2005-2026 / 22. Jahrgang
Bergisch Gladbach, 15. April 2026
- Mercedes ist der innovationsstärkste Premiumautomobilhersteller 2026 gefolgt von Xpeng
- China greift massiv das Premiumsegment an: Erstmals kommen 6 der 10 innovationsstärksten Premiummarken aus China
- BMW iX3 ist das innovationsstärkste Modell 2026
- Vorankündigung: Die Bekanntgabe der innovationsstärksten Konzerne und Volumenmarken 2026 erfolgt in der kommenden Woche (KW 17)
Die deutschen Premiumautohersteller sehen sich einem immer intensiveren Wettbewerb mit chinesischen Premiummarken konfrontiert. Insbesondere im Heimatmarkt profitieren chinesische Premiumhersteller zunehmend von ihrer hohen Innovationskraft, gleichen dadurch eine fehlende Markenhistorie aus und erringen immer höhere Marktanteile. Die deutschen Premiummarken stemmen sich jedoch gegen die wachsende Innovationskraft aus China. Mercedes-Benz kann sich als innovationsstärkste Premiummarke 2026 behaupten, wenngleich Xpeng mit nur wenigen Indexpunkten Abstand folgt. BMW kommt auf den dritten Rang – vor Lokalrivale Audi. Unter den innovationsstärksten zehn Premiummarken stammen aktuell bereits sechs aus China. Von BMW kommt mit dem iX3 das innovationsstärkste Modell 2026. Das sind zentrale Ergebnisse der AutomotiveINNOVATIONS Studie auf Basis von gut 860 Innovationen des Jahres 2025/2026, darunter knapp 360 Serien-Innovationen von 36 Automobilgruppen mit 50 Premiummarken.
Der Aufstieg chinesischer Marken mit Premiumanspruch
Die chinesischen Marken haben sich viele Jahre in Bezug auf die Marktpositionierung auf das Volumensegment und technologisch auf den Elektroantrieb fokussiert. Dies hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Chinesische Marken stellen sich technologisch viel breiter auf und erweitern mit zahlreichen Innovationen ihr Technologiespektrum in den Bereichen Connectivity, Interfaces sowie ADAS und autonomes Fahren. Mit Marken wie Zeekr (Geely-Konzern), Yangwang (BYD), Wey (Great Wall), Maextro (JAC, HIMA-Allianz), Xpeng oder Nio greifen sie insbesondere die deutschen Premiumhersteller an und erringen – auch durch ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis – große Marktanteile im chinesischen Premiumsegment. Der Langzeitvergleich der Innovationsstärke* von Premiumautomarken nach Ländern zeigt die umbruchartige Verschiebung (Abbildung 1): Während noch bis Ende der 2010er Jahre die deutschen Premiumhersteller mit rund 60% der weltweiten Innovationsstärke den Premiumbereich dominierten, ging dieser Anteil in Folgezeit stark zurück. Umgekehrt steigt die Innovationsstärke chinesischer Premiumhersteller von niedrigen zweistelligen Anteilen auf fast die Hälfte der weltweiten Innovationsstärke bis Mitte der 2020er Jahre an. Im Jahr 2025 können die deutschen Premiumhersteller ihren Innovationsanteil erstmals wieder signifikant auf 46% steigern, wobei jedoch vor allem US-amerikanischer Premiummarken an Bedeutung verlieren.
CAM – ABBILDUNG 1
Verteilung der Innovationsstärke* von Premiummarken nach Ländern 2016-2025

Quelle: CAM
Die deutschen Premiumhersteller behaupten sich – trotz massiv sinkender Marktanteile in China – gegen den Innovationswettbewerb aus China. Mercedes-Benz wird erneut innovationsstärkste Premiummarke mit 134 Indexpunkten, knapp vor Xpeng (128 Indexpunkte) und BMW mit 111 Indexpunkten (vgl. Abbildung 2). Die Innovations-Indexpunkte bilden die quantitative und qualitative Bewertung der Innovationen einer Marke ab. So kann etwa Mercedes-Benz aktuell 51 Serien-Innovationen für sich verbuchen, von denen knapp 50 Prozent besonders hoch bewertete Weltneuheiten sind. Im Schnitt über alle Premiummarken liegt dieser Wert bei nur etwa 25 Prozent.

