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Die innovationsstärksten Automobilhersteller der E-Mobilität 2022.

Globales Innovationsranking und Absatzprognose

  • Tesla bleibt der weltweit innovationsstärkste Automobilhersteller im Bereich der batterieelektrischen Mobilität (BEV). Der VW-Konzern behauptet sich auf Rang 2, während sich Hyundai auf Rang 3 verbessert. Chinesische Automobilhersteller erreichen Bestwerte in der E-Mobilität: BYD, Geely (inkl. Volvo) und SAIC zeigen sich enorm innovationsstark und kommen auf die Plätze 4, 5 und 7
  • Ford belegt weiter nur Rang 18 und ist ebenso Nachzügler der batterieelektrischen Mobilität wie Honda und Toyota, die sich aus innovationstechnischer Sicht teilweise aufstrebenden Start-Ups wie Rivian, Lucid, Nio oder Xiaopeng geschlagen geben müssen.
  • Globaler Absatz von batterieelektrischen Fahrzeugen steigt nach Prognosen des CAM von 4,6 Millionen im zurückliegenden Jahr auf 6,7 Millionen im Jahr 2022.

Der globale Hochlauf der Elektromobilität führt zu einer Neuordnung der Automobilindustrie. Dabei spielt die Innovationsstärke von Automobilherstellern eine zentrale Rolle. Im Rahmen des jährlich aktualisierten „Electromobility Report 2022“ des Center of Automotive Management (CAM) wurde die kumulierte Innovationsstärke von über 30 Automobilkonzernen im Zeitraum zwischen 2012 und 2021 im Bereich batterieelektrischer Fahrzeuge (BEV) systematisch erfasst und bewertet. Auf Basis von insgesamt mehr als 700 einzeln bewerteten Serieninnovationen bleibt der US-amerikanische Elektroautopionier Tesla mit deutlichem Abstand Top-Innovator. Die Volkswagen Group führt auf Rang 2 das Feld der „Fast Follower“ an, während Hyundai sich in diesem Jahr im Kampf um Rang 3 knapp gegen den chinesischen Mischkonzern BYD durchsetzen konnte. Mit SAIC und Geely schaffen neben den deutschen Premiumherstellern BMW und Mercedes-Benz zwei weitere asiatische Hersteller den Einzug in die Top 10. Absatzstarke Hersteller wie Toyota, Honda und Ford bleiben vorerst Nachzügler der Elektromobilität (vgl. Abb. 1).

Die Innovationsstärke eines Automobilherstellers wird mittels eines Indexwertes berechnet. Dabei werden die serienreifen Innovationen im Bereich „Elektromobilität“ in den Feldern Reichweite, Verbrauch und Ladeleistung im Hinblick auf die Verbesserung des Kundennutzens systematisch erfasst und bewertet (vgl. Anhang). Nach dieser Methodik erhöht der kalifornische Elektroautobauer Tesla auch im Kalenderjahr 2021 seinen Vorsprung als Top-Innovator um mehr als 23 Indexpunkte (IP) und kommt nunmehr auf eine kumulierte BEV-Innovationsstärke von rund 176 IP. Verantwortlich für diesen Aufwärtstrend ist beispielsweise die Reichweitenerhöhung der Mittelklasse-Limousine Model 3 von 580 km auf 614 km (WLTP) im Rahmen eines Softwareupdates. Damit erreicht das Fahrzeug einen erneuten Segment-Bestwert und kann sich u.a. vom BMW i4 mit 590 km (WLTP) abheben. Der Volkswagen Konzern kann seinen Abstand zu Tesla nicht verkürzen, da im Kalenderjahr 2021 die Innovationsstärke nur leicht um 10,6 IP steigt. Unter anderen führt der Porsche Taycan eine Neuerung des Allradantriebs ein, die es ermöglicht den vorderen Elektromotor nahezu vollständig abzukoppeln, wodurch der Stromverbrauch reduziert wird.

Die Hyundai Motor Group kommt erstmals auf Rang 3 und kann sich mit einer Gesamt-Innovationsstärke von 76,9 IP gegen den chinesischen Großkonzern BYD durchsetzen. Als wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist die Elektro-Offensive der Premium-Tochtermarke Genesis anzuführen. Mit der Veröffentlichung der G80e-Limousine und des Mid-size SUV GV60 erzielen beide Modelle in puncto Ladeleistung mit bis zu 350 kW Gleichstrom neue Segment-Bestwerte, wodurch sich die Wartezeit an der Ladesäule für Kunden erheblich reduziert. BYDs Innovationszugewinn ist hauptsächlich auf die Einführung des Elektro-Kleinwagens „Dolphin“ zurückzuführen. Dieser ist nun auch mit der speziellen auf Lithium-Eisenphosphat basierenden Blade-Batterie ausgestattet, wodurch das Fahrzeug weniger brandanfällig ist und laut Herstellerangaben einen Zeitraum von 8 Jahren mit einer berechneten Reichweite von 1,2 Millionen Kilometern übersteht. Der chinesische Hersteller verpasst zwar knapp den dritten Rang, bestätigt aber mit einer Gesamt-Innovationsstärke von über 76 IP seine Rolle als Fast Follower.

