• Wie im Vorjahr steht der Volkswagen-Konzern bei der Leistungs- und InnovationsstĂ€rke an der Spitze des CCI-Rankings. Mit einem Indexwert von 89 Prozent fĂŒhren die Wolfsburger deutlich vor Daimler (77 Prozent) und BMW (57 Prozent). Daneben sind die Chinesen die Gewinner dieses Jahres: Neben Great Wall – erstmals auf Platz fĂŒnf – verzeichnen auch SAIC und BAIC hohe Zugewinne.
  • FĂŒr die Zukunftsfelder Connectivity, Interfaces, autonomes Fahren und Interieur ergeben sich fĂŒr den Zeitraum 2025 bis 2030 neue Use Cases mit hohen Umsatzpotenzialen fĂŒr die OEMs. Im Rahmen der Studie wird das globale Connected-Services-Marktvolumen auf ĂŒber 200 Milliarden Euro im Jahr 2030 geschĂ€tzt.
  • Zwischen den etablierten Automobilherstellern und einigen großen Technologie- und Digitalunternehmen besteht eine auffĂ€llige Kompetenzasymmetrie. Nur eine Minderheit an OEMs kann aus eigener Kraft die erfolgsrelevanten strategischen Kompetenzen erlangen. Viele andere werden in Zukunft auf tiefgreifende Kooperationen mit Innovatoren angewiesen sein, die im Kompetenz-Ranking von Alphabet, Intel und Didi Chuxing angefĂŒhrt werden.

Die Branchenstudie Connected Car Innovation (CCI) untersucht die Innovationstrends und Innovationsleistungen in der Automobilindustrie im Bereich des vernetzten Fahrzeugs. Dabei stehen die sich rasch verĂ€ndernden automobilen Zukunftsfelder Connectivity, Interfaces, autonomes Fahren sowie der vernetzten Dienstleistungen im Mittelpunkt. Auf Basis von rund 3.400 Innovationen im Zeitraum von 2015 bis 2020 wurden die derzeitigen Entwicklungstrends dargestellt und eine Projektion fĂŒr das Jahr 2030 vorgenommen. Analysiert werden darĂŒber hinaus die strategischen Kompetenzen, die fĂŒr den langfristigen Erfolg der Branche eine zentrale Rolle spielen. Die Innovationen in den Zukunftsfeldern Vernetzung, Interfaces und autonomes Fahren haben sich in den letzten 10 Jahren verdreifacht und markieren eine Zeitenwende in der Automobilindustrie.

Ranking der OEMs im Connected-Car-Innovations-Ranking

Die aktuelle Leistungs- und InnovationsstĂ€rke von globalen Automobilherstellern in den Bereichen „Vernetztes Fahrzeug“ und „Vernetzte Dienstleistungen“ wurde mittels des jĂ€hrlichen Branchenbarometers „CCI-Index“ empirisch ermittelt. Die InnovationsstĂ€rke von 25 globalen Automobilhersteller-Gruppen im Jahr 2020 wurde auf Basis von insgesamt 333 Connected-Car-Innovationen und 73 Connected-Car-Services bewertet (vgl. Abbildung 1).

Abbildung 1: Connected-Car-Innovations (CCI): Ranking der 25 Automobilhersteller 2021*

Quelle: CAM   *Anm.: Tata inkl. Jaguar, Land Rover, Tata. Geely inkl. Geely Automobile Holdings und Volvo Car Group.

Die deutschen Automobilhersteller können trotz leichter Einbußen ihre FĂŒhrungsposition im CCI-Innovationsvergleich behaupten. Der Volkswagen Konzern bleibt der innovationsstĂ€rkste Automobilkonzern im Bereich Connected-Car. Zweitplatzierter wird knapp dahinter Daimler, wĂ€hrend BMW auf Rang drei gelangt. Tesla kommt auf Platz vier, Great Wall, Hyundai, SAIC und Ford folgen auf den RĂ€ngen fĂŒnf bis acht.

Erstmals kommt mit Great Wall ein chinesischer Automobilhersteller in die Top-5. Great Wall ist auch der grĂ¶ĂŸte Aufsteiger im Vergleich zum Vorjahr und macht 14 PlĂ€tze gut. Newcomer aus China wie Xpeng oder Nio machen den etablierten Automobilherstellern zunehmend Konkurrenz. Im Innovationsvergleich der AutomobillĂ€nder nimmt China entsprechend eine immer stĂ€rkere Rolle ein: WĂ€hrend im Jahr 2016 nur sieben Prozent der globalen InnovationsstĂ€rke von chinesischen Automobilherstellern erbracht wurde, steigt dieser Wert im Jahr 2020 auf einen Rekordanteil von 25 Prozent. Deutschland liegt zwar mit 35 Prozent der globalen InnovationsstĂ€rke nach wie vor an der Spitze, kann allerdings die hohen globalen Innovationsanteile der Vorjahre nicht halten (2016: 43%). Auf Position drei rangieren die amerikanischen Hersteller mit 16 Prozent vor den koreanischen Automobilherstellern (7,1%).

