Bergisch Gladbach, den 14.07.2026

  • AbsatzrĂŒckgang auf breiter Front: Die 20 untersuchten Automobilhersteller liefern im ersten Halbjahr 2026 zusammen rund 37,3 Mio. Fahrzeuge aus – etwa 1,1 Mio. bzw. 2,8% weniger als im Vorjahreszeitraum. 14 der 20 Konzerne verzeichnen rĂŒcklĂ€ufige Volumina.
  • Die Halbjahresbilanz der deutschen Automobilhersteller ist vor allem aufgrund stark rĂŒcklĂ€ufiger Verkaufszahlen in China deutlich negativ. FĂŒr das Gesamtjahr ist keine Besserung in Sicht.
  • Toyota bleibt mit hochgerechnet rund 5,3 Mio. Fahrzeugen der absatzstĂ€rkste Hersteller vor Volkswagen und Hyundai-Kia. Stellantis, die SAIC-Eigenmarken und Chery zĂ€hlen zu den Wachstumsgewinnern, wĂ€hrend die China-SchwĂ€che vor allem etablierte internationale Hersteller belastet.
  • Die Pkw-KernmĂ€rkte China und USA sind zum Teil stark rĂŒcklĂ€ufig, wĂ€hrend in Europa leichte Zugewinne verzeichnet werden.

Globale Absatztrends der Automobilhersteller

FĂŒr die deutschen Automobilhersteller entwickelt sich das Gesamtjahr 2026 zu einer Belastungsprobe mit ĂŒberdurchschnittlichen globalen Absatzverlusten in der ersten JahreshĂ€lfte, vor allem infolge von stark rĂŒcklĂ€ufigen VerkĂ€ufen in China. Bei erhöhter WettbewerbsintensitĂ€t sind negative Folgen fĂŒr die finanzielle Performance zu erwarten, wenn nicht durch Effizienzverbesserungen gegengesteuert wird. Die 20 betrachteten Automobilhersteller kommen im ersten Halbjahr 2026 auf zusammen rund 37,3 Mio. Fahrzeuge, was einen RĂŒckgang zum Vorjahreszeitraum von rund 1,1 Mio. Fahrzeugen bzw. einem Minus von 2,8 % entspricht. Bei den deutschen Automobilherstellern liegt der Absatzverlust zwischen 4,2 und 7 %.  14 der 20 analysierten Konzerne bleiben bei den globalen Absatzzahlen unter dem Vorjahreswert. Toyota behauptet mit hochgerechnet 5,3 Mio. Fahrzeugen die Spitzenposition vor Volkswagen mit 3,97 Mio. und Hyundai-Kia mit 3,60 Mio. Fahrzeugen. Dahinter folgen Stellantis mit 2,95 Mio. und GM mit rund 2,14 Mio. Fahrzeugen (vgl. Abb. 1). Das sind die zentralen Ergebnisse des AutomotivePerformance Report 2026 des Center of Automotive Management (CAM), der regelmĂ€ĂŸig die Markt- und Absatztrends der Automobilbranche bilanziert.

Zu den Gewinnern des ersten Halbjahres 2026 zĂ€hlen vor allem Tesla, Stellantis,  Suzuki und die chinesischen OEM SAIC und Chery, wofĂŒr unterschiedliche Ursachen verantwortlich sind. Tesla (+16,3 %) profitiert von einer Erholung der Nachfrage nach ElektromobilitĂ€t sowie einer verbesserten ModellverfĂŒgbarkeit und einer gĂŒnstigen Vergleichsbasis im Vorjahr. Stellantis punktet mit einem Zuwachs von 10,8%, wobei der Anstieg neben neuen Modellen auch Ergebnis einer Erholung von schwachen Ergebnissen der Vorjahre, insbesondere in Nordamerika, ist. Die SAIC-Eigenmarken (+12,7%) und Chery (+7,7%) profitieren vor allem von der Expansion ins Ausland und der Nachfrage nach elektrifizierten Modellen. Suzuki (+9,9%) wird demgegenĂŒber durch die starke Stellung im robusten IndiengeschĂ€ft gestĂŒtzt.