Abbildung 1: Kumulierte BEV-Innovationsstärke globaler Automobilhersteller – Top 25 (Serie, 2012-2021)

Quelle: CAM.    Anmerkungen: * Kumulierte Innovationsstärke hier betrachteter OEMs (Serie, 2012- 2021) **Addition von FCA und PSA (bereinigt); eingeschränkte Vergleichbarkeit der Daten ab 2016 mit den Vorjahren aufgrund einer leicht veränderten Methodik (insb. strengere Maßstäbe der Innovationsdefinition, Höherbewertung von Weltneuheiten).

Der chinesischen Automobilkonzern Geely kommt erstmals in die Top-5 dank einer starken Innovationssteigerung um fast 21 IP, die im Wesentlichen durch die Marken Zeekr und Polestar getragen wird. So überzeugt die auf der SEA-Plattform basierende Elektro-Premiumlimousine Zeekr 001 mit einer NEFZ-Reichweite von 712 km, wodurch der bisherige Segment-Bestwert des Arcfox Alpha S mit knapp 700 km (auch NEFZ) überboten wurde. Polestars Innovationen betreffen neben der Einführung der leichteren Single Motor Variante des Polestar 2 mit einem niedrigeren Gesamt-Stromverbrauch insbesondere Konzernneuheiten via Over-the-Air-Updates. So erhalten Kunden der Dual Motor Variante einerseits eine softwarebasierte Leistungssteigerung und darüber hinaus eine an Google Maps geknüpfte Batterie-Vorkonditionierung, um möglichst hohe Ladeleistungen abrufen zu können.

Während der 2021 entstandene 14-Marken-Konzern Stellantis auf Basis vorheriger Innovationen von Fiat-Chrysler und PSA bereinigt auf Platz 6 zu verorten ist, kommt mit SAIC auf Rang 7 ein weiterer chinesischer Automobilhersteller auf vordere Ränge. Ursächlich für diese Entwicklung sind u.a. zwei Produkteinführungen der Submarke „Maxus“. Diese veröffentlichte einen Minivan namens „MIFA 9“ mit einer Reichweite von bis zu 560 km (NEFZ) sowie einen Pick-Up-Truck mit der Bezeichnung T90, dessen elektrische Reichweite mit 535 km (NEFZ) den zweitbesten Segmentwert hinter dem Rivian R1T erreicht. Die deutschen Premiumhersteller BMW und Mercedes-Benz können dank des Ausbaus ihrer Elektro-Modellpalette durch den BMW i4 und iX bzw. den Mercedes-Benz EQA und EQS in die Top 10 aufschließen, die überwiegend neue Segment-Benchmarks in den Bereichen Reichweite, Ladeleistung und Verbrauch setzen.

Renault und General Motors rutschen dagegen ab: Während Renault trotz Einführung des verbrauchsarmen Dacia Spring Electric (mittlerweile nicht mehr bestellbar) um 6 Plätze auf Rang 11 zurückfällt, kommt der US-Konzern General Motors trotz einer unbefriedigenden Innovationsperformance im Kalenderjahr 2021 mit knapp 44 Innovationspunkten noch auf Rang 10 (Vorjahr: 6). Konzerninterne Verbesserungen von Reichweite und Stromverbrauch durch den Chevrolet Bolt EUV, Menlo EV und den Buick Velite 6 EV bewahren die Amerikaner vor einem schlimmeren Abstieg. Der Renault Allianzpartner Nissan, im Jahr 2015 noch auf Platz 3 der innovationsstärksten BEV-Hersteller, kommt nur noch auf Rang 17.

Als Nachzügler der reinen Elektromobilität bleiben etablierte Automobilherstellern wie Tata (JLR), Ford, Mazda sowie Toyota und Honda. Dagegen entwickeln automobile Newcomer wie Rivian, Lucid, Nio, GAC oder Xpeng mit ihren Neuerungen trotz weniger Serienfahrzeuge im Markt bereits eine hohe Innovationsstärke. So gelang es dem US-amerikanischen Start-Up Lucid Motors mit dem Lucid Air (Dream Edition) ein Fahrzeug auf die Straße zu bringen, das mit einer gelisteten EPA-Reichweite von umgerechnet 837 km und einer Batteriekapazität jenseits der 100 kWh selbst Flaggschiffe wie einen Mercedes-Benz EQS (770 km WLTP) übertrifft. Das von Amazon unterstützte Unternehmen Rivian schafft es sogar, mit R1T und dem R1S zwei neue Fahrzeuge parallel zu launchen, die ebenfalls Bestwerte in ihren Segmenten erreichen. Vor diesem Hintergrund fällt der Aufholbedarf von traditionellen Automobilgiganten wie Toyota oder Honda mit 5 respektive 3 IP umso stärker ins Gewicht.

