• Tesla bleibt im Bereich der reinen Elektromobilität (BEV) der weltweit innovationsstärkste Automobilhersteller. Die Volkswagen-Gruppe kommt mit deutlichem Abstand auf Rang 2. Ebenfalls Fast Follower sind der chinesischen BYD Konzern sowie die Hyundai-Gruppe.
  • In die Top-10 kommen erstmals vier chinesische Automobilhersteller. Darüber hinaus verbessern sich chinesische Newcomer wie Nio und Xpeng. Daimler und BMW landen als Follower nur im Mittelfeld. Große japanische Hersteller wie Toyota und Honda sind ebenso Nachzügler wie Ford.
  • Globaler BEV-Absatz im Konzernvergleich: Tesla bleibt im Jahr 2020 Marktführer der Elektromobilität (BEV). Volkswagen kommt erstmals auf Rang 3.

In dem sich dynamisch verändernden Transformationsfeld der Elektromobilität spielt die Innovationsstärke von Automobilherstellern für den zukünftigen wirtschaftlichen Erfolg eine zentrale Rolle. Das Center of Automotive Management (CAM) hat die Innovationsstärke von 32 Automobilherstellern auf Basis von 291 Neuerungen im Bereich Elektromobilität. Top-Innovator im Technologiefeld der batterieelektrischen Fahrzeuge (BEV) bleibt mit deutlichem Abstand Tesla. „Fast Follower“ sind Volkswagen auf Rang 2, der chinesische Hersteller BYD auf Rang 3 sowie der Hyundai Konzern auf Rang 4. In die Top-10 der innovationsstärksten BEV-Autobauer gelangen neben BYD auch Geely, BAIC und SAIC und damit erstmals vier chinesische Automobilhersteller (vgl. Abbildung 1).

Die Innovationsstärke eines Automobilherstellers wird mittels eines Indexwertes berechnet. Dabei werden die Innovationen der Elektromobilität (Serie) in den Bereichen Reichweite, Verbrauch und Ladeleistung im Hinblick auf die Verbesserung des Kundennutzens systematisch bewertet (vgl. Anhang). Danach erhöht der kalifornische Branchenprimus Tesla dank starker Innovationen im Bereich Reichweite und Ladeleistung seinen Vorsprung um 45 Indexpunkte und kommt nunmehr auf eine BEV-Innovationsstärke von 159 Indexpunkten (IP). Volkswagen kann mit 123 IP und einem Zuwachs von 37 Punkten Rang 2 bestätigen, vor allem aufgrund hoher Segment-Reichweiten und Ladeleistungen des VW ID3 sowie weiterer Innovationen von Porsche (Taycan) und Audi (e-tron). BYD macht einen großen Sprung (+23 IP) auf Rang 3 und profitiert dabei von Neuerungen des BYD Han EV. Damit zieht BYD auch klar an Hyundai vorbei, die nach hohen Zuwächsen im Vorjahr im Jahr 2020 nur noch moderat zulegen können (+9 IP).

Abbildung 1: Innovationsstärke der Automobilhersteller im Technologiefeld Elektromobilität (BEV) (2020/2021)

Zur Gruppe der Follower zählt bereits Renault, die sich mit 41 Punkten auf Rang 5 noch knapp vor General Motors positionieren. Die Amerikaner können sich mit starken Innovationsleistungen (+ 22 IP) um zwei Plätze verbessern. Einen noch größeren Innovationssprung nach vorn macht Geely, die sich von Rang 15 auf Rang 7 hochkatapultieren, hauptsächlich dank Innovationen von Volvo und Polestar. Während BAIC und PSA auf Rang 8 bzw. Rang 9 im zurückliegenden Jahr nur auf sehr geringe BEV-Innovationsleistungen kommen, verbessert sich der chinesische SAIC Konzern um 10 Plätze und schafft es in die Top-10 vor allem durch Neuerungen seiner Marke Roewe mit den Modellen Marvel X und ER6.

Aufholbedarf in punkto Elektroinnovationen haben dagegen viele etablierte Automobilhersteller, die beim Wandel hin zur batterieelektrischen Mobilität nur langsam vorankommen. Dazu zählen auch die deutschen Premiumhersteller Daimler und BMW, die lediglich auf Rang 11 bzw. 13 gelangen. Während sich Daimler im Vergleich zum Vorjahr aufgrund von Neuerungen in den Modellen EQC und EQV deutlich verbessern kann (+11 IP), kam BMW im letzten Jahr innovationstechnisch kaum voran (+4 IP). Enttäuschend schneiden etablierte Hersteller wie Toyota oder Honda ab, die auf Rang 23 bzw. 24 nur „Nachzügler“ (Laggards) bei batterieelektrischen Fahrzeugen sind.