Stark ĂŒberdurchschnittliche Absatzverluste weisen die chinesischen Hersteller BYD und Changan sowie die US-Hersteller Ford und GM auf. BYD verliert ĂŒberdurchschnittlich im rĂŒcklĂ€ufigen chinesischen Markt (-39 %), was durch Zugewinne in internationalen Regionen nicht kompensiert werden kann. GM und Ford verlieren ĂŒberdurchschnittlich im Heimatmarkt USA, was zum Teil an Portfoliobereinigungen und Lieferproblemen lag. Die deutschen Hersteller verlieren ĂŒberdurchschnittlich aufgrund der hohen Verluste im chinesischen Markt. Volkswagen verliert 6,5%, Mercedes-Benz 7%, wĂ€hrend BMW 4,2% unter dem Vorjahr liegt. Toyota bĂŒĂŸt im ersten Halbjahr ebenfalls rund 3 Prozent seiner globalen VerkĂ€ufe im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein, wobei die AbsatzrĂŒckgĂ€nge in China teilweise durch höhere VerkĂ€ufe in den USA kompensiert werden konnten. Relativ stabil bleiben die Absatzzahlen bei Hyundai, die dank ZuwĂ€chsen in den USA nur 1,6 Prozent ihrer VerkĂ€ufe abgeben mĂŒssen.

Abbildung 1: Pkw-Absatz globaler Automobilhersteller im Jan-Juni 2026 (H1 2025)*

Quelle: CAM; * Anmerkungen: Halbjahreswerte wurden teilweise auf Basis der AbsĂ€tze der ersten fĂŒnf Monate sowie des Vorjahresvolumens fĂŒr Juni hochgerechnet. Volkswagen exklusive TRATON, Hyundai einschließlich Kia, Geely einschließlich Volvo Cars und Polestar; SAIC nur Eigenmarken. Stellantis konsolidierte Auslieferungen, inkl. Leapmotor.

Studienleiter Stefan Bratzel: „Die globale Automobilindustrie tritt in eine neue Phase der Marktbereinigung ein, die in einem darwin’schen Ausleseprozess mĂŒndet. Wem es nicht gelingt, sich schnell den neuen Markt- und Technologiebedingungen anzupassen, droht lĂ€ngerfristig auszuscheiden bzw. die UnabhĂ€ngigkeit zu verlieren. Der AbsatzrĂŒckgang ist dabei Ausdruck einer Kombination aus konjunktureller SchwĂ€che, geopolitischen Unsicherheiten, hohen Finanzierungskosten und einem immer schĂ€rferen technologischen VerdrĂ€ngungswettbewerb. FĂŒr die finanzielle Performance der Hersteller sind die Aussichten entsprechend herausfordernd. Sinkende Volumina, Preisdruck und hohe Investitionen in ElektromobilitĂ€t, Software und neue Fahrzeugarchitekturen belasten gleichzeitig. Hersteller, die den AbsatzrĂŒckgang nicht durch ProduktivitĂ€tsfortschritte, geringere KomplexitĂ€t und konsequente Kostensenkungen kompensieren können, mĂŒssen mit deutlich rĂŒcklĂ€ufigen Margen rechnen. Das Jahr 2026 dĂŒrfte deshalb zu einem weiteren Beschleuniger der Konsolidierung und Restrukturierung in der globalen Automobilindustrie werden.“

Entwicklung der Pkw-KernmÀrkte USA, Europa und China

Die drei betrachteten KernmĂ€rkte entwickeln sich im ersten Halbjahr 2026 deutlich unterschiedlich (vgl. Abb. 2). WĂ€hrend China um 20 % und die USA um 3 % unter dem Vorjahresniveau liegen, wĂ€chst Europa um rund 4,5 %. In Europa stĂŒtzen insbesondere die steigende Nachfrage nach elektrifizierten Fahrzeugen und neue Modellangebote den Markt. In den USA belasten dagegen ein schwĂ€cheres Marktumfeld sowie handelspolitische und regulatorische Unsicherheiten die Entwicklung. Der starke Einbruch in China prĂ€gt jedoch die globale Absatzbilanz und beschleunigt zugleich die internationale Expansion chinesischer Hersteller.