Studienleiter Stefan Bratzel: „Der Elektromobilität wächst in allen großen Automobilregionen weit überdurchschnittlich zum Gesamtmarkt. Auch im laufenden Jahr 2022 werden hohe Zuwächse erwartet. Es zeigt sich, dass die innovationsstarken Automobilhersteller im Bereich batterieelektrischer Fahrzeuge auch zu den Marktführern der E-Mobilität zählen. Das gilt nicht nur für Tesla, sondern etwa auch für chinesische Automobilhersteller. Mit dem Zeitalter der Elektromobilität verändert sich dabei zunehmend die angestammte Branchenstruktur und Rangordnung der Automobilhersteller. Auch hier gilt: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“

Analog zur Innovationstätigkeit im Bereich der Elektromobilität rechnet das Center of Automotive Management für das Kalenderjahr 2022 abermals mit einer deutlichen Steigerung der globalen BEV-Absatzzahlen. Auf Basis des kontinuierlich steigenden Fahrzeugangebots sowie zunehmender Produktionskapazitäten von batterieelektrischen Fahrzeugen wird im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung um rund 50 Prozent von 4,6 Millionen auf über 6,7 Millionen BEVs prognostiziert. Die in Abb. 2 ausgewählten Automobilhersteller dürften mit insgesamt über 5 Millionen verkauften BEVs den Löwenanteil zu diesem Ergebnis beisteuern.

Abbildung 2: BEV-Absatz ausgewählter Automobilhersteller 2021 (inkl. Prognose 2022)

Quelle: CAM.    Anmerkungen: * SAIC Motor inkl. SAIC-GM-Wuling (SGMW) ** Stellantis BEV-Absatz 2021 geschätzt.

Der größte BEV-Absatz wird voraussichtlich, wie in den Vorjahren, vom US-Elektroautobauer Tesla mit über 1,3 Millionen verkauften Fahrzeugen erwartet. Die Absatzprognose stützt sich auf den erneuten Auslieferungsrekord im 1. Quartal 2022 mit über 310.000 Einheiten und berücksichtigt insbesondere den geplanten Produktionshochlauf der Gigafactories in Texas, USA sowie Grünheide in Deutschland. Insgesamt ist zu erwarten, dass weitere relevante Player wie SAIC, Volkswagen oder BYD im Zuge ihrer Elektrifizierungsstrategie schrittweise zum globalen Marktführer Tesla aufschließen werden und dabei der Meilenstein von über 500.000 verkauften Elektrofahrzeugen innerhalb eines Jahres immer öfter überboten wird.

Die deutschen Premiumhersteller BMW und Mercedes-Benz liegen mit ihren aktuellen BEV-Absätzen zwar analog zur kumulierten Innovationsstärke mit rund 100.000 Fahrzeugen immer noch eher im Mittelfeld, allerdings wird im Rahmen der Ausdehnung des Modellangebots für das Kalenderjahr 2022 eine Verdopplung auf circa 200.000 Einheiten erwartet. Während die Automotive Start-Ups Xiaopeng und Nio zeitversetzt zum Branchenprimus Tesla ihre Produktion und Absätze kontinuierlich hochfahren, liegen etablierte Hersteller wie Ford oder Toyota aktuell noch weit zurück. Strategische Neuaufstellungen wie beim US-Autobauer dürften sich erst in den kommenden Jahren vollends auswirken.


Anhang: Bewertung der Innovationen im Bereich Elektromobilität

Quelle: CAM

Über das CAM:

Das Center of Automotive Management (CAM) ist ein unabhängiges, wissenschaftliches Institut für empirische Automobil- und Mobilitätsforschung sowie für strategische Beratung an der Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) in Bergisch Gladbach. Seine Kunden unterstützt das Auto-Institut auf Basis umfangreicher Datenbanken, insbesondere zu fahrzeugtechnischen Innovationen der globalen Automobilindustrie sowie zur Markt- und Finanz-Performance von Automobilherstellern und Automobilzulieferunternehmen. Mittels eines fundierten Branchen-Know-hows und intimer Marktkenntnisse erarbeitet das Auto-Institut individuelle Marktforschungskonzepte und praxisorientierte Lösungen für seine Kunden aus der Automobil- und Mobilitätswirtschaft.