Der AutomotiveINNOVATIONS Report wird vom Center of Automotive Management (CAM) seit 2005 erstellt und jährlich aktualisiert. Die aktuellen Ergebnisse des Jahres setzen sich aus über 860 einzeln nach dem M.O.B.IL-Ansatz bewerteten Innovationen zusammen, von denen 660 bereits auf wichtigen globalen Märkten vor Kunde verfügbar sind (siehe Anhang). Von diesen wiederum stammen 358 von Premiummarken. Die innovativsten Konzerne, Marken und Modelle zeichnet das CAM bereits seit 2011 mit dem AutomotiveINNOVATIONS Award in zehn Kategorien aus.
Mercedes-Benz punktet bei Innovationen etwa mit dem CLA, das den niedrigsten Stromverbrauch, die höchste Segment-Reichweite und die höchsten Ladeleistung in der Mittelklasse hat. Neu und auch im CLA verfügbar ist ein unterstützendes Assistenzsystem, das den Fahrer kooperativ etwa beim Spurhalten hilft und sich nicht bei einem manuellen Eingriff abschaltet. Innovationen von Mercedes stammen auch aus dem Connectivity-Bereich: In mehreren Baureihen lassen sich nun E-Auto-Ladesäulen vorab reservieren, außerdem kann eine Autobahnvignette z.B. für die Schweiz digital vom Fahrzeug aus erworben werden. Der Zweitplatzierte Xpeng hat neben neuen Antrieben wie einem seriellen Hybrid im Van X9 (E-Auto mit Verbrenner als Reichweiten-Verlängerer) mit Top-Werten bei Verbrauch und Reichweite auch einige neue Assistenzsysteme präsentiert. Dazu zählen etwa ein teilautonomer Wendeassistent und eine automatische Notlenkung bei plötzlich auftretenden Hindernissen, wenn das Auto im teilautonomen Modus (Level 2+) bewegt wird.
Hierzu Studienleiter Stefan Bratzel: „Innovationen sind häufig Frühindikatoren für grundlegende Wettbewerbsverschiebungen und Zäsuren im Automobilmarkt. Die Steigerung der Innovationskraft von chinesischen Premiummarken zu Beginn der 2020er Jahre war Vorbote für die Eroberungsstrategie des Premiummarktes, die in China bereits in vollem Gange ist und auf die man in Europa vorbereitet sein sollte. Gegen die Erfolgsformel ‚hohe Innovationsstärke und rasante Innovationsgeschwindigkeit bei niedrigen Kosten‘ müssen sich die deutschen Premiumhersteller künftig wappnen. Es stimmt hoffnungsvoll, dass deutsche Premiumhersteller zuletzt wieder an Innovationskraft zulegen.“
Das innovationsstärkste Modell 2026 ist der BMW iX3
Ein Grund für das gute Abschneiden deutscher Premiummarken sind einige innovationsstarke Modelle, die besonders viele Neuerungen auf sich vereinigen. So bringt die frisch eingeführte Neue-Klasse-Plattform von BMW direkt das innovationsstärkste Modell 2026 hervor: Der BMW iX3. Damit erringt BMW diesen Preis das erste Mal wieder seit über zehn Jahren. Auf dem zweiten Platz folgt die CLA-Baureihe von Mercedes-Benz, auf dem dritten Rang rangiert der Van X9 von Xpeng (vgl. Abbildung 3). Insgesamt kommen fünf der zehn innovationsstärksten Premiummodelle des Jahres aus China.

Von den 48 Serien-Innovationen von BMW im Untersuchungszeitraum 2025/2026 entfallen allein 36 – und damit drei Viertel – auf die Baureihe X3/iX3. „Anhand der Neuerungen wird gut sichtbar, dass sich BMW mit der neuen Plattform breit aufstellt und alle relevanten Technologiefelder von (Elektro-)Antrieb über Assistenzsysteme bis hin zu Connectivity und Interfaces abdeckt“, so Studienleiter Stefan Bratzel.
