2005-2026 / 22. Jahrgang
- Mit BYD wird erstmals ein chinesischer Hersteller innovationsstärkster Automobilkonzern, vor der Volkswagen Group und der Mercedes-Benz Group.
- Die Marke BYD wird außerdem die innovationsstärkste Volumenmarke. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Renault und Toyota.
- Die aktuelle Dominanz von BYD illustriert den Umbruch in der Automobilindustrie und die technologische Vorreiterschaft chinesischer Konzerne und Volumen-Marken.
- Unter den Premiummarken bleibt Mercedes-Benz auf Rang eins.
Die chinesischen Automobilkonzerne haben in den letzten Jahren kontinuierlich an Innovationsstärke gewonnen und standen in Summe bereits in den letzten Jahren ganz vorn. Erstmals seit der Premiere der AutomotiveINNOVATIONS Studienreihe im Jahr 2005 wird jetzt aber mit BYD ein einzelner chinesischer Hersteller weltweit innovationsstärkster Automobilkonzern, vor der Volkswagen Group und Mercedes-Benz. Die Marke BYD wird außerdem die innovationsstärkste Volumenmarke. Auf den Plätzen zwei und drei der Volumenmarken folgen Renault und Toyota. Das sind zentrale Ergebnisse der AutomotiveINNOVATIONS Studie auf Basis von gut 867 Innovationen des Jahres 2025/2026, darunter ca. 660 Serien-Innovationen von 36 Automobilgruppen, die einzeln nach dem M.O.B.IL – Ansatz bewertet wurden. Gut 300 Serien-Innovationen stammen von etwa 70 Volumenmarken.
Die innovationsstärksten Konzerne: BYD vor VW und Mercedes
Die Rangliste der Innovationsstärksten Konzerne führt erstmals BYD mit 157 Indexpunkten (IP) klar an, gefolgt vom Vorjahressieger Volkswagen Group (143 IP) und der Mercedes-Benz Group (134 IP). Auf den Plätzen 4-6 rangieren dicht gefolgt Xiaopeng (128 IP), BMW und Geely Group. Mit deutlichem Abstand komplettieren Renault, Toyota, GM und Hyundai die Top-10 der innovationsstärksten Automobilgruppen (vgl. Abbildung 1).

BYD verteilt seine Innovationsleistung auf seine drei wichtigsten Marken BYD, Yangwang und Denza. Von der Marke BYD stammen die mit Abstand meisten Innovationen (36) und auch mit 18 die meisten Weltneuheiten. Dazu zählen etwa ein Highway-Assist nach Level 2+, der erstmals mit den Modellen Dolphin und Seagull im Kleinwagen- bzw. Minicar-Segment verfügbar ist. Das kleine elektrische SUV Atto 2 sticht durch seine Segment-Bestwerte bei Ladeleistung, Reichweite und Verbrauch heraus. Stichwort Ladeleistung: BYD baut aktuell ein Netz von 1-Megawatt-Hyperchargern auf, an denen sich in nur fünf Minuten Energie für rund 400 km Reichweite nachladen lässt. Im Van Denza D9 ist ein verbesserter, teilautonomer Autobahn-Assistent verfügbar, der jetzt auch automatisch Mautstationen passieren kann, ohne dass der Fahrer eingreifen muss.
Hierzu Studienleiter Stefan Bratzel: „Mit BYD wurde nicht nur erstmals ein chinesischer Automobilkonzern Innovationsführer. Zusammen mit Xpeng und der Geely Group rangieren drei chinesische Konzerne unter Top-6 der innovationsstärksten Automobilherstellern des Jahres und heben die tektonische Verschiebung in der Automobilindustrie auf ein neues Niveau. Die Erfolgsformel basiert wesentlich auf der Kombination von breiten Kompetenzen in Zukunftstechnologien, hoher Innovationsgeschwindigkeit und niedrigen Entwicklungs- und Herstellungskosten. Das magische Innovationsdreieck von relevanten Kernkompetenzen, hoher Agilität sowie Kosteneffizienz ist in der darwinistischen Ausleseprozess der Automobilindustrie überlebenswichtig.“
Der AutomotiveINNOVATIONS Report wird vom Center of Automotive Management (CAM) seit 2005 erstellt und jährlich aktualisiert. Die aktuellen Ergebnisse des Jahres setzen sich aus über 860 einzeln nach dem M.O.B.IL-Ansatz bewerteten Innovationen zusammen, von denen 660 bereits auf wichtigen globalen Märkten vor Kunde verfügbar sind (siehe Anhang). Von diesen wiederum stammen gut 300 von Volumenmarken. Die innovativsten Konzerne, Marken und Modelle zeichnet das CAM bereits seit 2011 mit dem AutomotiveINNOVATIONS Award in zehn Kategorien aus.