Center of Automotive Management (CAM)

Prof. Dr. Stefan Bratzel

An der Gohrsmühle 25

51465 Bergisch Gladbach

Tel.: +49 (0) 22 02 / 28577-0

Mobil: +49 (0) 174 / 9 73 17 78

Fax: +49 (0) 22 02 / 28577-28

E-Mail: stefan.bratzel@auto-institut.de

Web: www.auto-institut.de

Bedeutung und Effekte des Russland-Krieges auf die Automobilindustrie

Der kriegerische Angriff von Russland auf die Ukraine hat erhebliche direkte und indirekte Folgen für die Automobilindustrie.
Während die Ukraine als Automobilmarkt keine relevante Rolle spielt, galt Russland lange Zeit als wichtiger Zukunftsmarkt der globalen Automobilindustrie, der im Jahr 2012 mit 2,8 Mio. abgesetzten Fahr-zeugen sich sogar dem Niveau des deutschen Marktes annäherte. Allerdings stagniert der russische Automobilmarkt seit dem Jahr 2015 zwischen 1,4 und 1,8 Mio. Fahrzeugen.
Im Jahr 2021 wurden in Russland rund 1,67 Mio. Pkw (2020: 1,60 Mio.) und leichte Nutzfahrzeuge abgesetzt. Damit kommt Russland nach Südkorea und vor Frankreich und UK auf Rang 8 der weltweit größten Automobilmärkte.
Absatzstärkste Herstellergruppen im Jahr 2021 sind Hyundai (inkl. Kia) mit rund 380.000 Fahrzeugen sowie Avtovaz (Lada) mit 351.000 und Renault-Nissan-Mitsubishi Allianz 212.000 Fahrzeugen, wobei Renault seit 2017 auch einen Mehrheitsanteil an Avtovaz besitzt. Unter den deutschen Herstellern hat die Volkswagen-Gruppe mit 204.000 Fahrzeugen einen Marktanteil von 12 Prozent, während BMW und Mercedes mit einem Marktanteil von rund 3% rund 49.000 bzw. 50.000 Fahrzeuge in Russland verkaufen (vgl. Abb. 1).
Die zu erwartenden wirtschaftlichen Sanktionen treffen insofern neben dem Hyundai Konzern die Renault-Nissan-Mitsubishi Kooperation sowie auch die Volkswagen Gruppe am stärksten. Da die Marktrelevanz von Russland für Volkswagen jedoch nur bei 2 Prozent liegt (Russlandabsatz/Gesamtabsatz), sind die negativen direkten Absatzeffekte ähnlich wie bei BMW und Mercedes-Benz jedoch als moderat einzuschätzen. Renault-Nissan-Mitsubishi ist dagegen aufgrund der hohen Absatzanteile der Gruppe sowie des russischen Tochterunternehmen Avtovaz wirtschaftlich am stärksten betroffen.

Abbildung 1: Absatz und Marktanteile von globalen Automobilherstellern in Russland (2021)

Quelle: CAM

Russland besitzt eine Automobilproduktion mit insgesamt 34 Produktionsanlagen für Pkw, Lkw, Vans, Busse und Motoren, die jedoch überwiegend für den eigenen inländischen Markt produzieren. Im Jahr 2020 bzw. 2019 wurden 1,4 Mio. bzw. 1,65 Mio. Fahrzeuge hergestellt. Im Vor-Coronajahr 2019 wurden jedoch weniger als 50.000 Pkw exportiert. Der gesamte Exportwert der russischen Automobilindustrie lag im Jahr 2019 bei 3,3 Mrd. US-Dollar. Der Importwert lag dagegen bei 20 Mrd. US-Dollar.
Grundsätzlich muss aufgrund des Russland-Ukrainekrieges und der anstehenden Sanktionen mit erheblichen Störungen der Lieferkette der Produktion in Russland gerechnet werden. Besonders betroffen dürfte die Renault-Gruppe mit seinen Autowerken im Land sein. Aber auch Volkswagen und andere Hersteller betreiben Fahrzeugwerke in Russland. Die meisten dieser Werke sind für die Fahrzeugproduktion zu hohen Anteilen von der Teilebelieferung aus dem Ausland angewiesen. Die absehbaren Sanktionen könnte in kurzer Frist zu einem Stopp der Teileversorgung aus Europa und auch aus anderen Ländern führen. Damit droht der Stillstand der Produktionsbänder in Russland.
Russland und die Ukraine spielen umgekehrt zwar als Zuliefer-Standort der globalen Automobilindustrie nur eine untergeordnete Rolle. Aber auch hier könnten Störungen der Lieferkette eintreten. Aufgrund der komplexen Wertschöpfungsnetzwerke der Automobilindustrie könnten Zulieferer vorgelagerter Produktionsstufen negativ betroffen sein, was in der Folge zu Engpässen in der Teileversorgung der europäischen Werke führen kann.

