilindustrie im BEV-Segment optimistisch.“

Abbildung 2: Innovationsstärke der Elektromobilität nach OEM-Herkunftsländern

Neuzulassungen von Elektrofahrzeugen in 2026 – hohe Korrelation mit der Innovationsstärke

Eine hohe Innovationskraft im Elektrobereich wirkt sich meist positiv auf die Elektroverkäufe aus. Eine hohe Stärke von kundenrelevanten Elektro-Innovationen (Reichweite, Ladezeit etc.) ist neben dem Endkundenpreis ein wichtiger kaufrelevanter Faktor insbesondere in frühen Innovationsphasen. Die Top-6 der innovationsstärksten Elektro-Automobilhersteller sind gleichzeitig die Top-6 der absatzstärksten Elektroautobauer sowohl im Gesamtjahr 2025 und als auch im 1. Quartal 2026 (vgl. Abbildung 3). Die Innovationsstärke korreliert in den Untersuchungszeiträumen stark positiv mit den Elektro-Absatzzahlen der globalen Automobilhersteller (r = 0,73).

Während im Gesamtjahr 2025 noch der chinesische BYD-Konzern mit 2,255 Mio. Einheiten klar vor Tesla mit 1,636 Mio. Pkw der absatzstärkste Elektroautohersteller (BEV) war, hat sich die Rangfolge in den ersten Monaten des Jahres 2026 wieder gedreht. Im ersten Quartal 2026 setzt sich der US-Hersteller Tesla wieder an die Spitze deutlich vor BYD, Geely und dem Volkswagen-Konzern. In den ersten drei Monaten des Jahres verkauft Tesla knapp 360.000 BEV, gefolgt von BYD mit 310.000 und Geely mit 256.000 Einheiten. Die Volkswagen Group folgt mit 200.000 Auslieferungen vor SAIC mit etwa 175.000 und Hyundai (145.000), die damit deutlich hinter den Top-3 zurückbleiben (vgl. Abbildung 3).

Abbildung 3: BEV-Absatz (Pkw) von globalen Automobilherstellern im 1. Quartal 2026 (in Tsd., Vergleich zum Vorjahresquartal)

Nur wenige Automobilhersteller können im Vergleich zum Vorjahresquartal zulegen. Hierzu zählt in den Top-5 lediglich Tesla, die ihre Verkäufe um 6,2% steigern können, während die chinesischen Hersteller wie BYD, Geely und SAIC, u.a. bedingt durch das Auslaufen der Förderung in China, massiv verlieren. Besonders auffällig ist Rückgang um 25% bei BYD, Xpeng (-33%) sowie BMW (-21%). Demgegenüber können vor allem Hyundai (+21%) und Nio (+98%) ihre Auslieferungen deutlich steigern.

Hierzu Studienleiter Stefan Bratzel: „Die Daten des ersten Quartals 2026 zeigen eine klare Trendwende: Tesla hat sich mit rund 360.000 ausgelieferten BEV an die Spitze zurückgekämpft und den chinesischen Marktführer BYD deutlich distanziert. Während Tesla als einziger der Top-5-Hersteller mit einem Plus von 6,2 Prozent zulegen konnte, trifft das Auslaufen der staatlichen Förderung in China die dortigen Hersteller empfindlich – BYD verliert ein Viertel seiner Absätze, Xpeng sogar ein Drittel. Hinzu kommen ein zunehmend gesättigter Heimatmarkt sowie ein wachsender Margendruck durch den intensiven Preiswettbewerb in China. Tesla scheint derzeit noch von seinem hohen Innovationsniveau der Vergangenheit bei moderaten Preisen zu profitieren. Für den US-Hersteller zahlen sich zudem die Modellpflege sowie die vergleichsweise stabile Nachfrage in Nordamerika und Europa und eine schnelle Lieferfähigkeit aus.  Insgesamt erwarten wir ab dem zweiten Quartal 2026 eine Belebung des globalen BEV-Marktes – getragen von neuen Modellen, sinkenden Batteriekosten und einer schrittweisen Erholung der Kaufbereitschaft. Der strukturelle Wachstumstrend bei Elektrofahrzeugen bleibt intakt.“