Volkswagen bezieht seine Innovationsstärke von 143 Indexpunkten in diesem Jahr vor allen von den Marken Audi (87) und Porsche (30). Audi verbessert mehrere Assistenzsysteme, z.B. den Nothalteassistent im Audi Q3, der erstmals auch die Spur wechseln und im Falle einer ausbleibenden Fahrerreaktion ganz rechts anhalten kann. Über die Sprachsteuerung des Audi Assistant lassen sich jetzt auch Fahrerassistenzsysteme bedienen. Das System merkt sich Verhaltensmuster und kann diese dem jeweiligen Fahrer zuordnen. Bei Porsche sticht besonders der Cayenne Electric heraus, der in einer besonders leistungsstarken Turbo-Version erhältlich ist und über ein neues, gebogenes Touchdisplay verfügt.
Die Marke Mercedes-Benz bleibt die innovationsstärkste Premiummarke im Jahr 2026 und kommt in der Konzernwertung auf Rang drei. Mercedes-Benz punktet bei Innovationen etwa mit dem neuen CLA, welcher den niedrigsten Stromverbrauch, die höchste Segment-Reichweite und die höchsten Ladeleistung in der Mittelklasse hat.
Renault und Toyota hinter BYD innovationsstärkste Volumenmarken
Neben der Konzernwertung wird die Marke BYD auch die innovationsstärkste Volumenmarke 2026 mit über 105 Indexpunkten (vgl. Abbildung 2). Insbesondere Innovationen im Antriebsbereich (Batterietechnologie) und bei den Fahrerassistenzsystemen führten hierzu. So ist BYD in der Lage, neue oder verbesserte Assistenzsysteme (Level 2+) zum Teil per OTA-Updates in praktisch allen Baureihen und Segmenten anzubieten, weil der Konzern konsequenter als viele europäische Marken in software-definierte Plattformen investiert hat. Dies zahlt sich nun technologisch aus und bringt insbesondere im Heimatmarkt China viele neue Kunden.
Auch Renault hat mit seinen neuen vollelektrischen Modellen R4, R5, Twingo u.a. neue Kundennutzen im Blick. Erstmals ist etwa im Minicar-Segment mit dem Twingo eine Vehicle-to-Grid-Funktion verfügbar, durch die die Kunden Strom ins Netz zurückspeisen und so Einnahmen mit ihrem E-Auto generieren können. Renault kommt auf Platz zwei, wenn auch mit spürbarem Abstand auf den Erstplatzierten

Toyota auf dem dritten Rang mit rund 46 Innovations-Indexpunkten verfügt mit dem Brennstoffzellenantrieb in Serie über ein Alleinstellungsmerkmal im Segment der oberen Mittelklasse. Die dritte Generation der Toyota-Brennstoffzelle ermöglich im Modell „Mirai“ eine Reichweitensteigerung von rund 20% auf etwa 770 km. Etwaige Ladeprobleme wie bei BEV-Fahrzeugen entfallen so, allerdings fordern die äußerst geringe Tankstellendichte bei gleichzeitig rasant steigenden Ladeleistungen von E-Autos das Fuel-Cell-Konzept heraus. Bei den Assistenzsystemen bietet Toyota erstmals in den Segmenten „Minicars“ und „Utilities“ im Aygo X bzw. Hilux eine Nothalte-Funktion an.
In den Top-10 der innovationsstärksten Volumenmarken fällt die starke Durchmischung nach Herkunftsländern auf: Vier Marken stammen aus China, zwei jeweils aus Japan und den USA und je eine aus Europa und Südkorea. Allerdings fehlen deutsche Marken. Serien-Sieger VW kommt aktuell aufgrund mangelnder Serienmodellinnovationen nur auf Rang elf, wobei die nicht bewerteten Vorserienneuerungen (z.B. VW ID.Polo) im Jahr 2026 deutliche Verbesserungen erwarten lassen.