Abbildung 2: GegenĂŒberstellung der FahrzeugverkĂ€ufe nach Region im H1 2025 zu H1 2026*

Quelle: CAM; *Anmerkungen: Halbjahreswerte wurden teilweise auf Basis der ersten fĂŒnf Monate sowie des Vorjahresvolumens fĂŒr Juni hochgerechnet.

Der chinesische Pkw-Neuwagenmarkt geht im ersten Halbjahr 2026 um 20,2 % zurĂŒck. Ausschlaggebend sind vor allem die schwĂ€chere wirtschaftliche Gesamtsituation. CAM rechnet in China fĂŒr das Gesamtjahr mit mit nur noch 19,5 Mio. Pkw, was einem RĂŒckgang von ĂŒber 4 Mio. Pkw entspricht. Dadurch verschĂ€rft sich der VerdrĂ€ngungswettbewerb weiter und dĂŒrfte in den kommenden Jahren zu einer stĂ€rkeren Konsolidierung des Marktes fĂŒhren.

Einstweilen dĂŒrften die einheimischen chinesischen Anbieter ihre Marktanteile weiter erhöhen, aufgrund ihrer zunehmend nachgefragten preisgĂŒnstigen elektrifizierten Modelle. FĂŒr die deutschen Hersteller wird das Jahr 2026 zu einer zusĂ€tzlichen Belastungsprobe mit ĂŒberdurchschnittlichen Marktanteilverlusten: Einerseits ist mit VolumenrĂŒckgĂ€ngen durch den stark rĂŒcklĂ€ufigen Markt zu rechnen, andererseits drohen Marktanteilsverluste, aufgrund ihrer ĂŒberdurchschnittlichen VerkaufsstĂ€rke bei Verbrennern, die jedoch in China an Bedeutung verlieren. Bereits im 1. Halbjahr sinken die China-VerkĂ€ufe von Volkswagen um 25,9%, von BMW um 20,4% und von Mercedes-Benz um 28,3%.

Anhang: Methodik

Die Auswertung beruht auf den bis zum 13. Juli 2026 veröffentlichten Konzernangaben. FĂŒr Toyota, Suzuki, Honda, Nissan, Renault und Mazda liegen noch keine vollstĂ€ndigen Juni-Zahlen vor; deren Halbjahreswerte wurden von CAM auf Basis der VerĂ€nderungsrate von Januar bis Mai und des Vorjahresvolumens fĂŒr Juni hochgerechnet. Die Konzernabgrenzungen folgen der CAM-Systematik: Volkswagen exklusive TRATON, Hyundai einschließlich Kia und Geely einschließlich Volvo Cars und Polestar; bei SAIC berĂŒcksichtigt die Vergleichsreihe die Eigenmarken. Bei Stellantis handelt es sich um konsolidierte Auslieferungen an Handel, Distributoren sowie End- und Flottenkunden.

Über das CAM:

Das Center of Automotive Management (CAM) ist ein unabhĂ€ngiges, wissenschaftliches Institut fĂŒr empirische Automobil- und MobilitĂ€tsforschung sowie fĂŒr strategische Beratung an der Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) in Bergisch Gladbach. Das Institut unterstĂŒtzt seine Kunden auf Basis umfangreicher Datenbanken, insbesondere zu fahrzeugtechnischen Innovationen der globalen Automobilindustrie sowie zur Markt- und Finanz-Performance von Automobilherstellern und Automobilzulieferunternehmen. Mittels eines fundierten Branchen-Know-hows und fundierter Marktkenntnisse erarbeitet das Auto-Institut individuelle Marktforschungskonzepte und praxisorientierte Lösungen fĂŒr seine Kunden aus der Automobil- und MobilitĂ€tswirtschaft.


Center of Automotive Management (CAM)

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