Über den CAM Electromobility Report

Der CAM Electromobility Report analysiert regelmäßig die aktuellen Markt-, Absatz- und Innovationstrends der Elektromobilität in wichtigen Kernmärkten (z.B. China, USA, Europa und Deutschland). Gleichzeitig werden die wesentlichen Einflussfaktoren auf den Markthochlauf der Elektromobilität empirisch beleuchtet. Die Untersuchung konzentriert sich auf reine Batteriefahrzeuge (BEV) und Plug-In-Hybride (PHEV).

Weitere Informationen: https://auto-institut.de/e-mobility-2/

ANHANG: Methodik zur Berechnung der Innovationsstärke

Die CAM-Innovationsstärke im Technologiefeld der Elektromobilität (BEV, bestehend aus Neuerungen von batterieelektrischen Fahrzeugen (BEV) und des Elektro-Ökosystems) basiert auf der systematischen Erfassung und Bewertung von Serien-Innovationen. Innovationen werden definiert als technische Neuerungen, die einen spürbaren, zusätzlichen Kundennutzen bieten. Die Innovationen werden systematisch nach dem M.O.B.IL-Ansatz bewertet. Jede Innovation erhält einen „Score“, d.h. einen kumulierten Indexwert (Innovationsstärke) entsprechend ihrer Reife (Serie vs. Konzept), Originalität (Weltneuheit vs. Unternehmensneuheit), ihrem Kundennutzen und ihrem Innovationsgrad (niedrig vs. hoch). Im Mittelpunkt der Bewertung von Innovationen im Bereich der Elektromobilität steht die CAM-Triade, bestehend aus Reichweite, Stromverbrauch und Ladeleistung, die als zentrale kundenrelevante Leistungsparameter der Elektromobilität gelten. Ergänzend werden die Segmentbesetzung (z. B. erstmalige Einführung elektrischer Antriebe in bestimmten Fahrzeugsegmenten) sowie weitere innovationsrelevante Entwicklungen im Bereich der Elektromobilität berücksichtigt. Dazu zählen unter anderem Fortschritte in der Batterietechnologie, der Ladesteuerung oder verwandten Systemkomponenten. Als Serien-Innovation gelten Neuerungen, die auf mindestens einem relevanten globalen Pkw-Markt (insbesondere Europa, USA, China oder Japan) für Endkunden bestellbar sind. Im Zeitraum 2020 bis 2025 wurden insgesamt 874 Serien-Innovationen im Bereich der Elektromobilität erfasst und ausgewertet.

Über das CAM:

Das Center of Automotive Management (CAM) ist ein unabhängiges, wissenschaftliches Institut für empirische Automobil- und Mobilitätsforschung sowie für strategische Beratung an der Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) in Bergisch Gladbach. Seine Kunden unterstützt das Auto-Institut auf Basis umfangreicher Datenbanken, insbesondere zu fahrzeugtechnischen Innovationen der globalen Automobilindustrie sowie zur Markt- und Finanz-Performance von Automobilherstellern und Automobilzulieferunternehmen. Mittels eines fundierten Branchen-Know-hows und intimer Marktkenntnisse erarbeitet das Auto-Institut individuelle Marktforschungskonzepte und praxisorientierte Lösungen für seine Kunden aus der Automobil- und Mobilitätswirtschaft.

Center of Automotive Management (CAM)

Prof. Dr. Stefan Bratzel

An der Gohrsmühle 25

51465 Bergisch Gladbach

Tel.: +49 (0) 22 02 / 28577-0

Mobil: +49 (0) 174 / 9 73 17 78

Fax: +49 (0) 22 02 / 28577-28

E-Mail: stefan.bratzel@auto-institut.de

Web: www.auto-institut.de