Hierzu Institutsleiter Stefan Bratzel: „Russland wird lange Zeit als wichtiger Absatzmarkt und Produktionsstandort für die Automobilindustrie ausfallen. Zwar sind die konkreten Effekte des Krieges und der anstehenden Sanktionen noch nicht genau abzusehen. Allerdings dürfte das Anlagevermögen von Automobilherstellern und Zulieferern in Russland erheblich an Wert verlieren. Die Automobilindustrie wird für viele Jahre keine relevanten Investitionen in Russland tätigen. Allerdings ist auch mit erheblichen indirekten Folgen für die Automobilbranche in Deutschland und Europa zu rechnen. So werden in den nächsten Jahren nicht zuletzt aufgrund der Verteuerung der Energie- und Mineralölpreise die Kosten für die Automobilproduktion und für die Autonutzung steigen.“

For more information: https://auto-institut.de/automotiveperformance-2/

Export gebrauchter Elektrofahrzeuge.

Legale Tricks kosten Steuerzahler dreistellige Millionenbeträge

Ein erheblicher Teil der Neuzulassungen von Elektrofahrzeugen (BEV) findet sich nicht im Fahrzeugbestand in Deutschland wieder. Während zwischen Januar und September 236.695 reine Elektrofahrzeuge neu zugelassen wurden, erhöhte sich die Elektroflotte (BEV) in Deutschland nur um 207.435 Fahrzeuge (87,6%). Entsprechend fehlen rund 29.260 Elektro-Pkw bzw. rund 12,4 Prozent der neu zugelassenen Pkw im Bestand (Abb. 1).

Es besteht der Verdacht, dass bei einem Teil der Pkw-Neuzulassungen von reinen Elektrofahrzeugen zwar die Förderprämien bzw. der BAFA-Umweltbonus von 9.000 bzw. 7.500 Euro eingestrichen wird, jedoch die Fahrzeuge nach wenigen Monaten als junge Gebrauchtwagen ins Ausland weiterverkauft werden.  Das ist legal, da nach den BAFA-Regelungen nur eine Mindesthaltedauer von 6 Monaten eingehalten werden muss, um Umweltbonus zu erhalten.

Abbildung 1: Neuzulassungen von Elektrofahrzeugen (BEV) und Pkw-Bestandsveränderung in Deutschland (Jan-Sept. 2021)

Quelle: KBA, CAM

Stichproben bei einzelnen Automobilherstellern zeigen, dass die Diskrepanz zwischen Neuzulassungen und Fahrzeugbestandszuwachs bei manchen Modellen noch eklatanter ist. Tesla realisierte in den ersten neun Monaten des Jahres 2021 rund 26.000 Neuzulassungen in Deutschland. Rund 4.800 Pkw bzw. 18,5 Prozent tauchen jedoch später im deutschen Fahrzeugbestand nicht mehr auf. Bei BMW beträgt die Differenz sogar 20,6 Prozent. Hyundai und VW liegen mit 11,9 bzw. 11,0 Prozent leicht unter dem Durchschnitt. Aber auch beim Marktführer VW gehen fast 6.000 Elektrofahrzeuge dem deutschen Fahrzeugbestand verloren (Abb. 2).

Der Wiederverkauf ins Ausland lohnt sich trotz des Wertverlusts aufgrund der Höhe der Förderungen und der geringen Mindesthaltedauer. So haben sich einige Händler darauf spezialisiert gebrauchte Elektrofahrzeuge nach 6 Monaten ins Ausland mit Gewinn weiterzuverkaufen. In Dänemark entfällt etwa für gebrauchte Elektrofahrzeuge bei einer Fahrleistung von mehr als 6.000 km die Luxussteuer bei der Zulassung. Das schafft eine hohe Nachfrage und hohe Preise für junge gebrauchte Elektrofahrzeuge.

Abbildung 2: Anteil des Pkw-Flottenverlustes bei Elektrofahrzeugen (BEV) in Deutschland bei ausgewählten Automobilherstellern (Jan-Sept. 2021)

Quelle: KBA, CAM

Entsprechend führt die hohe BAFA-Umweltprämie zu unerwünschten Nebenwirkungen, da diese häufig nicht im deutschen Fahrzeugbestand verbleiben. Im Gesamtjahr 2021 gingen für die Kaufprämie Förderanträge für Anschaffung 625.260 E-Fahrzeugen beim Bafa ein, wofür der Staat die Rekordsumme von 3,1 Milliarden Euro bereitstellte.