Hoch bewertete Innovationen sind etwa der BMW Intelligent Personal Assistant, der permanent die Vorlieben und Wünsche des Fahrers antizipiert und proaktiv Vorschläge macht, auch zu in der aktuellen Fahrsituation hilfreichen Assistenzsystemen. Die Neue Klasse ist eine software-definierte Plattform mit zentralen Steuergeräten, etwa dem von BMW so genannten „Heart of Joy“. Dabei handelt es sich um eine hochintegrierte Steuerungseinheit, die erstmals die vollständige Koordination von Antrieb, Bremsen, Lenkung, Fahrzeugstabilisierung und Lademanagement übernimmt. Das sorgt für eine optimierte Fahrdynamik und eine verbesserte Effizienz.
Im neuen Mercedes-Benz CLA ist das hauseigene Betriebssystem MB.OS erstmals vollständig integriert. Damit erhält das Fahrzeug den MBUX Virtual Assistant, der u.a. generative KI nutzt, um seine Funktionen an den Gemütszustand des Fahrers anzupassen. Das kann dann je nach Stimmung des Fahrers etwa zu kürzeren Aufforderungen und Antworten oder einer fröhlicheren und gesprächigeren Ansprache führen. Außerdem ist es möglich, Funktionen und Routen auf Basis von Routinen des Fahrers vorzuschlagen. Dazu gehören die Reservierung von Parkplätzen oder die Umplanung von Terminen, wenn man sich verspätet.
Beim Xpeng X9 auf dem dritten Rang der innovationsstärksten Modelle handelt es sich um einen luxuriösen Van von 5,32 m Länge, der in China bereits verfügbar ist und im Juni 2026 auch in Deutschland auf den Markt kommen soll. Unter den 22 Innovationen dieses Modells stechen besonders die im Van-Segment hohe Reichweite des BEV-Antriebs (750 km nach CLTC-Norm), KI-gesteuerte Leseleuchten und ein ebenfalls per KI optimierter Fahrwerks-Assistent zur Verringerung von Motion Sickness hervor.
* Hier nur Innovationen, die in Serie verfügbar sind.
Für eine Übersicht rund um das Thema Automobil-Innovationen hält das CAM ein spezielles Internetportal bereit, mit vielen Hintergrund-Informationen und einem kostenlosen Testzugang zum AutomotiveINNOVATIONS Dashboard – einer visuellen Aufbereitung der Innovations-Datenbank des CAM: https://automotiveinnovations.de/
Über das Center of Automotive Management (CAM):
Das Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach ist ein unabhängiges, wissenschaftliches Institut für empirische Automobil- und Mobilitätsforschung an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. Direktor und Gründer des Auto-Instituts ist Prof. Dr. Stefan Bratzel. Weitere Details unter www.auto-institut.de.

Center of Automotive Management (CAM)
Prof. Dr. Stefan Bratzel
Direktor
Tel.: (0 22 02) 28 57 7-0
E-Mail: stefan.bratzel@auto-institut.de
www.auto-institut.de
ANHANG: Methodik zur Berechnung der Innovationsstärke
Das Center of Automotive Management definiert eine Innovation als eine technische oder dienstleistungsbezogene Neuheit, die in direktem Zusammenhang mit PKW steht, einen konkreten, zusätzlichen Kundennutzen bietet und von den OEMs einem breiten (Fach-)Publikum entweder als serienreifes Produkt oder als entwickelter Prototyp präsentiert wird.
Der MOBIL-Ansatz bewertet Innovationen anhand mehrerer Kriterien, um deren Bedeutung für Markt und Kunden systematisch einzuordnen. Dabei wird zunächst der Innovationsgrad bestimmt, der den technischen Neuheitsgrad und den zusätzlichen Kundennutzen sowie das Potenzial zur Verbesserung der Wettbewerbsposition widerspiegelt und mithilfe einer vierstufigen Skala bewertet wird. Ergänzend werden die Originalität (Weltneuheit oder konzerninterne Neuerung), der Innovationsreifegrad (Marktnähe von Studie bis Serienreife) sowie der Innovationsfokus betrachtet, der zeigt, welche Kundennutzen-Dimensionen – etwa Wirtschaftlichkeit, Sicherheit oder Umweltfreundlichkeit – durch die Innovation adressiert werden. Die Innovationsstärke eines Konzerns, einer Marke oder eines Modells berechnet sich aus der Summe der einzeln nach dem MOBIL-Ansatz bewerteten Innovationen.
