Bergisch Gladbach, den 23.10.2026

  • Die 15 untersuchten Automobilkonzerne verkaufen weltweit rund 49,5 Mio. Fahrzeuge (−1,8 %). Toyota bleibt mit 8,05 Mio. Fahrzeugen globaler MarktfĂŒhrer vor Volkswagen (5,78 Mio.) und Hyundai Motor Group (5,37 Mio.).
  • Tesla holt bei Elektroautos auf, BYD bleibt WeltmarktfĂŒhrer: BYD fĂŒhrt den globalen BEV-Markt mit 1,63 Mio. Fahrzeugen (+1,5 %) vor Tesla mit 1,32 Mio. (+8,8 %) an. WĂ€hrend BYD unter dem intensiven Wettbewerb in China leidet, profitiert Tesla von einer Erholung der europĂ€ischen Nachfrage und einer niedrigen Vorjahresbasis.
  • Globale AutomobilmĂ€rkte entwickeln sich zunehmend auseinander: Europa (EU+EFTA+UK) wĂ€chst um 6,3 %, Indien sogar um 22,7 %. Dagegen schrumpfen China (−21,7 %) und die USA (−2,2 %). Die regionale MarktprĂ€senz und AnpassungsfĂ€higkeit werden damit zu entscheidenden Erfolgsfaktoren fĂŒr die Automobilhersteller.

Globale Absatztrends der Automobilhersteller

Der weltweite Absatz der globalen Automobilhersteller ist nach drei Quartalen des Jahres 2026 insgesamt rĂŒcklĂ€ufig.  Die 15 untersuchten Automobilkonzerne verkaufen weltweit rund 49,5 Mio. Fahrzeuge, was einem RĂŒckgang von 1,8 %) zum Vorjahreszeitraum entspricht. Die deutschen Automobilhersteller verlieren dabei ĂŒberdurchschnittlich. Bei Volkswagen weist mit einem RĂŒckgang von 9,4 % neben General Motors (-9,7%) die höchsten Absatzverluste des Samples von Januar bis September 2026 aus.

Abbildung 1: Weltweiter Absatz / Auslieferungen von 15 Automobilherstellern, Januar–September 2026 und 2025

Quelle: CAM; Absatzgrafik vom 22.10.2026. Toyota, Ford, Suzuki und Renault: Neunmonatswerte 2026 teilweise hochgerechnet. Volkswagen ohne TRATON; Toyota einschließlich Lexus und Daihatsu, ohne Hino; Hyundai inkl. Kia; Geely inkl. Volvo Cars und Polestar; SAIC nur Eigenmarken; BYD nur Pkw ohne Nutzfahrzeuge.

Toyota behauptet mit 8,05 Mio. Fahrzeugen (−2,7 %) seine weltweite Spitzenposition und profitiert von seiner breiten internationalen Aufstellung sowie der starken Nachfrage nach Hybridmodellen. Volkswagen folgt mit 5,78 Mio. Fahrzeugen (−9,4 %), wobei insbesondere der intensive Wettbewerb und die Absatzverluste in China belasten. Die Hyundai Motor Group auf Platz 3, zeigt sich mit 5,37 Mio. Fahrzeugen (−2,1 %) dank ihrer breiten Modellpalette und starken Position bei SUVs und Hybriden vergleichsweise stabil. Deutliche RĂŒckgĂ€nge verzeichnet neben General Motors (−9,7 %) auch Ford (−8,5 %), insbesondere aufgrund der SchwĂ€che in China und Nordamerika.

Einige wenige Hersteller können ihr Absatzvolumen steigern: SAIC (Eigenmarken) (+12,7 %), Suzuki (+10,3 %), Chery (+9,9 %) und Stellantis (+7,1 %) zeigen deutliche ZuwĂ€chse, die auf unterschiedlichen Wachstumstreibern beruhen: WĂ€hrend SAIC insbesondere von neuen elektrifizierten Modellen und der internationalen Expansion profitiert, wird Suzukis Wachstum maßgeblich vom dynamischen indischen Automobilmarkt getragen. Chery erzielt seine ZuwĂ€chse vor allem durch stark steigende Exporte und ein wachsendes Angebot elektrifizierter Fahrzeuge. Bei Stellantis ist das Absatzplus dagegen auch auf das sehr niedrige Vorjahresniveau zurĂŒckzufĂŒhren.