EnttĂ€uschend ist die CCI-InnovationsstĂ€rke der japanischen Hersteller, die nur 6,7 Prozent betrĂ€gt. Große etablierte Hersteller wie Honda, Renault, Nissan und PSA kommen nur auf eine sehr niedrige CCI-StĂ€rke. Die grĂ¶ĂŸten Verluste muss im Vergleich zum Vorjahr PSA hinnehmen: Der französische Hersteller, der inzwischen durch die Fusion mit FCA in dem Konzern Stellantis aufgegangen ist, verliert 14 PlĂ€tze und kommt nur noch auf Rang 23.

Marktpotenziale der Connected Services

Vernetzte Dienstleistungen spielen bereits heute fĂŒr innovative Automobilhersteller eine wichtige Rolle, etwa in den Feldern Infotainment sowie bei Parking- und Charging-Services. Die Analyse des Leistungsstandes von vernetzten Services im Vergleich von 30 Automobilherstellern offenbart die starke Stellung von Tesla und von chinesischen Newcomern: Tesla liegt mit deutlichem Abstand auf Rang eins, gefolgt vom chinesischen Startup Xiaopeng mit der Marke Xpeng. Erst danach folgen Volkswagen, Daimler und BMW sowie das chinesische Start-up Nio. Dagegen landen etablierte Hersteller wie Ford, Toyota, PSA und Nissan nur auf den hinteren RĂ€ngen.

Abbildung 2: Connected Services-Marktpotenziale 2030 weltweit nach Use Cases

Quelle: CAM.   Anm.: Alle Werte gerundet.   * Ggf. zzgl. sonstiger Use Cases wie z.B. In-Car-Office-Services, In-Car-Well-Being etc.

Connected Services versprechen in den nĂ€chsten Jahren erhebliche Umsatzpotenziale fĂŒr Automobilhersteller (vgl. Abbildung 2). Dabei handelt es sich weniger um Einmalerlöse durch FahrzeugverkĂ€ufe bzw. Hardware-Features, sondern vielmehr um wiederkehrende softwarebasierte digitale Services fĂŒr den gesamten vernetzten bzw. autonomen Pkw-Bestand der Automobilhersteller. Auf Basis der in der Studie dargestellten Connected Services-Use-Cases können im Jahr 2030 Umsatzpotenziale von 800 bis 1.000 Euro pro Fahrzeug und Jahr erzielt werden, was zu GesamtumsĂ€tzen von ĂŒber 200 Mrd. Euro weltweit fĂŒhren kann. Beispiel Volkswagen: Beim Wolfsburger Konzern könnten im Jahr 2030 allein die Connected Service-UmsĂ€tze 29 Mrd. Euro und der Gewinnanteil vier Mrd. Euro pro Jahr betragen.

Strategische Kompetenzen der OEMs und Digitalplayer im Vergleich

Die Herausbildung von strategischen Kompetenzen in den Zukunftsfeldern ist jedoch eine wichtige Voraussetzung fĂŒr Realisierung von Umsatzpotenzialen im Bereich Connected Services. Der Connected-Car-Bereich wird in den nĂ€chsten 10 Jahren von einer erheblichen Innovationsdynamik geprĂ€gt sein, bei der neue GeschĂ€ftsmodelle und neue Wettbewerber aus dem Big-Data-Umfeld eine zentrale Rolle spielen. Der Erfolg und das mittel- und langfristige Überleben der Akteure ist dabei wesentlich abhĂ€ngig von der Entwicklung „strategischer Kompetenzen“  in den Bereichen Fahrzeugarchitektur, Connectivity und Autonomes Fahren. Unter strategischen Kompetenzen werden dabei interne und externe Wissenselemente, Humanressourcen, technische Ressourcen sowie GeschĂ€ftsprozesse verstanden. FĂŒr die strategischen Kompetenzfelder im Bereich Connected-Car wurde der Entwicklungsstand der wichtigsten Akteure anhand verschiedener Kriterien bewertet.

Neue Fahrzeugarchitekturen sind die Voraussetzung der ĂŒberwiegend softwarebasierten Wertschöpfung in den Zukunftsfeldern. Im Kompetenzvergleich gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den relevanten Akteuren. Komponenten dieser neuen softwarebasierten Fahrzeugarchitekturen sind: Ein bzw. wenige Zentralcomputer mit hoher Performance (Verarbeitung großer Datenmengen), die Entwicklung eines OEM-eigenen robusten Fahrzeugbetriebssystems (Over-the-Air Updates, Trennung von Hard- und Softwarefunktionen in den Domains) und eine Cloud/IoT-Anbindung, die eine stabile Verbindung mit anderen intelligenten GerĂ€ten und der Infrastruktur ermöglicht. Ein Vergleich der Kompetenzen der Akteure im Bereich Fahrzugarchitekturen identifiziert Tesla und Alphabet als Vorreiter, wĂ€hrend sich viele etablierte Hersteller in einem mehrjĂ€hrigen Aufholprozess befinden.