Durch die Steuertricks subventioniert der deutsche Staat damit die Elektromobilität im Ausland. Nach konservativen Schätzungen des CAM dürften allein im Jahr 2021 bis zu 240 Millionen Euro an staatliche Fördergelder für reine Elektrofahrzeuge nicht zweckgemäß verwendet werden. Inklusive des durch die Automobilhersteller eingebrachten Teils der Anschaffungsförderprämie werden Fahrzeuge, die als junge Gebrauchtwagen ins Ausland exportiert werden, mit rund 360 Millionen Euro subventioniert.

Hierzu Stefan Bratzel: „Die derzeitigen Förderkulissen der Elektromobilität führen entsprechend zu unerwünschten Nebeneffekten und erheblichen Marktverzerrungen. Der Gesetzgeber sollte zeitnah entsprechende Anpassungen der Umweltprämie vornehmen. Möglich wäre etwa die Erhöhung der Mindesthaltedauer der Elektrofahrzeuge von 6 Monaten auf 2 bis 3 Jahre. Darüber hinaus sollte längerfristig statt der Anschaffung eher die Nutzung von Elektrofahrzeugen begünstigt werden. Denkbar wären z.B.  kostenfreie Kontingente für das Laden der E-Fahrzeuge in den ersten 3 Jahren.“

Grundsätzlich besteht auch bei Förderung von Plug-in-Hybriden (PHEV) dringender Anpassungsbedarf. PHEVs werden überwiegend von gewerblichen Kunden als Dienstwagen angeschafft, u.a. aufgrund des um die Hälfte reduzierten geldwerten Vorteils. Häufig werden die PHEVs dann jedoch nicht regelmäßig an der Steckdose geladen, sondern überwiegend mit dem Verbrennungsmotor gefahren, wodurch ähnliche CO2-Emissionen entstehen wie bei Benzinfahrzeugen. Eine Förderung sollte sich künftig nicht am Normverbrauch, sondern an Realverbrauch orientieren.

Wirtschaftswoche – Ungewollter Exportboom

„Rund 30 000 E-Autos mit einem Gesamtwert von rund zwei Milliarden Euro dürften allein in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres als junge Gebrauchtwagen ins Ausland verkauft worden sein“,
sagt Stefan Bratzel, Automobilwirtschaftsprofessor und Direktor des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch
Gladbach.

https://www.wiwo.de/my/unternehmen/auto/staatliche-e-auto-foerderung-voll-verladen-die-kaufpraemie-fuer-e-autos-geht-nach-hinten-los/28075624.html?ticket=ST-18603570-vFVhQkaPowHuOzXBpZib-ap4

Innovative strength of the global automobile manufacturer

Volkswagen, BMW and Daimler as well as Tesla have remained the most innovative global automotive groups in the multi-year analysis since 2016, ahead of Hyundai, Ford and Stellantis. With BYD, Great Wall and Geely, three Chinese OEMs made it into the top 10 for the first time. Overall, the Chinese automobile manufacturers have been among the big winners in recent years and can significantly increase their innovation performance. The Japanese manufacturers in particular are losing their innovative strength, with the world’s top-selling OEM Toyota only ranking 13th. At the same time, automotive start-ups such as Xpeng, Nio, Rivian and Lucid are pushing their way into the world market with a high degree of innovation. These are the core results of the current AutomotiveINNOVATIONS study by the Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach, which assesses the vehicle-technical innovations of 30 automobile groups with over 80 automobile brands. The long-term comparison is based on around 2,900 innovations that were introduced in series models between 2016 and 2021 (first half of the year). All innovations were evaluated according to quantitative and qualitative criteria (MOBIL approach, see below).

German OEMs occupy podium places

The German automobile manufacturers have so far been able to maintain their strong innovation performance even in the transformation phase of the industry since 2015. The Volkswagen Group with the core brands VW, Audi and Porsche is ahead in the innovation ranking with 366 (and 410) index points despite a slight decline in both comparison periods (2016-18 and 2019-21) (see Fig. 1). The innovation performance in the years 2019-21 will be supported in particular by innovations in the technology fields of electric drive as well as interfaces and display concepts.

BMW moved up to second place among the most innovative manufacturers with 282 index points (+ 37%) and ousted Daimler to third place in a head-to-head race. During this period, BMW generated 125 world and group novelties ready for series production, such as the active traffic light assistant of the Urban Cruise Control System, which independently detects red traffic lights and comes to a standstill in front of them. With the launch of its new Mercedes-Benz S-Class (2020), Daimler is presenting numerous innovations such as the MBUX interior assistant or the digital light, which can warn of construction sites using symbols projected on the street, among other things. Overall, the Stuttgart-based company is just behind its core competitor with 118 identified and individually assessed world and group innovations.