Innovations-Spitzenreiter und Verfolger wechseln sich ab
Die Automobilbranche befindet sich angesichts des tiefgreifenden Wandels in einer Phase grundlegender Transformation, wobei sich spätestens seit 2019 eine tektonische Verschiebung der Innovationsstärke in Richtung der chinesischen Automobilhersteller zeigte: Die chinesischen Autohersteller steigerten ihre globale Innovationsstärke von 28% im Jahr 2019 auf rund 47% im Jahr 2023 und stabilisierte sich seither auf diesem sehr hohen Niveau. Bereits im Corona-Jahr 2021 überrundeten sie die über viele Jahre dominierenden deutschen Innovationsführer, die von einer globalen Innovationsstärke von 40% im Jahr 2019 auf dem Tiefpunkt von 23% im Jahr 2023 abrutschten und sich seither jedoch wieder auf 29% steigern konnten (vgl. Abbildung 3).

Studienleiter Stefan Bratzel: „Die deutschen Automobilhersteller stemmen sich im zurückliegenden Untersuchungszeitrum gegen die Übermacht der chinesischen OEM und haben die Talsohle von 2023 wieder verlassen, auch wenn der Abstand zu den Chinesen noch fast 20 Prozentpunkte beträgt. Die übrigen Auto-Nationen stagnieren auf niedrigem Niveau oder fallen deutlich ab auf Werte zwischen drei und sieben Prozent. Hier enttäuscht insbesondere Tesla, die nur noch auf Rang 24 rangieren – der mit Abstand schlechteste Wert seit Beginn der Bewertung von Tesla im Jahr 2013.“
Für eine Übersicht rund um das Thema Automobil-Innovationen hält das CAM ein spezielles Internetportal bereit, mit vielen Hintergrund-Informationen und einem kostenlosen Testzugang zum AutomotiveINNOVATIONS Dashboard – einer visuellen Aufbereitung der Innovations-Datenbank des CAM: https://automotiveinnovations.de/
Über das Center of Automotive Management (CAM):
Das Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach ist ein unabhängiges, wissenschaftliches Institut für empirische Automobil- und Mobilitätsforschung an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. Direktor und Gründer des Auto-Instituts ist Prof. Dr. Stefan Bratzel. Weitere Details unter www.auto-institut.de.

Center of Automotive Management (CAM)
Prof. Dr. Stefan Bratzel
Direktor
Tel.: (0 22 02) 28 57 7-0
E-Mail: stefan.bratzel@auto-institut.de
www.auto-institut.de
ANHANG: Methodik zur Berechnung der Innovationsstärke
Das Center of Automotive Management definiert eine Innovation als eine technische oder dienstleistungsbezogene Neuheit, die in direktem Zusammenhang mit PKW steht, einen konkreten, zusätzlichen Kundennutzen bietet und von den OEMs einem breiten (Fach-)Publikum entweder als serienreifes Produkt oder als entwickelter Prototyp präsentiert wird.
Der MOBIL-Ansatz bewertet Innovationen anhand mehrerer Kriterien, um deren Bedeutung für Markt und Kunden systematisch einzuordnen. Dabei wird zunächst der Innovationsgrad bestimmt, der den technischen Neuheitsgrad und den zusätzlichen Kundennutzen sowie das Potenzial zur Verbesserung der Wettbewerbsposition widerspiegelt und mithilfe einer vierstufigen Skala bewertet wird. Ergänzend werden die Originalität (Weltneuheit oder konzerninterne Neuerung), der Innovationsreifegrad (Marktnähe von Studie bis Serienreife) sowie der Innovationsfokus betrachtet, der zeigt, welche Kundennutzen-Dimensionen – etwa Wirtschaftlichkeit, Sicherheit oder Umweltfreundlichkeit – durch die Innovation adressiert werden. Die Innovationsstärke eines Konzerns, einer Marke oder eines Modells berechnet sich aus der Summe der einzeln nach dem MOBIL-Ansatz bewerteten Innovationen.