Bei BYD und Tesla zeigen sich unterschiedliche Entwicklungen. WĂ€hrend BYD beim gesamten Pkw-Absatz einen RĂŒckgang von 4,6 % verzeichnet, steigert Tesla seine Auslieferungen um 8,8 %. Im reinen ElektroautogeschĂ€ft (BEV) bleibt BYD mit rund 1,63 Mio. Fahrzeugen (+1,5 %) vor Tesla mit 1,32 Mio. (+8,8 %). BYD leidet insbesondere unter dem intensiven Preiswettbewerb und der rĂŒcklĂ€ufigen Nachfrage im chinesischen Heimatmarkt, die durch die starke internationale Expansion bislang nicht vollstĂ€ndig kompensiert werden können. Tesla profitiert dagegen von einer Erholung der europĂ€ischen Nachfrage, attraktiveren Modell- und Finanzierungsangeboten sowie einer niedrigen Vorjahresbasis. Angesichts des zunehmenden Wettbewerbs und der schwachen US-Nachfrage bleibt die Erholung jedoch fragil. Das starke BEV-Wachstum von BYD im September deutet zugleich auf eine wieder zunehmende Dynamik hin.

Auch die deutschen Premiumhersteller Mercedes-Benz Group (−7,2 %) und BMW Group (−4,8 %) verzeichnen weltweite AbsatzrĂŒckgĂ€nge. Beide Konzerne leiden insbesondere unter dem intensiven Wettbewerb im chinesischen Premiumsegment. WĂ€hrend BMW von einer breiteren Modellpalette, steigenden VerkĂ€ufen in Europa und den USA sowie der starken Position bei elektrifizierten Fahrzeugen profitiert, steht Mercedes-Benz noch stĂ€rker unter Druck. Die Absatzverluste in China fallen bei Mercedes mit rund 29 % deutlich höher aus als bei BMW mit rund 22 %. Trotz wachsender ElektroautoabsĂ€tze können beide Hersteller die RĂŒckgĂ€nge in China bislang nicht kompensieren.

Regionale AutomobilmÀrkte 2026: Europa wÀchst, China und USA schrumpfen Indien boomt

Abbildung 2: Regionale Marktentwicklung, Januar–September 2026 und 2025

Quelle: ACEA, CPCA-basierte Reihe, Global Auto Insight, SIAM

Die Absatzentwicklung der vier untersuchten AutomobilmĂ€rkte nach 9 Monaten des Jahres 2026 zeigt ein zunehmend uneinheitliches Bild: WĂ€hrend Europa und insbesondere Indien deutliche ZuwĂ€chse erzielen, verzeichnen China und die USA rĂŒcklĂ€ufige NeuwagenverkĂ€ufe. In China bricht der Pkw-Markt um 21,7 % ein, vor allem bedingt ein schwaches generelles Nachfrageklima, geringere Förderimpulse und den deutlichen RĂŒckgang klassischer Verbrenner. Gleichzeitig steigt der Marktanteil elektrifizierter Fahrzeuge weiter. In den USA sinkt der Neuwagenabsatz um 2,2 %, insbesondere aufgrund hoher Fahrzeugpreise, wirtschaftlicher Unsicherheit und vorgezogener ElektroautokĂ€ufe im Vorjahr infolge des ausgelaufenen staatlichen Steuerbonus.

Europa (EU+EFTA+UK) wĂ€chst um 6,3 %, insbesondere getragen durch die steigende Nachfrage nach elektrifizierten Fahrzeugen, eine grĂ¶ĂŸere Modellvielfalt, staatliche Fördermaßnahmen und Nachholeffekte aus den Vorjahren. Der zunehmende Preiswettbewerb durch neue, insbesondere chinesische Hersteller verstĂ€rkt die Marktdynamik. Indien entwickelt sich mit einem Plus von 22,7 % zum dynamischsten der vier betrachteten MĂ€rkte. Steuerliche Entlastungen, gĂŒnstigere Finanzierungskosten, eine starke SUV-Nachfrage und Nachholeffekte aus dem schwĂ€cheren Vorjahr treiben das Wachstum. Die zunehmenden regionalen Unterschiede stellen die Automobilkonzerne vor neue strategische Herausforderungen. Entscheidend wird, wie erfolgreich sie ihre Modellportfolios, Kostenstrukturen und Vertriebsstrategien an die jeweiligen Marktbedingungen anpassen können.