Figure 1: Innovative strength of global automobile manufacturers (group level) – Ranking Top 15

Source: CAM

Tesla and Hyundai dominate midfield, while Ford and Chinese OEMs are the most innovative drivers

The US electric car manufacturer Tesla achieved a strong fourth place in both observation periods despite only four models in series production. With world firsts from the technological fields of electric drive (e.g. range optimization Model S) and driver assistance systems (e.g. Navigate on Autopilot Model 3) ready for series production, Tesla can even increase its innovative strength by around 37 percent. Hyundai can assert itself in fifth place with innovations such as the best power consumption value of the Kia e-Soul (2019) in the minivan segment. However, the gap between the South Koreans and Tesla and the top 3 has widened somewhat.

One of the biggest winners in the period comparison is surprisingly the US company Ford, which moved up to 6th place and improved by five places. In total, since 2019, Ford has produced around twice as many series innovations with more than 65 group and world firsts than in the first observation period. The main reasons for this positive development are innovative models such as the Ford Mustang Mach-E (2020), which sets new standards in terms of electric range in the medium-size SUV segment, or the Ford F-150 (2020), the world’s first Pick-up truck can receive new or improved assistance systems via Over-The-Air Updates (OTA).

In addition to Ford, the Chinese car manufacturer are gaining in importance in innovation ranking. With an increase in innovative strength of more than 300 percent, BYD is experiencing the greatest growth of all automobile manufacturers considered in the period comparison. A broad electric offensive is primarily responsible for this, as BYD already had a large number of purely electric vehicles (BEV) in various segments at an early stage (e.g. BYD Song PRO as a medium-size SUV, BYD Han EV in the upper middle class or BYD Song MAX as a minivan). In addition, BYD benefits from the Didi D1 developed in cooperation with Didi Chuxing (Chinese mobility provider), an electric vehicle of the lower middle class specially designed for ride-hailing purposes, which has special features such as a rainbow-colored “pick-up light”. In the second observation period (2019-21), Great Wall also increased its innovative strength significantly with a plus of more than 160 percent and brought series-ready world novelties onto the market, such as a gesture-based, autonomous parking function in the Wey Mocha (2021). SAIC is increasing its innovative strength primarily due to an expanded range of electric vehicles (e.g. Roewe Ei5, Roewe ER6 or Maxus T90) and thanks to the introduction of the Baojun E300, a fully electric mini car that can already drive semi-autonomously according to SAE level 2 as standard.


Study leader Stefan Bratzel: “Electromobility, connectivity and autonomous driving lead to a dramatic change that will reorganize the industry over the next 10 years. In spite of all prophecies of doom, the German automotive groups are currently very innovative and cover a wide range of technologies with their innovations. However, due to the high level of innovation, this positive snapshot is not a long-term guarantee of survival. Already today, Tesla and other newcomers, especially from China, score with a high level of innovation and put the established manufacturers under enormous competitive pressure. In the transformation phase of the industry, comprehensive competencies in the areas of electromobility, connected services and autonomous driving will become the decisive conditions for success and survival for automobile manufacturers. „


Geely, GM and Toyota lose their innovative strength and lose most of the places in the ranking

The biggest losers in the period comparison include Geely, which is the only Chinese company to show a decline in innovative strength in the second observation period, as well as General Motors (GM) and the large Japanese group Toyota. Geely, whose innovative strength is significantly influenced by the Swedish subsidiary brands Volvo and Polestar, was unable to maintain its very high level of innovation in the previous period and fell from sixth to tenth place. The US company General Motors cannot build on the innovative strength of the first period and has slipped from ninth to twelfth place. Despite the introduction of new, innovative models such as the GMC Hummer EV, which sets new standards with a maximum charging power of up to 350 kW, GM missed a place in the top 10 with an innovation performance that was down by around 10 percent. The example of Toyota shows that stagnation in a dynamic competitive environment makes it difficult to catch up with the competition. While other corporations have often been able to increase their innovative strength in the high double-digit percentage range, Toyota remains at about the same level of innovation as in the first period, slipping from tenth place to thirteenth. With Nissan and Honda, other Japanese manufacturers are deteriorating. While Nissan has dropped from 14th to 16th, Honda has lost 7 places and is now only 19th. Tata Motors, too, was unable to maintain the high level of innovation of its premium brands Jaguar and Land Rover in the previous period and slipped from rank 8 to 17.