Das Kompetenzfeld Connectivity/Infotainment wird maßgeblich von den drei strategischen Kompetenzen User Interfaces, Vehicle-to-X/ Internet of Things (IoT)-Funktionen und von Serviceplattformen geprĂ€gt. In diesem Zukunftsfeld liegen Tesla, Alphabet und Alibaba aufgrund des sehr breiten Knowhows und der exzellenten strategischen Aufstellung vorn. In einem zweiten Cluster finden sich die deutschen OEMs, deren Kompetenzen eher bei den User Interfaces und V2X-Anwendungen liegen. Die Tech-Player ĂŒberzeugen meist durch ihre strategische Aufstellung mittels der verfĂŒgbaren Connectivity- und Infotainment-Services in vielen verschiedenen Anwendungsbereichen, die ĂŒber ihre bestehenden digitalen Ökosysteme eingefĂŒhrt werden können.

Als strategische Kompetenzen fĂŒr die erfolgreiche Entwicklung im Zukunftsfeld des autonomes Fahrens (Level 4/5) wurden diverse Hard- und Software-Kompetenzfelder identifiziert: Sensorik, Aktuatorik, Rechnerarchitektur, Software und Daten. Es gibt darĂŒber hinaus ĂŒbergreifende Kompetenzen, die sich insbesondere auf die Sicherheit der Systeme beziehen.  Beim (voll-)autonomen Fahren hat derzeit die Alphabet-Tochter Waymo die höchsten Kompetenzen, die u.a. die umfangreichsten Test-Erfahrungen vorweisen können. Ein Feld mit technologisch hoch bewerteten Playern besteht aus Intel und Amazon sowie GM, Baidu und Pony.AI. Im oberen Mittelfeld befinden sich ferner die Automobil-OEMs Volkswagen, Tesla und Hyundai, deren strategische Kompetenzen auf Ă€hnlichem Niveau eingeschĂ€tzt werden (vgl. Abbildung 3).

Es zeigt sich, dass in den relevanten Zukunftsfeldern eine auffallende Kompetenz-Asymmetrie zwischen etablierten Automobilherstellern und einigen Technologie- bzw. Digital-Playern (z.B. Alphabet, Intel, Didi Chuxing) besteht.

Hierzu Studienleiter Stefan Bratzel: „Nur wenige Automobilhersteller (z.B. Tesla, VW, BMW, GM) können aus eigener Kraft die strategischen Kompetenzen erlangen, die mittel- und langfristig fĂŒr den GeschĂ€ftserfolg notwendig sind. Vielfach werden Automobilhersteller in den Zukunftsfeldern auf tiefgreifende Kooperationen mit KompetenztrĂ€gern aus der Digitalwelt angewiesen sein. FĂŒr die Automobilhersteller gilt es genau auszuwĂ€hlen, mit welchen Unternehmen in welchen Feldern kooperiert werden sollte, und in welchen Bereichen erfolgskritische Wettbewerbssituationen um den Kunden bzw. die Wertschöpfung der Zukunft entstehen.“

Durch die Kombination von automobilbezogenen und digitalen Kompetenzen innerhalb einer vereinbarten strategischen Kooperation können die Parteien gegenseitige Kompetenzdefizite ausgleichen und ihre Wettbewerbsposition auf ein hohes Niveau verbessern.

Abbildung 3:  Kompetenzen von Akteuren im Bereich „Autonome Fahrsysteme“ (Level 4/5)  

Quelle: CAM; Stand: MĂ€rz 2021.

Zur Studie: Connected-Car-Innovation (CCI) ist eine jĂ€hrlich durchgefĂŒhrte Branchenstudie, die die Leistungs- und InnovationsstĂ€rke von 30 globalen Automobilherstellern in den Bereichen vernetztes Fahrzeug und vernetzte Dienstleistungen sowie deren MarktstĂ€rke anhand verschiedener Indikatoren empirisch erhebt und vergleichend darstellt. Basis der Studie ist die AutomotiveINNOVATIONS Datenbank des CAM, in der die Neuerungen von ĂŒber 80 Automobilherstellern kontinuierlich erhoben und bewertet werden. DarĂŒber hinaus werden die Strategischen Kompetenzen Automobilherstellern und von Digitalspielern regelmĂ€ĂŸig analysiert. Die (CCI) Studie 2021 wurde im 7. Jahr in Folge durch das Center of Automotive Management (CAM) erstellt.

Weitere Infos zur Studie (inkl. Kurz-/Langfassung) finden sie unter: https://connected-car-innovation.de/