Hierzu Studienleiter Stefan Bratzel: „Die etablierten Automobilhersteller müssen sich wappnen, da in den nächsten Jahren eine erhebliche Innovationsdynamik nicht nur von Tesla, sondern auch von Newcomern der Elektromobilität wie Lucid Motors oder den chinesischen Herstellern Nio und Xpeng zu erwarten ist. Wer bei der E-Mobilität zu spät kommt, geht ein hohes Risiko ein.“

Die Newcomer der E-Mobilität stehen bei Investoren hoch im Kurs. Tesla ist mit 692 Mrd. Euro der mit Abstand am höchsten bewertete Automobilhersteller, während Nio auf eine Marktkapitalisierung von 72 Mrd. Euro und Xpeng bereits auf 28 Mrd. Euro kommt. Zum Vergleich: Volkswagen notiert bei 87 Mrd., Daimler bei 63 Mrd. und BMW bei 43 Mrd. Euro (Stand: (2.Februar 2021).

Stefan Bratzel: „Die Elektro-Innovationen von Herstellern können deren Absatzzahlen beflügeln. So gibt es zwischen der Innovationsstärke und dem Elektrofahrzeugabsatz (BEV) der Automobilhersteller erstaunliche Korrelationen. Unter den Top 5 der absatzstärksten OEMs sind gleichzeitig auch vier der innovationsstärksten Automobilhersteller im Bereich der reinelektrischen E-Mobilität.“

Abbildung 2: Globaler Absatz von batterieelektrischen Fahrzeugen (BEV) im Jahr 2021

Quelle: CAM Electromobility Report 2021

Aktuelle Auswertungen der batterieelektrischen Absätze (vorläufig) im weltweiten Konzernvergleich zeigen folgendes Bild (vgl. Abbildung 2): Tesla bleibt mit rund 500.000 Fahrzeugen im Jahr 2020 mit deutlichem Abstand der Marktführer der Elektromobilität (BEV). Eine wichtige Bedeutung erlangt dabei immer mehr der chinesische Markt, wo Tesla im vergangenen Jahr bereits 135.000 Fahrzeuge absetzen konnten. Der SAIC-Konzern kommt nach Prognosen des CAM mit etwa 250.000 batterieelektrischen Fahrzeugen auf Rang 2. Vor allem das Joint Venture zwischen SAIC, GM und Wuling treibt den BEV-Absatz des SAIC-Konzerns durch Low-Budget-Modelle im Kleinstwagen-Segment (z.B. Wuling Hong Guang Mini Ev) in die Höhe. Bei diesen Modellen spielt eher die Kosteneffizienz als die Innovativität eine zentrale Rolle. Die Volkswagen Gruppe macht einen großen Sprung nach vorne und kommt nach Rang 6 im Vorjahr erstmals in die Top 3 der absatzstärksten OEMs mit 231.600 verkauften reinen Elektrofahrzeugen (+214%) im Jahr 2020. Treiber sind insbesondere die Volumenmodelle VW ID.3 und VW e-Golf sowie die Premiummodelle Audi e-tron und Porsche Taycan.

Der Hyundai Konzern (inkl. Kia) kommt im Jahr 2020 mit rund 178.000 BEVs auf den vierten Rang, wobei der Hyundai Kona EV als auch der Kia Niro EV die Absatztreiber innerhalb der Hyundai Gruppe sind. Der zweite chinesische Konzern in den Top 5 ist BYD, die im Jahr 2020 über 131.000 BEV-Pkws verkaufen.[1]

Insgesamt tragen die fünf absatzstärksten Automobilhersteller-Konzerne damit bereits etwa zur Hälfte zum weltweiten Absatz von batterieelektrischen Pkws bei. In den nächsten Jahren ist durch die großen Transformationsthemen der Branche wie der Elektromobilität mit einer weiteren Konsolidierung der Automobilhersteller zu rechnen. Dabei wird die Innovationsstärke eine wichtige Rolle für die Überlebensfähigkeit und den wirtschaftlichen Erfolg spielen.

Anhang: Bewertung der Innovationen im Bereich Elektromobilität

Quelle: CAM

For more information: https://auto-institut.de/e-mobility/  

[1] Bei einer Zusammenfassung der BEV-Absätze nach Allianzen könnte auch Renault-Nissan-Mitsubishi noch in die Top-5 gelangen.

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