Figure 2: CAM AutomotiveINNOVATIONS Newcomer Ranking 2021

Source: CAM

Xpeng leads the newcomer innovation ranking ahead of US start-up Lucid

With the entry of Chinese and American newcomers, the global automotive market is fundamentally changing. Against this background, the CAM has created a separate newcomer ranking, which compares the innovative strength of the four electric start-ups Xpeng, Lucid, Nio and Rivian in the observation period 2019-21 (1st half of the year) (see Fig. 2). The Chinese automobile manufacturer Xpeng secured first place with world firsts in the key innovation field of connectivity (e.g. OTA-capable operating system Xmart OS in the Xpeng G3). With its only model to date, the Lucid Air, the US start-up Lucid Motors is setting new standards in terms of electric range (up to 830 km according to the EPA cycle), impresses with its high charging power (up to 300 kW) and is overall in second place. Nio, another Chinese player, brought a completely new approach to electromobility to the road with its battery change concept launched in 2018 and thus achieved third place. The EV start-up Rivian Automotive, supported by the large corporation Amazon, is in fourth place with a stock market valuation of over 80 billion US dollars and a previously marginal delivery volume.

Figure 3: Innovative strength of 25 automobile manufacturers (group level) in a period comparison for the years 2016-2021

Source: CAM

Methodology:

The aim of the CAM innovation study is to analyze the innovation trends in the automotive industry and the innovative strength of companies. Since 2005, between 600 and 1,200 technical vehicle innovations from automobile manufacturers have been recorded annually, each of which is classified according to around 50 defined criteria such as technology field, innovation type, model, etc. and are systematically assessed according to the M.OB.IL approach (Maturity, Originality, Benefit , Innovation level). The CAM defines innovations as novelties that offer new or additional customer benefits compared to the status quo. For example, world novelties that are available in series and have a high level of customer benefit are rated higher than me-too or group innovations that are only available as a pre-series or study (prototype). This results in an index value for every innovation, which can be condensed into total values ​​for individual groups or brands. A methodology overview can be found here:  http://www.automotiveinnovations.de/download/MOBIL-Approach.pdf

About the study:

The overall study AutomotiveINNOVATIONS 2021, which comprises more than 150 pages with more than 100 graphics, figures and tables, can be ordered for a fee at https://auto-institut.de/automotiveinnovations-2/. On the basis of over 600 categorized and individually assessed vehicle technology innovations of the year 2020/21 alone, it identifies the future trends of 30 automotive groups with 80 brands from Europe, Japan, the USA and China, among others.

About the CAM:

The Center of Automotive Management (CAM) is an independent, scientific institute for empirical automotive and mobility research as well as for strategic advice at the University of Applied Sciences (FHDW) in Bergisch Gladbach. CAM supports its customers on the basis of extensive databases, in particular on vehicle technology innovations in the global automotive industry as well as on the market and financial performance of automobile manufacturers and automotive suppliers. Using well-founded industry know-how and intimate knowledge of the market, CAM develops individual market research concepts and practice-oriented solutions for its customers in the automotive and mobility industries.

Methodology:

The aim of the CAM innovation study is to analyze the innovation trends in the automotive industry and the innovative strength of companies. Since 2005, between 600 and 1,200 technical vehicle innovations from automobile manufacturers have been recorded annually, each of which is classified according to around 50 defined criteria such as technology field, innovation type, model, etc. and are systematically assessed according to the M.OB.IL approach (Maturity, Originality, Benefit , Innovation level). The CAM defines innovations as novelties that offer new or additional customer benefits compared to the status quo. For example, world novelties that are available in series and have a high level of customer benefit are rated higher than me-too or group innovations that are only available as a pre-series or study (prototype). This results in an index value for every innovation, which can be condensed into total values ​​for individual groups or brands. A methodology overview can be found here:  http://www.automotiveinnovations.de/download/MOBIL-Approach.pdf

About the study:

The overall study AutomotiveINNOVATIONS 2021, which comprises more than 150 pages with more than 100 graphics, figures and tables, can be ordered for a fee at https://auto-institut.de/automotiveinnovations-2/. On the basis of over 600 categorized and individually assessed vehicle technology innovations of the year 2020/21 alone, it identifies the future trends of 30 automotive groups with 80 brands from Europe, Japan, the USA and China, among others.

About the CAM:

The Center of Automotive Management (CAM) is an independent, scientific institute for empirical automotive and mobility research as well as for strategic advice at the University of Applied Sciences (FHDW) in Bergisch Gladbach. CAM supports its customers on the basis of extensive databases, in particular on vehicle technology innovations in the global automotive industry as well as on the market and financial performance of automobile manufacturers and automotive suppliers. Using well-founded industry know-how and intimate knowledge of the market, CAM develops individual market research concepts and practice-oriented solutions for its customers in the automotive and mobility industries.



Center of Automotive Management (CAM)

Prof. Dr. Stefan Bratzel

An der Gohrsmühle 25

51465 Bergisch Gladbach

Tel.: +49 (0) 22 02 / 28577-0

Mobil: +49 (0) 174 / 9 73 17 78

Fax: +49 (0) 22 02 / 28577-28

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