Studienleiter Stefan Bratzel:

„Die globale Automobilindustrie befindet sich in einer Phase tiefgreifender Marktverschiebungen. WĂ€hrend Europa und Indien wachsen, schrumpfen die MĂ€rkte in China und den USA. Gleichzeitig verlieren viele etablierte Automobilhersteller weltweit deutlich an Absatz, insbesondere die deutschen Konzerne. Die deutschen Automobilhersteller stehen vor einer doppelten Herausforderung: Sie verlieren in China an Boden und mĂŒssen gleichzeitig ihren europĂ€ischen Heimatmarkt gegen neue Wettbewerber verteidigen. Die jĂŒngste VerstĂ€ndigung zwischen der EU und China zur Begrenzung chinesischer Hybridexporte könnte den europĂ€ischen Herstellern kurzfristig eine gewisse Verschnaufpause verschaffen. Diese Zeit mĂŒssen sie jedoch nutzen, um ihre Innovationsgeschwindigkeit zu erhöhen, Kostenstrukturen zu verbessern und attraktive, bezahlbare Fahrzeuge schneller auf den Markt zu bringen.

Anhang: Methodik

Die Auswertung beruht auf weltweiten Herstellerangaben und CAM-Hochrechnungen zum 22. Oktober 2026. FĂŒr Toyota, Ford, Suzuki und Renault wurden die noch fehlenden September-Werte anhand verfĂŒgbarer ZwischenstĂ€nde und der Vorjahresentwicklung geschĂ€tzt. FĂŒr Toyota wurde das Septembervolumen 2025 mit der VerĂ€nderungsrate Januar–August 2026 fortgeschrieben. Bei Suzuki und Renault wurde soweit verfĂŒgbar die VerĂ€nderung Juli–August 2026 gegenĂŒber 2025 auf den September 2025 ĂŒbertragen. FĂŒr Ford wurde mangels vergleichbarer Monatsdaten die Halbjahresentwicklung verwendet.

Die Konzernabgrenzungen folgen der CAM-Systematik: Toyota einschließlich Lexus und Daihatsu ohne Hino; Volkswagen ohne TRATON; Hyundai einschließlich Kia; Geely einschließlich Volvo Cars und Polestar; SAIC ausschließlich Eigenmarken und ohne internationale Joint Ventures; BYD nur Pkw ohne Nutzfahrzeuge. Bei Stellantis werden konsolidierte Auslieferungen an Handel, Distributoren sowie End- und Flottenkunden berĂŒcksichtigt.

Über das CAM:

Das Center of Automotive Management (CAM) ist ein unabhĂ€ngiges, wissenschaftliches Institut fĂŒr empirische Automobil- und MobilitĂ€tsforschung sowie fĂŒr strategische Beratung an der Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) in Bergisch Gladbach. Das Institut unterstĂŒtzt seine Kunden auf Basis umfangreicher Datenbanken, insbesondere zu fahrzeugtechnischen Innovationen der globalen Automobilindustrie sowie zur Markt- und Finanz-Performance von Automobilherstellern und Automobilzulieferunternehmen. Mittels eines fundierten Branchen-Know-hows und fundierter Marktkenntnisse erarbeitet das Auto-Institut individuelle Marktforschungskonzepte und praxisorientierte Lösungen fĂŒr seine Kunden aus der Automobil- und MobilitĂ€tswirtschaft.

Center of Automotive Management (CAM)

Prof. Dr. Stefan Bratzel
An der GohrsmĂŒhle 25
51465 Bergisch Gladbach

Tel.: +49 (0) 22 02 / 28577-0
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